Acht Handelsunternehmen sind die Gründungsmitglieder einer Energiespar-Initiative. Das Ziel: Den CO2-Ausstoß in Herstellerländern der Dritten Welt drastisch verringern.

Ein Warmwasserboiler in einer chinesischen Textilfabrik könnte das Symbol dafür sein, wie eine Klimaschutzinitiative des deutschen Einzelhandels in der Praxis wirken kann. Im Oktober 2011 wurde in dem Werk ein uraltes Gerät zur Dampferzeugung in den Bügelstationen gegen ein neues ausgetauscht – in diesem Jahr soll der Betrieb allein deswegen etwa 15 Tonnen Co2 einsparen.

Oliver Klinck erzählt stolz von dieser Aktion. "Pragmatismus ist für uns der Kern", sagt der Direktor Einkauf der Otto Group und stellvertretende Vorsitzender der Carbon Performance Improvement Initiative (CPI2), wie ein neues Bündnis von Einzelhandelsunternehmen heißt.

Nicht reden, sondern anpacken

Dessen Ziel: Energiesparen in der internationalen Lieferkette. Acht Händler haben sich als Gründungsmitglieder der Initiative zusammengetan: Kik, HSE24, Otto, QVC, Reno, s.Oliver, Tchibo und Tom Tailor. Alles Unternehmen, die auch in der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels (AVE) vertreten sind, unter deren Schirm die Initiative gegründet wurde. Begleitet wird das Projekt vom Bundesumweltamt sowie der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG).

Die Initiative präsentierte sich an diesem Mittwoch in Düsseldorf der Öffentlichkeit mit einem Leitsatz: "Klimaschutz endet nicht an den Lieferrampen deutscher Importunternehmen." CPI2-Vorsitzender ist Matthias Händle, Chef der Schuhhandelskette Reno sowie AVE-Präsident. Für ihn ist die Politik alleine nicht in der Lage zügig konkrete Ergebnisse beim weltweiten Einsparen von CO2 zu erzielen. Also sollen die Unternehmer ohne viel Gerede sofort anpacken.

20 Prozent Energieeinsparung sofort möglich

CPI2 wird unterstützt von der Hamburger Beratungsfirma Systain Consulting. Deren Geschäftsführer Hubertus Drinkuth versicherte, dass es ein Leichtes sei, in jedem Herstellerunternehmen schnell den Energiebedarf und damit auch den CO2-Ausstoß um 20 Prozent zu drosseln. "Das geht durch moderne Boiler oder eine bessere Beleuchtungsanlage", sagte er. In ein paar Jahren sollen so Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. "Alles andere wäre zu wenig", versicherte Drinkuth.

Und so soll es in der Praxis funktionieren: Die Handelsbetriebe wollen ihre Herstellerfirmen in den Dritte-Welt-Ländern über Energiesparmaßnahmen aufklären und aufzeigen, wie sie damit auch die Produktionskosten verringern können. "Wir kommen nicht mit der moralischen Keule", versicherte Klinck.

Auch sei nicht beabsichtigt, Firmen, die für Energieverschwendung stehen, zu boykottieren. Stattdessen wird auf Beratung gesetzt. Dafür wurde ein Online-Managementsystem entwickelt, mit dem Fabriken den Energieverbrauch in allen Abteilungen ermitteln können.

Beratung per Online-Tool

Das Tool wertet die Daten aus und liefert danach Handlungsempfehlungen zum Energiesparen. Sollte der Veränderungsbedarf hoch sein, will CPI2 die Unternehmen vor Ort unterstützen. Das Tool testet die Initiative seit Herbst 2011 in China und Bangladesh. Es seien dabei bereits erste CO2-Einsparungen erzielt worden, heißt es. Ab Mitte 2012 soll die Software dann großflächig bei Lieferanten der Gründungsmitgliedsunternehmen eingesetzt werden.

Auf drei Warengruppen will die Initiative ihre Beratungsarbeit vorerst konzentrieren: Textil, Schuhe und Möbel. 30.000 Euro hat dafür jedes der acht Gründungsmitglieder als Startkapital in den gemeinsamen Topf geworfen, zudem stellt jedes Unternehmen noch eigene Ressourcen wie Reisekosten zur Verfügung.

Werbetrommel wird gerührt

Die Initiative will so schnell wie möglich so viele Händler wie möglich zum Mitmachen bewegen – auch international. "Dafür rühren wir die Werbetrommel", versicherte Reno-Chef Händle. Man sei bereits mit einem Schweizer Handelsunternehmen im Gespräch.

Um zu verdeutlichen worum es geht, nannte Händle noch eine Zahl. 30 Prozent der CO2-Emmissionen im Lebenszyklus von Konsumgütern des Handels würden nicht in Deutschland, sondern bei deren Herstellung freigesetzt. "Während wir in westlichen Industrieländern oft mit viel Mühe versuchen, das letzte Quentchen Energieeffizienz heraus zu kitzeln, können in China oder Bangladesh meistens schon mit geringem Aufwand enorme Einsparungen erzielt werden."

Steffen Gerth, Düsseldorf