Bereits seit drei Jahren verhandelt der Handelsverband HDE mit Verdi über einen Mindestlohn. Der Vorstoß von Lidl zwingt die Tarifpartner nun in die Offensive. Über die Höhe wird bereits gestritten.

Ein Satz hat genügt, um eine ganze Branche aufzuwühlen: "Wir teilen Ihre Auffassung, dass im Einzelhandel unbedingt Mindestlöhne eingeführt werden müssen", schrieb Lidl-Aufsichtsratschef Klaus Gehrig in einem Brief an den Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel. Hickel hatte zuvor in einer Fernsehsendung das Lohnniveau bei Lidl, Aldi, Schlecker und Co. kritisiert.

Gehrigs Brief wurde den Medien zugespielt - und löste eine Lawine an Meldungen in der Presse aus. Als Reaktion auf den Vorstoß aus Neckarsulm folgte eine Pressemitteilung des Handelsverbands Deutschland, in der erklärt wird, dass der HDE mit der Gewerkschaft Verdi bereits über einen Mindestlohn verhandelt und dieser bis zum Frühjahr 2011 eingeführt werden soll.

Seit drei Jahren verhandeln Verdi und HDE nach Informationen von derhandel.de über einen tariflichen Mindestlohn. Erste Vorstöße aus den Reihen der BAG wurden später vom HDE aufgegriffen, eine Arbeitsgruppe wurde gegründet.

Dass die Geheimgespräche nun durch Lidl an die Öffentlichkeit gelangt sind, macht die Vertreter des HDE alles andere als froh. "Wenn das Thema spruchreif gewesen wäre, hätten wir uns dazu geäußert", sagt etwa HDE-Tarifexperte Heribert Jöris.

"Eher in Richtung 10 Euro pro Stunde"

Die Gewerkschafter von Verdi dagegen freuen sich, dass die Debatte nun publik wird: "Ich denke, dass diese Diskussion für den Prozess der Einführung eines Mindestlohns eher förderlich sein wird", sagt Verdi-Pressesprecherin Cornelia Haß gegenüber derhandel.de.

Zur Höhe des Mindeststundenlohns will sich keine Tarifpartei verbindlich äußern. Von Verdi ist jedoch zu hören, dass der Betrag "eher in Richtung 10 Euro als in Richtung 7,50 Euro geht". Der Kommentar von HDE-Tarifexperten Jöris: "Das ist allenfalls eine Wunschvorstellung der Gewerkschaft".

Verdi fordert die Einführung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns von 7,50 Euro pro Arbeitsstunde. Die durchschnittliche tarifliche Entlohnung im Einzelhandel liegt bei rund 12 Euro.

Nun wird weiter verhandelt werden, im Frühjahr nächsten Jahres, so die Vorstellung des HDE, soll der Kompromiss um den Mindestlohn in der Handelsbranche stehen. Das sei "ein sehr ehrgeiziges Ziel", sagt ein Verdi-Vertreter mit ein wenig Zweifel in der Stimme.