Die deutschen Einzelhändler zeigen beim Einkauf von Fisch und Meeresfrüchten inzwischen mehr Verantwortung. Gleichwohl sieht die Umweltorganisation Greenpeace bei der Umsetzung der Einkaufsrichtlinien noch Defizite.

Einem Ranking der Umweltorganisation Greenpeace zufolge hat der deutsche Handel im vergangenen Jahr mehr Verantwortung beim Einkauf von Fisch und Meeresfrüchten übernommen. Das Ergebnis der am Mittwoch vorgestellten Studie zeige eine starke Verbesserung zum Vorjahr, berichtete Iris Menn, Meeresexpertin von Greenpeace.

Für das Ranking wurden 15 deutsche Supermarktketten und Discounter untersucht und in Kategorien wie Nachhaltigkeit und Kennzeichnung der Produkte bewertet. Dabei konnten die Experten insgesamt gute Fortschritte bei den Einkaufsrichtlinien der Unternehmen feststellen. Es mangele aber vielfach noch in der Umsetzung, erklärte Menn. So müsse beispielsweise bei der Produktkennzeichnung noch vieles verbessert werden.

Noch kein Vorzeige-Händler

"Noch hat kein Unternehmen einen grünen Standard erreicht", sagte die Expertin. Daher gebe es auch in Zukunft noch vieles zu tun. So seien beispielsweise die Sozialstandards bei über der Hälfte der Unternehmen mit rot - also mit schlecht - bewertet worden. Auch in der Kategorie Transparenz und Kundeninformation schnitten sechs der Unternehmen schlecht ab. Insgesamt seien seien bei den untersuchten Handelsunternehmen nur 45 bis 61 Prozent der Gesamtpunktzahl erreicht worden.

Eine weitere Verbesserungsmöglichkeit sei die Ausweitung der Richtlinien auf andere Länder, berichtete Menn. Da viele der Handelsketten international agieren, werde an einer länderübergreifenden Etablierung der Einkaufsrichtlinien gearbeitet.

Kaufland führt das Ranking an

An der Spitze habe sich im Vergleich zum Vorjahr nichts geändert: Erneut führt Kaufland das Ranking an, gefolgt von Bünting und Norma. Deutliche Verbesserungen in der Gesamtbewertung zeigten sich bei Kaiser’s Tengelmann, Metro Cash & Carry, Aldi Süd und Aldi Nord.
 
Netto Markendiscount sei das einzige Unternehmen, das seine Einkaufspolitik nicht öffentlich zugänglich macht. Bei allen anderen ist demnach die Richtlinie für den Verbraucher im Internet zugänglich.

Fünftes Ranking

Mit dem Ranking prüft Greenpeace bereits seit 2007 deutsche Handelsketten und deren Einkaufspraxis bei Fischprodukten. Die Umweltschützer sind zufrieden, dass durch das Greenpeace-Ranking heute Aspekte wie Nachhaltigkeit, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung der Produkte sowie Sozialstandards und Transparenz feste Bestandteile der supermarkteigenen Richtlinien seien. Jeder Deutsche verzehrt durchschnittlich 15,7 Kilogramm Fisch im Jahr.