Was die Insolvenz eines Großkunden für eine Werbeagentur ausmachen kann, hat Grey bei Schlecker festgestellt. Auch das Neckermann-Desaster hat die Düsseldorfer Werber getroffen.

Zu den vielen Unternehmen, die sich als Verlierer des Untergangs von Schlecker sehen müssen, gehört auch Grey. Im Jahr 2010 hatte die Düsseldorfer Werbeagentur den Zuschlag bekommen für eine Kampagne für einst so große Drogeriekette. Mit neuen Werbespots sollte der Imagewechsel des verstaubten Unternehmens bebildert und glaubhaft gemacht werden.

Doch nicht einmal zwei Jahre später ist von diesen Plänen nichts mehr übrig. Schlecker ist pleite - und auch Grey bekommt keine Rechnungen mehr bezahlt. Uli Veigel, Chef der Grey-Gruppe, bezeichnet an diesem Dienstag in Düsseldorf die Höhe der abzuschreibenden Forderungen als "substanziell", ohne den genauen Betrag zu nennen.

Grey hatte unter anderem den neuen Onlineshop von Schlecker fertig erstellt, das Portal hätte ans Netz gehen können. Die Insolvenz verhinderte den Neustart.

Auch Neckermann-Insolvenz trifft die Agentur

Die Schlecker-Pleite hat Grey schlichtweg die Bilanz für 2012 verhagelt. "Wir liegen bei minus zwei bis minus drei Prozent Umsatzrückgang", sagte Veigel an diesem Dienstag in Düsseldorf. Zahlen veröffentlicht die Werbegruppe nie. Ohne die Pleite des Großkunden Schlecker hätte Grey eine ausgeglichene, wenn nicht sogar positive Bilanz geschrieben.

Selbst das Aus von Neckermann, die zweite Insolvenz eines bisherigen Kunden, hätte die Agentur offensichtlich noch verkraften können. Für den gesamten deutschen Werbemarkt wird laut Veigel für 2012 ein Umsatzrückgang von 570 Millionen Euro (minus 3 Prozent) prognostiziert.

Grey ist aber nicht nur der Verlierer von Insolvenzen zweier Handelsunternehmen - die Agentur hat auch einen bisherigen Großkunden der Branche eingebüßt. Rewe lässt nach sechs Jahren Zusammenarbeit seine Werbung für die Supermärkte nun von der Agentur Heimat erstellen. Freilich bleibt die Rewe Gruppe weiterhin Kunde von Grey. Auch Karstadt hat seinen Vertrag verlängert.

Grey wirbt für HIT

Neukunde aus dem Einzelhandel ist hingegen die HIT-Handelsgruppe. Ein weiterer in der "Neugeschäft-Jahresend-Rallye" (Grey-Bezeichnung) ist unter anderem der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger. Nicht mehr zum Bestand gehört unter anderem die Versandapotheke DocMorris.

Das verlustreiche Jahr hat für die Grey-Beschäftigten Auswirkungen: Die Mitarbeiterzahl sank von 417 im Jahr 2011 auf 383 im Jahr 2012. Für das Jahr 2013 ist Veigel "verhalten optimistisch", vor allem wegen des Neukundengeschäfts der Agentur. Er ist jedoch skeptisch, was die Aussichten für den gesamten Werbemarkt angeht. Angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen befürchtet Veigel gar ein Verschlechterung der Lage, die an die Krisenjahre 2008/2009 erinnert.

Grey will sich in der Krise positionieren mit Forcierung des digitalen Geschäfts, "Markenführungsexzellenz", Ausbau der Angebote (wie Social Media) sowie einer Kooperation mit Plenum USA, einem Unternehmen für Datenmanagement (Business Intelligence). Und als zuverlässiger Lieferant für Slogans und Prognosen hat Grey auch wieder eine Vorhersage für die nahe Zukunft getroffen. "Die neue Normalität ist die Volalität." Früher hieß das: Nichts ist beständiger als der Wandel.

Steffen Gerth, Düsseldorf