Zwei Drittel der Online-Shopper lesen so gut wie nie die Datenschutzerklärungen, wenn sie etwas im Internet herunterladen. Die Vorschriften sollten deshalb vereinfacht werden, fordern Händlerverbände.

Mehrere ausgedruckte DIN-A4-Seiten umfasst allein Paragraf 28 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG). Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH), hält ihn in die Höhe und schwenkt die Blätter: "Ich will es einmal plastisch machen, wie umfassend ein einziger Paragraf im Bundesdatenschutzgesetz ist. Das ist doch viel zu komplex für ein Unternehmen." Der Verbandschef will damit sagen: Die geltenden Datenschutz-Vorschriften beim Einkauf im Internet hält die Handelsbranche für zu kompliziert.

"Einfachere Regelungen sind sowohl im Interesse der Verbraucher als auch der Händler. Die aktuell sehr komplexen Datenschutz-Erklärungen haben keinen Mehrwert", ergänzte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth. "Wir wollen nicht weniger Datenschutz, wir wollen ihn den Kunden nur einfacher erklären können."

Die beiden Verbände haben die Ergebnisse einer Umfrage des Instituts für Handelsforschung (IfH) unter rund 9.000 Online-Käufern in neun EU-Staaten vorgestellt. Demnach lesen 63 Prozent der Befragten selten oder nie die Datenschutz-Bestimmungen, wenn sie im Internet etwas herunterladen, bestellen oder sich bei sozialen Netzwerken anmelden. In Deutschland lag dieser Anteil bei 51 Prozent.

Auch stationäre Händler müssen sich mit Datenschutz befassen

Eine Vereinfachung der Regelung würde außerdem den Abmahnmissbrauch vieler spezialisierter Rechtsanwälte verringern, sind sich die Händlervertreter sicher. Statt der schwammigen und abmahngefährdeten aktuellen Informationspflichten sei etwa ein Vorschrift zur Beantwortung der Datenschutzfragen tatsächlich interessierter Kunden denkbar.

"Datenschutz ist für den Händler ein existenziell wichtiges Thema, denn nur wenn die Kunden ihm vertrauen, kaufen sie auch online. Aber das Thema geht auch stationäre Händler an, denn der E-Commerce-Anteil im Handel liegt Nicht bei 10 oder 20 Prozent, sondern bei 100 Prozent. Denn im Hintergrund aller Händler läuft alles elektronisch", sagt Wenk-Fischer.

Handelsverbände fordern EU-weites Datenschutzrecht

HDE und BEVH sprachen sich für eine EU-weit einheitliche Regelung aus. "Derzeit sind die deutschen Händler wegen der besonders strengen Vorgaben hierzulande im Wettbewerb mit ausländischen Anbietern oft benachteiligt", sagt Wenk-Fischer. Auf EU-Ebene laufen derzeit Verhandlungen über eine neue Datenschutz-Grundverordnung.

Die Verbände schlugen vor, nach deutschem Vorbild in den Betrieben europaweit Datenschutz-Beauftragte einzuführen. Diese könnten die Persönlichkeitsrechte der Verbraucher wirksamer schützen als formalisierte Datenschutz-Erklärungen.