Ob Fruchtgummi in Deutschland-Farben oder Tippspiele beim Fernseh-Kauf: Von der Fußball-WM in Südafrika wollen viele Branchen profitieren. Damit das Geschäft gut läuft, muss die deutsche Elf weit kommen.

Schoko-Bälle, Fußball-Eis und Weltmeister-Joghurt - die Fußball-WM bringt die Fantasie von Handel und Industrie in Schwung. Ob Getränke, Spielzeug, Bücher, Kleidung, Autos oder Elektronik: Viele Branchen springen mit ihrer Werbung auf den WM-Zug auf und hoffen, von dem in zwei Wochen beginnenden Großereignis zu profitieren.

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Laut einer Studie der Unternehmensberatung Capgemini wollen die Verbraucher zur WM 2010 deutlich mehr ausgeben als 2006. Der Handelsverband HDE ist da eher skeptisch: "Wir erwarten durchaus Impulse von der WM, aber da sie nicht in Deutschland stattfindet, sind die Erwartungen nicht allzu hoch", sagt etwa HDE-Sprecher Kai Falk.

In einem sind sich jedoch alle einig: Je weiter die deutsche Mannschaft kommt, desto besser fürs Geschäft. Denn dann ist  die Stimmung gut und erfahrungsgemäß steigt die Konsumlaune. Wenn dazu noch die Sonne kräftig scheint, kann aus Sicht von Biergartenbetreibern und Getränkelieferanten nichts mehr schief gehen. Auch die Sportfachhändler erwarten dann gute Umsätze.

Unterschiedliche Wünsche für das Wetter

"Bei gutem Wetter und Volksfeststimmung wird automatisch mehr getrunken", sagt Sepp Gail, der Vorsitzende des Deutschen Getränke-Einzelhandels. Auch der Deutsche Brauer-Bund vertraut darauf, dass es die Menschen bei schönem Wetter in Scharen zum gemeinsamen Public Viewing nach draußen treibt. Im Idealfall könne der Bier-Absatz dann um ein bis zwei Prozent steigen.

Die Süßigkeiten-Produzenten hoffen, dass die WM ihren Umsatz um bis zu drei Prozent in die Höhe treibt - wettermäßig haben sie allerdings andere Wünsche als die Getränkebranche. "Für uns wäre es besser, wenn das Wetter eher durchwachsen ist und möglichst viele Leute zu Hause Fußball gucken", sagt Torben Erbrath, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie.

Denn Schoko-Kugeln und Fruchtgummi schmecken nun mal besser, wenn sie nicht vor lauter Wärme klebrig werden - da helfen auch schwarz-rot-goldene Farben nichts. Und Chipstüten werden eher selten zum Public Viewing mitgenommen - nicht umsonst spricht die Branche bei salzigen Snacks von "fernsehrelevanten Artikeln".

Absatzrekord mit HDTV-Fernsehern erwartet

Elektrofachhändler wie Euronics rechnen mit deutlichem Rückenwind durch die WM. Der Bundesverband Technik des Einzelhandels erwartet nach 8,6 Millionen verkauften Fernsehgeräten 2009 in diesem Jahr mit 9,3 Millionen Stück "einen absoluten Umsatz- und Absatzrekord".

Einen großen Beitrag dazu leisten soll die neue HDTV-Technik, die auch die WM-Spiele superscharf ins Bild setzt. Auch die 3D-Technik belebt den Umsatz.

Beim Fernseherverkauf läuft die heiße Phase bereits vor Beginn der WM. Deshalb lockt zum Beispiel MediaMarkt mit einem Tippspiel, bei dem man den Kaufpreis teilweise oder ganz zurückbekommt, wenn das deutsche WM-Team weit genug kommt. Bedingung: Der Fernseher muss spätestens am 29. Mai erworben werden.

Der Spielwarenhandel sieht sich mit Tischfußball, Bällen und Fanartikel gut auf das sportliche Großereignis vorbereitet. In vielen Buchläden stehen Sondertische mit Fußball-Büchern und Südafrika-Reiseführern. Auf rege Nachfrage dürften typische WM-Souvenirs stoßen: T-Shirts und Kappen mit Aufdruck, Deutschland-Fähnchen fürs Auto oder Tröten im Stil der südafrikanischen Vuvuzela.

Sammelbildchen gibt es außer zum Verkauf auch in Schokoriegel-Verpackungen oder ab einem bestimmten Einkaufswert als Beigabe an der Supermarkt-Kasse bei Rewe. Ein Autokonzern wirbt mit Fußballlegenden wie Paul Breitner und Fritz Walter.

WM-Kampagnen wiederholen sich

Die Fußball-WM sei einfach ein Topp-Thema, an dem niemand vorbeikomme, der seine Produkte bewerben wolle, meint der Vizepräsident des Deutschen Marketing-Verbands, Karl Georg Musiol.

"Ein Problem dabei ist aber, dass die Aktionen sich ziemlich ähnlich sind und somit immer austauschbarer werden", sagte Musiol. Dies könne eigentlich kaum im Sinne der Firmen sein. "Vieles gab es schon bei der WM 2006, das meiste wiederholt sich."

Trotz Online-Kampagnen, Fernsehspots, Zeitungsanzeigen und bunten Prospekten: Die Werbewirtschaft erwartet keinen besonderen Schub durch die WM. "Für Medienwerbung in Bezug auf die WM wird der Etat nicht hochgefahren, das sind in der Regel keine zusätzlichen Ausgaben", sagt der Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft, Volker Nickel.

Ganz gleich, wie Händler und Hersteller letztlich die Fußball-WM für ihre Zwecke nutzen wollen: Mit Logos und Markennamen der FIFA - etwa "World Cup 2010" - dürfen nur die offiziellen Sponsoren werben, die Millionensummen für diese Rechte bezahlt haben. Gegen Verstöße geht die FIFA juristisch vor.

Petra Albers, dpa / DH