Nur jeder zehnte Händler verspricht sich von der Fußball-Europameisterschaft steigende Umsätze, zeigt eine Umfrage. Nicht wenige befürchten sogar das Gegenteil.

Gut fünf Wochen vor dem Anpfiff der Fußball-Europameisterschaft hegt der deutsche Einzelhandel wenig Hoffnung auf Umsatzimpulse. Nur jeder zehnte Händler verspricht sich von dem Sporteignis ein Umsatzplus für sein Geschäft. Das ergab der aktuelle Konjunkturindex "Handelskix" des Handelsverbandes Deutschland (HDE).

Demnach rechnen knapp 17 Prozent der 330 befragten Händler sogar mit Umsatzrückgängen während der EM, die vom 8. Juni bis 1. Juli in Polen und der Ukraine ausgetragen wird. Die große Mehrheit (70 Prozent) erwartet keinerlei Auswirkungen auf ihr Geschäft.

Fernseher, Trikots und Fanartikel

Traditionell profitieren von Sportgroßereignissen hauptächlich die Einzelhandelssparten, die nah am Thema dran sind, wie der Handel mit Unterhaltungselektronik und Sport- und Fanartikeln sowie Teile des Lebensmitteleinzelhandels, zum Beispiel durch Sammelbildchen bei Süßwaren.

Im Sporthandel machte zum Beispiel der Umsatz mit Fußballartikeln während der Fußball-WM im Juni 2010 mit 24,3 Prozent fast ein Viertel der Gesamtumsätze aus. Normalerweise liegt der Anteil bei 15,5 Prozent. Auf eBay wurden im gleichen Zeitraum binnen 30 Tagen rund 11.000 Vuvuzelas verkauft. 

"Vor allem der Sporthandel wird auch diesmal über den Verkauf von Trikots und Fanartikeln sicherlich von einem guten Abschneiden der deutschen Mannschaft profitieren", sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Insgesamt aber seien die Erwartungen der Händler "gebremst". 

Impulse für die Wirtschaft werden überschätzt

Der HDE-Umfrage zufolge erwarten größere Unternehmen eher positive Efekte von der Fußball-EM als kleinere: Ein Fünftel der Händler mit einem Jahresumsatz von über zwei Millionen Euro rechnet für den Juni mit Umsatzsteigerungen, bei den kleineren Unternehmen sind es nur knapp sieben Prozent. 

Tatsächlich werden die wirtschaftlichen Impulse durch Sportgroßereignisse häufig überschätzt - vor allem an den Austragungsorten selbst. So rechnet die Ratingagentur Moody´s in Großbritannien nur mit einem kurzzeitigen Auftrieb der Wirtschaft durch die Olympischen Spiele in diesem Sommer. 

Vor allem die Stimmung profitiert

Auch das englische Gastgewerbe sollte sich laut der Moody´s-Studie keine allzu großen Hoffnungen machen. Denn eine Zunahme der Übernachtungszahlen im Sommer würde durch einen Rückgang in den Folgemonaten wieder ausgeglichen.

Außerdem, so heißt es in der Studie weiter, seien Schlachtenbummler eher umsatzschwache Touristen. Wenn die spendableren Geschäftsreisenden in England im Sommer ausblieben, könnte sich das Ganze sogar nachteilig auf das Gastgewerbe auswirken.

Am Ende könnte es sein, dass vor allem die Sponsoren von der Veranstaltung profitieren - oder wenigstens die gute Stimmung.