Der größte Geldtransporteur Deutschlands, Securlog, steckt in Schwierigkeiten. Die Handelsbranche muss sich erneut um die Bargeldversorgung Gedanken machen.    

Vor drei Jahren erschütterte ein gewaltiger Betrugsskandal das Geld- und Werttransportgewerbe. Führende Manager landeten hinter Gittern. Ausgerechnet der Marktführer, die Heros-Gruppe, hatte Verluste mit dem Geld ausgeglichen, das ihr die Kunden anvertraut hatten. Heros war pleite.

Die Bargeld-Versorgung der deutschen Wirtschaft - und insbesondere des Einzelhandels - schien in Gefahr. Aus der Heros-Gruppe ging 2006 das Unternehmen Securlog mit Sitz in Düsseldorf hervor. Drei Jahre später schreibt Securlog Verluste - jetzt sollen die Beschäftigten für die Sanierung zur Kasse gebeten werden. In der Branche wird ein Lohn- und Preisverfall befürchtet.

Marktanteil im Geldtransport-Geschäft von rund 40 Prozent

Mit geschätzten 40 Prozent Marktanteil, 3.600 Mitarbeitern, rund 185 Millionen Euro Umsatz und 1.100 gepanzerten Geldtransportern ist Securlog wie vormals Heros der größte Werttransporteur Deutschlands und befördert Milliardenwerte.

Der US-Finanzinvestor Matlin Patterson und die Investmentbank Goldman Sachs sind die neuen Eigentümer Securlogs. Und glaubt man Insidern, haben sie die Geduld mit ihrer verlustreichen Beteiligung verloren. Von einem Ultimatum ist die Rede.

Versuche, das Unternehmen auf Ertrag zu trimmen, waren bislang von mäßigem Erfolg gekrönt, mehrfach vertröstete das Unternehmen auf schwarze Zahlen in der Zukunft. Die Branchenpreise für den Geldtransport sind in Deutschland im internationalen Vergleich im Keller.

Tarifeinigung mit den Beschäftigen am Donnestag

Richten sollen es nun die Beschäftigten mit ihren Einkommen. Das Unternehmen strebt einen eigenen, neuen Tarifvertrag an. Eine "Lohnanpassung an das Wertschöpfungspotenzial" soll den Geldtransporteur in die schwarzen Zahlen bringen, heißt es dabei recht deutlich.

In langwierigen und schwierigen Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat habe man nun ein Sanierungskonzept vereinbart, teilte Securlog mit. Es solle "den Fortbestand des Unternehmens in einem schwierigen Marktumfeld" sichern.

Zu Einzelheiten wie Lohneinbußen oder etwaigem Stellenabbau schwieg sich das Unternehmen auch auf Nachfrage aus. Außerdem müssten die Gremien der Gewerkschaft Verdi dem Konzept noch zustimmen. Aus Verdi-Kreisen hieß es, es handele sich um den erwarteten Sanierungs-Tarifvertrag.

Der neue Tarifvertrag solle den "Wildwuchs" elf verschiedener Verträge beenden und für Gerechtigkeit und Effizienz sorgen, hatte die Unternehmensleitung geworben. Es gehe um "Einheitlichkeit und stabile Kostenstrukturen". Doch in der Branche wird bereits über negative Auswirkungen des geplanten Sanierungs-Tarifvertrags für den Marktführer diskutiert.

Lohn- und Preisdumping befürchtet

Kritiker befürchten eine weitere Lohn- und Preisspirale nach unten. "Die Diskussion wird geführt", bestätigt Oliver Arning von der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste. "Es ist aber noch zu früh, um etwas zu den Auswirkungen zu sagen."

"Die Unternehmensleitung hat uns darüber informiert, dass es ihnen schlecht geht", bestätigt Angelika Hecker, zuständige Fachbereichsleiterin der Gewerkschaft Verdi in Düsseldorf. Einem Absenken des Tarifniveaus unter Branchenniveau steht die Gewerkschafterin skeptisch gegenüber: "Ich würde es nicht machen. Das Lohn- und Preisdumping schafft die Branche sich selbst. Und Securlog ist daran nicht unbeteiligt." Andererseits sei man natürlich darum bemüht, Arbeitsplätze zu sichern.

Frank Christiansen, dpa