Die Besteuerung von Miet- und Pachtkosten wird 2009 viele Händler in den Ruin treiben, warnt der Handelsverbands HDE - und fordert erneut eine Rücknahme der Gewerbesteuerreform.

Der Handelsverband HDE nutzt die aktuelle Diskussion über das "Konjunkturpaket II", um seiner Forderung nach einer Änderung der Gewerbesteuerreform Nachdruck zu verleihen.

"Die Regierung besteuert seit 2008 die Ausgaben für die Ladenmiete. Deshalb müssen die Unternehmen deutlich mehr Gewerbesteuer zahlen, auch wenn sie wegen der Wirtschaftskrise keinen Gewinn mehr machen", kritisiert HDE-Präsident Josef Sanktjohhanser in der heutigen Ausgabe der Bild-Zeitung.

Pleitewelle wegen absurder Steuerpolitik

Der Einzelhandel stehe vor einer "dramatischen Pleitewelle", schuld sei die "absurde Steuerpolitik der Bundesregierung". Die Reform der Gewerbesteuer solle mit dem nächsten Konjunkturpaket rückgängig gemacht werden, fordert der Verbandspräsident. "Sonst treibt der Staat Tausende mittelständische Fachgeschäfte in den Ruin".

Am 1. Januar vergangenen Jahres ist die "Unternehmensteuerreform 2008" in Kraft getreten. Sie beinhaltet erheblichen Veränderungen bei der Gewerbesteuer. So werden Kostenbestandteile wie Teile der Mieten für Ladenlokale, aber auch Zinsen für Kredite und Leasingaufwendungen dem Gewinn des Unternehmens hinzugerechnet und damit der Gewerbesteuer unterworfen.

Diese Änderung kritisiert der HDE seit langem, da der stationäre Handel durch die Hinzurechnungen von Ladenmieten zur Gewerbesteuer besonders betroffen ist.

Auch Creditreform befürchtet mehr Insolvenzen

Mit einer steigenden  Zahl von Insolvenzen in diesem Jahr rechnet auch die Wirtschaftauskunftei Creditrefom. Die Zahl der Unternehmenspleiten werde auf 33.000 bis 35.000 Fälle, prognostizieren die Experten (2008: 30.000 Fälle). Und auch bei den Verbraucherinsolvenzen werden die Fallzahlen wieder steigen - bis zu 145.000 im Jahr 2009, schätzt die Creditreform Wirtschaftsforschung.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die meisten Unternehmen müssen ihre Geschäftserwartungen deutlich nach unten revidieren, die Finanzierungssituation der Unternehmen wird sich verschlechtern, die Forderungsausfälle steigen und die Kreditversicherer ziehen sich aus Teilen des Marktes ganz oder teilweise zurück.

Vielen bonitätsschwachen Unternehmen wird die geringere Nachfrage, gepaart mit einer eingeschränkten Kreditvergabe, Schwierigkeiten bereiten. Schon jetzt gibt ein Drittel der von Creditreform im November befragten Unternehmen an, dass für sie der Zugang zu Finanzmitteln seit dem Frühjahr 2008 schwieriger geworden sei.

Die 2009 gefährdeten Branchen

Besonders "gefährdete Branchen" sind laut Creditreform die Autoindustrie und die Zulieferbetriebe sowie die Autohändler. Auch die Transport- und Logistikwirtschaft sowie viele unternehmensnahe Dienstleistungsbereiche, Call Center und Personalvermittlungsagenturen dürften unter merklich steigenden Insolvenzen zu leiden haben.

Die Schäden, die insolvente Unternehmen der Volkswirtschaft zufügen könnten, werden sich für das Jahr 2009 auf schätzungsweise 33 Milliarden Euro (2008: 29 Milliarden) summieren. Die Zahl der von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffenen Arbeitnehmer wird nach Schätzungen der Creditreform  auf 510.000 Personen steigen und damit deutlich über dem aktuellen Niveau von 447.000 Betroffenen liegen.

Coface setzt Deutschland auf schwarze Liste

Das international tätige Kreditversicherer Coface hat Deutschland im Länderrating in dieser Woche auf die negative Beobachtungsliste gesetzt. "Anlass ist die nun auch in Deutschland spürbare deutliche Verschlechterung des Zahlungsverhaltens von Unternehmen", teilte das Unternehmen am heutigen Dienstag mit. In den ersten elf Monaten 2008 haben sich die Zahlungsstörungen nach Zahlen der Coface um 28 Prozent erhöht. Zudem wirke sich die aktuelle Krise besonders stark auf den Export deutscher Unternehmen aus.

Deutschland ist die letzte westeuropäische Industrienation, die von Coface abgewertet oder auf die Watchlist mit negativer Aussicht genommen wurde. Wie Frankreich, das seit Oktober 2008 auf der Beobachtungsliste steht, bleibt Deutschland noch in der besten Stufe A1. Großbritannien und Spanien wurden bereits in A2 herabgestuft. Das Länderrating der Coface bezieht sich nicht auf die Stabilität eines Staates oder die Sicherheit von Staatsanleihen, sondern bewertet das Zahlungsausfallrisiko bei kurzfristigen Geschäften mit Unternehmen in einer Region oder in einem Land.

Zahlungsverhalten beginnt sich zu verschlechtern

Die Branchensituation bewertet Coface derzeit differenziert. Am meisten betroffen seien die Bereiche, die am stärksten von Exporten abhängig sind, wie Flugzeug- und Automobilzulieferer, Textil- und Bekleidungsindustrie, See- und Binnenschifffahrt und. Andere Branchen könnten der Entwicklung besser widerstehen. Dazu zählt Coface zum Beispiel die Möbelindustrie, die von einer steigenden Nachfrage profitieren könnte.

"Insgesamt haben sich deutsche Unternehmen als standfester erwiesen und sich länger als andere westeuropäischen Firmen gehalten, aber der Abschwung übertraf letztlich die Stabilität", erläutert Yves Zlotowski, Chefvolkswirt der Coface. "Das Zahlungsverhalten in Deutschland beginnt sich zu verschlechtern und die Insolvenzen steigen." Angesichts des traditionell vergleichsweise guten Zahlungsverhaltens in Deutschland seien zunehmende Verzögerungen und Ausfälle umso alarmierender. "Jetzt ist eine deutliche Verschlechterung seit dem vergangenen Herbst festzustellen", fasst Yves Zlotowski zusammen.