Wieder hat der Centerbetreiber ECE Ärger mit den Datenschützern. Diesmal geht es um aufgezeichnete Kundentelefonate. Das Unternehmen spricht von einem technischen Defekt.

In Einkaufszentren des Hamburger Projektentwicklers ECE sind nach Informationen des Radiosenders NDR Info Kundenanrufe aufgezeichnet und gespeichert worden, ohne dass die Anrufer über die Mitschnitte informiert wurden.

ECE-Sprecher Robert Heinemann erklärte am Donnerstag,  die Gespräche seien versehentlich vorübergehend gespeichert, dann aber automatisch überschrieben und inzwischen komplett gelöscht worden. Das Unternehmen führt in Deutschland 94 Shoppingzentren, mit den ausländischen Märkten sind es insgesamt 132 Center. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat wegen illegaler Aufzeichnungen Strafanzeige gestellt.

Staatsanwaltschaft bestätigt Anzeige

Jeder Anrufer habe Persönlichkeitsrechte, die geschützt werden müssten, sagte Caspar dem NDR. Seine Anzeige wegen des Verdachts auf Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes sei am 17. März eingegangen, berichtete Wilhelm Möllers, Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft.

"Der Fehler entstand schon bei der Einstellung der hochkomplexen Telefonanlagen", erklärte Heinemann. In einigen ECE-Zentren hätten die Geräte zur Aufzeichnung von Drohanrufen automatisch alle Gespräche aufgenommen, statt nur auf Knopfdruck Drohanrufe. Betroffen waren zwei Zentren in Hamburg und eines in Sachsen. Hier sei die automatische Aufzeichnung sofort eingestellt worden, ebenso in anderen Zentren mit ähnlichen Geräten. Wie viele Einkaufszentren insgesamt betroffen sind, konnte Heinemann zunächst nicht sagen.

Anrufe dürften ohne die Einwilligung der Betroffenen nur in konkreten Bedrohungslagen aufgezeichnet werden, erläuterte der Datenschutzbeauftragte Caspar der Nachrichtenagentur dpa. "ECE hat sehr schnell reagiert und die Praxis eingestellt, so dass nach unseren Erkenntnissen keine Gefahr von Aufzeichnungen mehr besteht", fügte er hinzu.

Vor einigen Wochen stand die ECE schon einmal in der Kritik der Datenschützer. Damals ging es um verbotene Videoaufzeichnungen in Centern.