Der Internetverkauf ist für Verbundgruppen eine besondere Herausforderung. derhandel.de sprach mit Ulrich Schwarze, Geschäftsführer der Beauty Alliance über den neuen Webshop parfuemerie.de.

Lange geplant, spät gestartet: der Handel.de sprach mit Ulrich Schwarze, Geschäftsführer der Parfümeriekooperation Beauty Alliance über den noch jungen Onlineshop.

Parfuemerie.de ist seit 15. August 2013 freigeschaltet. Warum haben Sie sich mit dem Einstieg in den Onlinehandel so lange Zeit gelassen?
Das erste Konzept haben wir vor drei Jahren auf den Tisch gelegt, es folgten lange Diskussionen innerhalb der Verbundgruppe. Vor allem seitens großer Gesellschafter, die schon selbst erfolgreiche Onlineshops betreiben, gab es Einwände. Auf der anderen Seite stand aber die Befürchtung kleiner Anschlusshäuser, beim Internethandel außen vor zu bleiben.

Das klingt nach unüberwindbaren Differenzen...
Wir konnten den Onlineshop deshalb nicht als gesamte Beauty Alliance aufziehen. Stattdessen wurde eine getrennte Kommanditgesellschaft gegründet. An dieser sind etwa die Hälfte der Gesellschafter mit ingesamt rund einer Million Euro beteiligt. Ein großer Vertrauensvorschuss unserer Mitglieder. Das Modell löst zwar nicht alle emotionalen Probleme im Verbund, ist aber ein guter Kompromiss.

Wie sind die Fachgeschäfte in das Onlinekonzept eingebunden?
Die beteiligten Parfümerien erhalten Schaufensteraufkleber mit einem QR-Code, der zu parfuemerie.de führt. So können Kunden auch außerhalb der Öffnungszeiten einkaufen. Die Fachhändler profitieren außerdem von der virtuellen Sortimentserweiterung. Ist im Laden ein Produkt ausverkauft, kann dem Kunden die Lieferung nach Hause angeboten werden. In diesem Fall erhält der Händler eine Provision. Umgekehrt soll es online künftig möglich sein, die Verfügbarkeit von Produkten beim lokalen Fachhändler abzufragen.

Ist auch die Lieferung von Bestellungen in die Geschäfte vorgesehen?
Eine Abhol- und Rückgabemöglichkeit wird es zwar geben. Sie wird aber bewusst nicht versandkostenfrei angeboten. Unsere Fachhändler wollen schließlich nicht die Versteilstation des Onlineshops sein. Das käme auch bei den Mitarbeitern auf der Fläche falsch an.

Inwiefern?
Die Vorstellung vom Onlineshop als Gegner des stationären Handels ist aus den Köpfen der meisten Gesellschafter inzwischen raus. Bei den Verkaufsmitarbeitern dauert dieses Umdenken etwas länger. Da bedarf es viel Überzeugungsarbeit um klarzumachen, dass der Onlinehandel gerade zur Arbeitsplatzsicherung beiträgt. Schließlich gehen wir davon aus, dass der Onlineanteil in der Parfümeriebranche mittelfristig von derzeit 6 auf 15 Prozent steigen wird.

Interview: Ulrike Sanz Grossón