Apple hat mit dem iPhone vorgemacht, dass Handys klug und sexy gleichermaßen sein können. Nun legen die anderen Softwarehersteller nach. Doch nicht jeder ist mit seinem Konzept erfolgreich.

Als Apple im Jahr 2007 das iPhone auf den Markt brachte, wurden Smartphones plötzlich sexy - und die vielfach von der Industrie beschworenen eher utopischen Chancen im Mobile Commerce schienen auf einmal tatsächlich möglich. Dabei ging der kalifornische Computerhersteller, der immer für eine Überraschung gut ist, auch beim Betriebssystem einen neuen Weg: Das Apple iOS läuft ausschließlich auf Apple-Geräten.

Ein exklusives Mobilfunk-Betriebssystem wirkt auf den ersten Blick wie ein Nachteil. Doch nicht bei Apple, dem Unternehmen, dem derzeit offenbar alles gelingt: Das intuitive Bedienkonzept der iPhones ist bislang unerreicht. Die Auswahl an Anwendungen für den privaten und geschäftlichen Gebrauch, den sogenannten Apps, ist riesig - und bringt dem Hersteller erklecklich Lizenzgebühren ein.

Der Marktanteil des Betriebssystems bei Smartphones beträgt inzwischen nach Analysen des Marktforschungsinstituts Gartner 16,7 Prozent. Damit ist der Marktanteil geringfügig niedriger als im dritten Quartal 2009, aber Apple konnte seinen Smartphone-Absatz im gleichen Zeitraum auf 13,5 Millionen iPhones fast verdoppeln.

Microsoft kommt mit Windows Phone 7

So ein Erfolg weckt natürlich Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz - allen voran bei Apples Erzrivalen Microsoft. So versprach Microsoft-Chef Steve Ballmer kürzlich bei der Einführung des neuen Betriebssystems Windows Phone 7 nicht weniger als "eine andere Art von Telefon". Das war ein deutlicher Seitenhieb in Richtung Apple, denn wer ein Apple-Handy will, dem bleibt nur das iPhone.

Die neue Software von Microsoft hingegen läuft auf Mobiltelefonen von Herstellern wie HTC, Samsung oder LG. Somit kann der Mobilfunknutzer sich entscheiden, ob er ein kleines oder großes Handy haben will, ob es sportlich oder elegant sein soll und ob er eine echte Tastatur oder ein Touchscreen bevorzugt. Gerade für Händler, die ein Smartphone geschäftlich nutzen, ist eine größere Geräteauswahl von Vorteil.

Ballmer ist fest davon überzeugt, dass Windows Phone 7 das Ruder wieder herumreißen wird. Das muss es auch, denn das alte Microsoft-Betriebssystem Windows Mobile war in der Bedienung recht kompliziert und büßte seine einst gute Position im Mobilfunkgeschäft nach und nach ein: Ende September lag der Marktanteil hinter Nokia, Blackberry, Google und Apple gerade noch bei 2,8 Prozent.

Smartphones beflügeln Handy-Markt

 
Unter anderem pries der Microsoft-Chef die Möglichkeit, dass die Nutzer die neuen Windows-Handys den eigenen Vorstellungen anpassen können. Jeder könne seine Benutzeroberfläche so einrichten, dass er auf den ersten Blick jene Funktionen findet, die er am häufigsten braucht. Auch der massive Werbeaufwand des Softwaregiganten wird vermutlich nicht schaden, das Microsoft-Betriebssystem unter das Handyvolk zu bringen.

Ballmer gibt sich insgesamt sehr optimistisch: Seiner Meinung nach steckt der Smartphone-Markt noch in den Kinderschuhen, Prognosen von Marktbeobachtern zufolge werden in den kommenden drei Jahren mehr Smartphones verkauft als bisher insgesamt abgesetzt wurden.

Den Trend bestätigt auch die aktuelle Gartner-Studie, nach der die leistungsfähigen Smartphones weiterhin den Markt der Mobiltelefone beflügeln: Im dritten Quartal dieses Jahres habe sich der Absatz mit einem Zuwachs von 96 Prozent weltweit fast verdoppelt. Smartphones machen demnach inzwischen 19,3 Prozent des gesamten Handymarktes aus, der im gleichen Zeitraum um 35 Prozent auf 417 Millionen verkaufte Mobiltelefone wuchs.

Nokias Betriebssystem mit Schwierigkeiten

Unterdessen strauchelt auch Symbian OS, das Betriebssystem des Handyherstellers Nokia. Zwar ist es noch das erfolgreichste Betriebssystem für mobile Geräte, allerdings brach der Marktanteil binnen eines Jahres von 44,6 auf 36,6 Prozent im dritten Quartal 2010 ein.

Zudem haben die Handyhersteller Samsung und Sony-Ericsson angekündigt, künftig auf die quelloffene Software verzichten zu wollen. Nun will Nokia mit dem runderneuerten Betriebssystem Symbian 3 seinen Anteil am schnell wachsenden Smartphone-Markt verteidigen: Das vor kurzem auf den Markt gebrachte Smartphone N8 mit Symbian 3 machte zum Start allerdings zunächst mit technischen Problemen von sich reden.

Über beeindruckende Erfolge kann sich unterdessen der Suchmaschinenbetreiber Google freuen: Der Marktanteil seines offenen Betriebssystems Android schnellte binnen eines Jahres von 3,5 auf 25,5 Prozent hoch; allein vom zweiten zum dritten Quartal dieses Jahres betrug der Sprung 8,3 Prozent.

Google präsentiert Anroid-Handy

Einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstitutes Nielsen zufolge ist Android seit Mitte 2010 das meistverkaufte Betriebssystem für Smartphones in den USA und hat dort inzwischen einen Marktanteil von 32 Prozent bei den Neuverkäufen. Auch die Symbian-Abtrünnigen Hersteller Samsung und Sony-Ericsson wollen verstärkt Android einsetzen.

Dabei sind die Amerikaner rührig, was neue Funktionen angeht: Bei einer Konferenz in San Francisco präsentierte Google-Chef Eric Schmidt kürzlich ein Android-Handy, das über die Funktechnik "Near Field Communication" (NFC) mit Terminals an den Kassen des stationären Handels kommunizieren kann. Auf die NFC-Technik zum Bezahlen setzen auch der Handyhersteller Nokia und die Kreditkartenfirmen Mastercard und Visa mit "kontaktlosen" Karten.

Bei so vieler "smarter" Konkurrenz leidet das Betriebssystem von Research in Motion (RIM), das auf den hauptsächlich geschäftlich genutzten Blackberrys läuft. Dessen wesentliche Funktion besteht darin, überall E-Mails als Push-Dienst empfangen und senden zu können. Darüber hinaus bieten Blackberrys die üblichen Smartphone-Funktionen wie Adressbuch, Kalender und To-do-Listen. Ein Vorteil: Der Nutzer muss sich nicht um die Synchronisierung der Daten zwischen Computer und Handy.

Doch inzwischen scheinen die Anwender Beruf und Vergnügen vereinbaren zu wollen, wenn sie sich ein Smartphone kaufen. Das Betriebssystem für die spröden Blackberry erreichte im dritten Quartal einen Marktanteil von 14,8 Prozent - ein Jahr zuvor lag der noch bei 20,7 Prozent.
 
Sybille Wilhelm

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 12/2010 von Der Handel erschienen - hier geht es zum Probeexemplar.