Der Handelsverband HDE kritisiert die Einigung über Interbankenentgelte zwischen Visa Europe und der EU-Kommission.

Die Einigung zwischen EU-Kommission und Visa Europe über die Höhe von grenzüberschreitenden Interbankenentgelten bei Debitkarten stößt auf Kritik im Handel. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des HDE, sprach heute in Berlin von einem "faulen Kompromissvorschlag".

"Für Deutschland hat das Angebot von Visa so gut wie keine Auswirkungen, da die hier gebräuchlichen Kreditkarten ausgenommen sind", kritisierte Genth. Der Vorschlag von Visa sei nichts anderes als ein Alibiangebot, um die EU-Kommission davon abzuhalten, weiter wegen undurchschaubarer Geschäftspraktiken gegen das Kartenunternehmen zu ermitteln.

Apell an Kommission und Bundeskartellamt

"Wir appellieren an die Vernunft der EU-Kommission als Hüterin des europäischen Wettbewerbs, diese Lücken in der laufenden Kartelluntersuchung zu schließen und sich nicht mit einem faulen Kompromiss zufrieden zu geben", sagte Genth.

"Wir hoffen, dass auch das Bundeskartellamt diesen Vorschlag durchschaut und das vom HDE angestrengte Beschwerdeverfahren gegen Interbankenentgelte bei inländischen Kreditkartenzahlungen mit den Karten von Mastercard und Visa weiter verfolgt."

Der HDE hat im Jahr 2006 eine Beschwerde beim Bundeskartellamt eingereicht, über die bislang nicht entschieden wurde. Nach Informationen von derhandel.de befragt das Bundeskartellamt allerdings aktuell die EC-Cash-Netzbetreiber zur Höhe ihrer Gebühren im so genannten elektronischen Lastschriftverfahren (ELV).

Kartellamt ermittelt zu Kartengebühren

Das kostengünstige, unterschriftenbasierte ELV-Kartenverfahren steht im Wettbewerb zum Girocard-System (ehemals EC-Karten) der deutschen Kreditwirtschaft, für das Handelsunternehmen Kartengebühren in Höhe von 0,3 Prozent vom Umsatz mindestens aber 8 Cent zahlen müssen. Für den Einzelhandel summieren sich diese Entgelte laut EHI Retail Institute auf rund 230 Millionen Euro jährlich.

Visa Europe einigte sich Anfang dieser Woche für sein europäisches Debitkartenprodukt (V-Pay) mit der Kommission auf eine Gebührenhöhe von 0,2 Prozent vom Umsatz für grenzüberschreitende Zahlungen. "Mit seiner V-Pay-Karte ist Visa allerdings in Deutschland derzeit so gut wie nicht wahrnehmbar", erklärt Genth. Weder seien in nennenswertem Umfang Karten ausgegeben, noch gebe es derzeit Akzeptanzstellen im Handel.

Die Senkung grenzüberschreitender Interchangegebühren könne kuriose Folgen haben, kritisiert der HDE-Chef. So könne eine V-Pay-Transaktion einen deutschen Händler mehr kosten, wenn sie ein deutscher Kunde auslöst, als wenn dies ein ausländischer Kunde täte. Technisch gebe es hierfür keinen Grund.

Problematisch sei auch, dass Visa versuche die Handelsunternehmen zu verpflichten alle Produkte des Kreditkartenanbieters zu akzeptieren  - etwa Commercial Kreditkarte, Platin-, Gold-Karte und anderes. Diese so genannte "Honor all Cards Rule" ärgert Kartenakzeptanten aufgrund der teils sehr unterschiedlichen Kosten für die einzelnen Kartenprogramme.