Nach den krisenbedingten zweistelligen Umsatzeinbußen im Jahr 2009 erholt sich die Caravaning-Branche nur mühsam. Neue Produkte sollen das Geschäft ankurbeln.

Werksschließungen und Massenentlassungen - die Hersteller von Freizeitfahrzeugen traf die Finanzkrise im Jahr 2009 besonders hart, und im Gefolge auch die Händler.

"Es gab eine Reihe von Insolvenzen", bestätigt Hans-Karl Sternberg vom deutschen Caravaning Industrie-Verband (CIVD) in Frankfurt am Main im Gespräch mit Der Handel. Vor allem im Osten der Republik sei "die Eigenkapitaldecke vielfach zu kurz gewesen", analysiert der Verbandsgeschäftsführer.

Wohnwagen-Markt im freien Fall

Der deutsche Wohnwagen-Markt, seit dem Jahre 2000 ohnehin schon im freien Fall, schrumpfte gegenüber 2008 um weitere 13,3 Prozent auf nur noch 16.723 Einheiten. Der Absatz von Reisemobilen gab im Vorjahresvergleich um 16,1 Prozent auf 17.556 Neuzulassungen nach. Der Gesamtumsatz der Branche sank 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 21,4 Prozent von 5,22 auf 4,11 Milliarden Euro.

Aktuell registriert die Szene "eine Stabilisierung der Märkte", wie Hermann Pfaff, Vorstandsmitglied beim deutschen Marktführer Hymer in Bad Waldsee, erklärt. "Allerdings auf niedrigem Niveau". Sein Amtskollege Klaus-Peter Bolz von Bürstner sieht indes weiter einen stabilen Abwärtstrend, der sich jetzt verlangsamt.

"Für 2010 ist ein Minus von 5 Prozent realistisch", prognostiziert Verbandschef Sternberg, den vor allem der in den ersten vier Monaten des Jahres wiederum deutliche Rückgang von knapp 10 Prozent bei den Caravans negativ überrascht: "Da haben einige Händler im vergangenen Jahr in ihrer Not offensichtlich Fahrzeuge zu Schleuderkonditionen in den Markt gedrückt und auch noch Grau-Importe verkauft. Das mindert jetzt die Nachfrage."

Überkapazitäten abgebaut

Dennoch ist der Verbandschef für den weiteren Jahresverlauf zuversichtlich, weil in der Krise die Überkapazitäten abgebaut und die Höfe leer geräumt wurden: "Das Geschäft mit Gebrauchten läuft gut, die umsatzstärksten Monate liegen noch vor uns und für den Caravan-Salon im August in Düsseldorf wurden bereits 10 Prozent mehr Fläche gebucht als im Vorjahr", sagt Sternberg.

Zudem habe die Zahl der Camper in Deutschland im vergangenen Jahr zugenommen. Nun gilt es, diese potentiellen Käufer an Freizeitfahrzeuge heranzuführen.

Hymer präsentiert neue B-Klasse

Hymer versucht dies mit einer Neuauflage seines Klassikers, der B-Klasse. Das integrierte Modell wurde grundlegend überarbeitet und steht nun mit neun verschiedenen Grundrissen zu Preisen ab 62.790 Euro im Angebot. Dass es bei den Allgäuern noch vornehmer geht, beweisen die B-Klasse SL (ab 71.890 Euro), der XL ab 111.490 Euro, die S-Klasse (ab 133.690 Euro) und natürlich der "Liner" für 153.890 Euro.

Für weniger betuchte Kunden hält das Unternehmen, das 2009 mit 1.851 Zulassungen die Reisemobil-Hitliste in Deutschland knapp vor den Konzern-Töchtern Dethleffs (1.825) und Bürstner (931) anführte, den "Hymer Car", ein Kastenwagenausbau auf Basis des Fiat Ducato, zu Preisen ab 27.990 Euro bereit.

Günstige Modelle von Corado liegen im Trend

Oder verweist auf eine weitere Tochtergesellschaft: Capron, ein 2006 gemeinsam mit Dethleffs gegründetes Unternehmen im sächsischen Neustadt erfreut sich mit preisgünstigen Einsteigermodellen unter der Marke Carado gegen den allgemeinen Trend weiteren Wachstums.

Foto: Bürstner
Foto: Bürstner
"Freizeitfahrzeuge mit umfassender Ausstattung aber ohne überflüssigen Schnickschnack zu bauen, hat sich bewährt", sagt Vertriebsleiter Thomas Gross nicht ohne Stolz. Die Carado-Wohnmobile beginnen bei 36.999 Euro, die Caravan-Preisliste startet bei volkstümlichen 12.199 Euro.

Gut besuchte Händlertagung

Im badischen Kehl beobachtet Europas Reisemobil-Primus Bürstner die Gesamtlage wie erwähnt eher skeptisch: "Die Krise ist noch nicht vorbei. Wir liegen bei Verkaufszahlen und Werksauslastung noch immer deutlich hinter den Zahlen von 2008", mahnte Geschäftsführer Klaus-Peter Bolz auf der jüngsten Händlertagung, zu der immerhin 305 der insgesamt 325 europäischen Vertriebspartner gekommen seien, um "in schwierigen Zeiten" den Schulterschluss mit der Hersteller zu demonstrieren.

Wenigstens die Lage auf den Verkaufsplätzen beurteilt Bolz ähnlich wie der Verband: "Die Bestände bei den Händlern haben sich merklich reduziert. Inzwischen fragt der Handel bei uns wieder nach neuen Modellen."

Neue Reisemobil-Baureihe von Bürstner

Für das Modelljahr 2011 hat der Hersteller die neue Reisemobil-Baureihe "Ixeo time" zu Preisen ab 43.960 Euro aufgelegt. "Ein kompaktes Mobil mit kompletter Basisausstattung, an dem auch der Händler etwas verdienen kann", meint Bolz, um anzufügen: "Einige Wettbewerber haben den Händlern die Marge gekürzt, um zu sparen. So etwas gibt es bei uns nicht."

Mit fünf Caravan-Baureihen zu Preisen ab 11.990 Euro und gleich zehn Reisemobil-Varianten geht Bürstner in die neue Saison. Damit will der Aufbauspezialist den Umsatz von 285 auf 290 Millionen Euro leicht steigern. Erst für 2011 erwartet die gebeutelte Branche wieder nennenswertes Wachstum.

Bernd Nusser