TV-Sender entdecken Händler als Kandidaten für das Reality-Fernsehen. Im Fokus sind Beratungsformate für Ladenbesitzer.

Wer derzeit die Insolvenzdramen um Kaufhausketten wie Wehmeyer, Hertie und SinnLeffers verfolgt, erlebt, wie viel menschliches Drama in den angeblich so nüchternen Geschäftsbilanzen schlummert.

Diese Erkenntnis ist auch an den Programmverantwortlichen der deutschen Fernsehlandschaft nicht spurlos vorbeigegangen. Angesichts des Millionenpublikums für Coaching-Serien wie „Raus aus der Schuldenfalle” oder „Die Supernanny” suchen Sender nach einem Programmkonzept, um den Überlebenskampf wirtschaftlich angeschlagener Einzelhändler zu begleiten.

Gute Quoten, schlechte Quoten

Die Suche nach dem richtigen Sendeplatz für die Shows mit ihrer einmaligen Mischung aus menschlichen Schicksalen und betriebswirtschaftlichen Fakten ist jedoch nicht unproblematisch. So wird die Berater-Dokuserie „Bis der Laden läuft” nach Ausstrahlung der drei Pilotfolgen bei Vox nicht mehr fortgesetzt.

In der Show hatte das Beraterduo Gerhard Metz und Reinhold Gruppenberger vor allem kleineren familiengeführten Läden unter die Arme gegriffen. Die Zuschauer lernten viel über geschäftliche Alltagsprobleme, hatten aber gleichzeitig auch Anteil an der persönlichen Lebensgeschichte der Ladenbesitzer.

Das Beratungsformat konnte letztlich bei den Zuschauerzahlen nicht überzeugen: Während die Erstausstrahlung noch 1,21 Millionen Zuschauer erreichte, wollten die letzte Sendung am 1. Juni nur noch 0,77 Millionen Zuschauer sehen.

Andreas Eck, Pressesprecher der Produktionsfirma First Entertainment, glaubt jedoch unverändert an das Format: „Wir verhandeln mit anderen Sendern über eine Fortsetzung.”

Schwere Aufgabe

Auch RTL II tut sich beim Unternehmenscoaching schwer. „Requardt - der Existenzretter” erlebte beim Münchner Sender nur einen einzigen Ausstrahlungstermin - laut RTL II war von vornherein nicht mehr geplant gewesen.

Da „Requardt” mit 990.000 Zuschauern jedoch deutlich unter der bisherigen Reichweite dieses Sendeplatzes lag, dürfte sich die Versuchung für den Start ohnehin in Grenzen gehalten haben.

Hagen hilft Kabel 1

Dagegen hat sich die Kabel-1-Sendung „Hagen hilft” seit dem Start am 4. Juli bei einer Zuschauerreichweite von 1,15 Millionen Zuschauern etabliert. Dabei dürfte hilfreich gewesen sein, dass der Sender schon traditionell mit einer Vielzahl von Doku-Formaten aus dem bundesdeutschen Arbeitsalltag berichtet.

Tanja Deuerling, Leiterin der Chefredaktion von Kabel eins, würdigt auch den Verdienst des titelgebenden Moderatoren des Formats: „Mit Stefan Hagen haben wir eine starke Hauptfigur gefunden, mit der sich die Zuschauer identifizieren. Sie honorieren seine realitätsnahe Art sowie die Tatsache, dass er sich mit den betrieblichen Problemen beschäftigt, dabei aber immer den Menschen hinter den Zahlen sieht.”

Santiago Campillo-Lundbeck