Exklusiv: Der Handelsverband HDE zweifelt an einer fristgerechten SEPA-Umstellung in der Branche. Alle Optionen einer Verlängerung der Endtermine müssten geprüft werden, fordert der Verband.

Bis zum 1. Februar 2014 müssen sämtliche Unternehmen in Deutschland ihren bargeldlosen Zahlungsverkehr auf die Verfahren der Single Euro Payments Area (SEPA) umstellen. Doch die Zweifel, ob die aufwendigen Umstellungsprozesse bis zu diesem Datum zu bewerkstelligen sind, werden immer größer.

Eine aktuelle
Der SEPA-Stichtag, 1. Februar 2014, rückt näher.
Der SEPA-Stichtag, 1. Februar 2014, rückt näher.
, die der Handelsverbands HDE für die Deutsche Bundesbank und das Bundesfinanzministerium erstellt hat und die derhandel.de exklusiv vorliegt, zeigt, dass in der Branche noch erheblicher Informations- und Handlungsbedarf besteht:

"Nach heutigem Informationsstand ist zu befürchten, dass eine rechtzeitige Umstellung aller Unternehmen bis zum 1. Februar 2014 gefährdet ist. Großunternehmen sehen die fristgerechte Umsetzung zumindest in Teilbereichen gefährdet. Kleine und mittlere Unternehmen haben oft nicht die erforderlichen Informationen, um eine rechtzeitige Umstellung einschätzen zu können", bilanziert der HDE in der dritten Umfrage zum Stand der SEPA-Vorbereitungen aus dem Juli 2013.

Im Gegensatz zum Bundesverband der deutschen Industrie (BDI), der seine SEPA-Umfrage Ende Juli 2013 veröffentlichte, fordert der HDE eine Verschiebung der SEPA-Einführung, beziehungsweise Hilfen für die Unternehmen: "Aufgrund der Umfrageerkenntnisse muss die Ausreizung aller politischen Optionen für eine Verlängerung der Endtermine oder anderer Hilfestellungen geprüft werden, mit denen eine Entlastung der Unternehmen erreicht werden kann", schreibt der HDE.

Quelle: HDE
Quelle: HDE
Immerhin ist den meisten Handelsunternehmen inzwischen bekannt, dass Umstellungsmaßnahmen im Zuge der SEPA-Endtermine erfolgen müssen. "Es muss aber bezweifelt werden, ob das Ausmaß der notwendigen Maßnahmen vielen Unternehmen bewusst ist", kommentiert Ulrich Binnebößel, Zahlungsverkehrsexperte des HDE, die Umfrageergebnisse. "Nur jedes zweite Unternehmen hat im Befragungszeitraum SEPA-Überweisungen durchgeführt und damit Erfahrungen in der Umstellung auf IBAN und BIC gesammelt".

SEPA-Lastschriften werden mit Ausnahme weniger, insbesondere größerer Unternehmen überhaupt noch nicht durchgeführt. 82 Prozent der Befragten nutzen bislang keine SEPA-Lastschriften, bei weiteren 16 Prozent wird die SEPA-Lastschrift nur gering (bis 25 Prozent der Transaktionen) genutzt. Knapp mehr als die Hälfte aller Händler (52 Prozent) besitzt inzwischen eine Gläubiger-ID für den Lastschrifteinzug. Bei den Großunternehmen beträgt diese Quote annähernd 100 Prozent, was jedoch wenig über den Vorbereitungsstand verrät.

Jedes zweite Handelsunternehmen hat der Umfrage zufolge inzwischen immerhin einen SEPA-Beauftragten bestimmt.

"Die Vorbereitungen der Einzelhandelsunternehmen auf SEPA liegen hinter den Erwartungen zurück", bilanziert Binnebößel dennoch. "Die Unternehmen beklagen einen hohen Umstellungsaufwand, dem keine konkreten Vorteile für das eigene Unternehmen entgegenstehen". Angesichts der kurzen noch zur Verfügung stehenden Zeit und des bevorstehenden Weihnachtsgeschäft, in dem erfahrungsgemäß alle Ressourcen gebunden sind, sei der technische Stand der Vorbereitungen unzureichend, warnt der Verband.

Quelle: HDE
Quelle: HDE
Die Handelsunternehmen schätzen ihren Informationsbedarf konsequenterweise nach wie vor als "hoch" ein, Hilfestellungen werden als nicht befriedigend eingestuft. Insbesondere wird bemängelt, dass die Ansprechpartner der Hausbanken keine ausreichenden unternehmensindividuellen Informationen und Hilfen geben können.

Als hinderlich werden auch fehlende oder spät angekündigte Updates bei der im Unternehmen eingesetzten Software bemängelt. Sowohl Großunternehmen als auch der Mittelstand sehen hier eine mögliche Gefahr für die fristgerechte Umstellung auf SEPA.

Vorteile durch die SEPA-Umstellung erwarten insbesondere große, international tätige Handelsunternehmen. Bei mittelständischen Unternehmen sei dagegen zu beobachten, dass die Anpassung der Prozesse häufig noch nicht begonnen hat, so die Bilanz der Umfrage, die zusammen mit den Mitgliederbefragungen der übrigen Wirtschaftsverbände Grundlage für den dritten SEPA-Migrationsbericht von Bundesbank und Bundeswirtschaftsministerium wird.