Nach dem Verkauf von Celesio verfügt der Haniel-Konzern wieder über eine gut gefüllte Kasse. Nun sucht Firmenchef Gemkow nach Übernahmekandidaten, will aber von Start-ups die Finger lassen.

Metro-Großaktioner Haniel steht trotz der andauernden Probleme fest zu Deutschlands zweitgrößtem Handelskonzern. Haniel-Chef Stephan Gemkow sagte am Montag in Duisburg, das 1756 gegründete Familienunternehmen sehe weiterhin großes Potenzial in dem unter der Konjunkturflaute leidenden Handelsriesen und habe keine Verkaufspläne.

In den vergangenen Monaten hatte Haniel zahlreiche Beteiligungen zu Geld gemacht - darunter den Pharmagroßhändler Celesio. Das hatte insgesamt fast drei Milliarden Euro in die Kassen des klammen Unternehmens gespült und ihm erlaubt, den Schuldenberg der Holding abzutragen. Ende Februar verfügte das Unternehmen unter dem Strich über Bargeldreserven in Höhe von 300 Millionen Euro.

Finanzieller Spielraum für Zukäufe

Den neugewonnen finanziellen Spielraum will Haniel für Zukäufe nutzen. Insgesamt stünden 1,3 Milliarden Euro zur Verfügung, sagte Gemkow. Ziel sei es dabei, neue lukrative Geschäftsbereiche abseits des bislang das Portfolio dominierenden Handels zu erschließen und damit das Risiko der Familien-Holding breiter zu streuen.

Größtes Standbein des Konzerns ist derzeit seine gut 30-prozentige Metro-Beteiligung. Daneben gehören zur Haniel-Gruppe der Rohstoff-Recycler ELG, der Büroausstatter Takkt und der Waschraumhygiene-Spezialist CWS-boco.

Keine Start-ups

Zur Ergänzung suche der Konzern nun nicht-börsennotierte, erfolgreiche, mittelständische Unternehmen, die mit Unterstützung von Haniel eine marktführende Rolle erreichen sollen. Einen Bogen machen will Haniel dabei allerdings um Internetfirmen und Start-Ups. Hier fehle dem Konzern die Kompetenz, sagte Gemkow. Der Konzern sieht sich bei seinen Plänen nicht unter Zeitdruck. Die Erweiterung des Portfolios könne zwei bis drei Jahre dauern.

Durch den Verkauf von Celesio schrumpft der Umsatz des Konzerns drastisch - von früher fast 15 Milliarden Euro auf 3,6 Milliarden Euro. "Damit sind wir im gehobenen Mittelstand angekommen", sagte Gemkow.

Nach Milliardenverlusten im Jahr 2012 gelang Haniel aber die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Unter dem Strich verdiente das Duisburger Familienunternehmen 267 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatten Wertberichtigungen bei der Metro noch für einen Verlust von 1,7 Milliarden Euro gesorgt. Gemkow bezeichnete 2013 als "Wendepunkt für Haniel". Auch die Haniel-Familienmitglieder, die im Vorjahr auf eine Dividende verzichten mussten, sollen nicht leer ausgehen. Haniel will 30 Millionen Euro ausschütten.