Schlechtes Ergebnis, gekürzte Dividende. Der Duisburger Haniel-Konzern hat ein miserables Geschäftsjahr hinter sich. Das trifft zunächst die Aktionäre.

Nach einem Ergebniseinbruch bei dem Duisburger Haniel-Konzern müssen sich die rund 600 an dem Unternehmen beteiligten Familienmitglieder auf eine deutlich gekürzte Dividende einstellen. Die Ausschüttung für die Anteilseigner des mehr als 250 Jahre alten Familienunternehmens werde um gut 40 Prozent auf 70 Millionen Euro gekürzt, kündigte Konzernchef Eckhard Cordes an diesem Montag in Duisburg an.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2008 war das Haniel-Ergebnis nach Steuern um 88 Prozent von 1,055 Milliarden Euro auf 128 Millionen Euro eingebrochen. Haniel ist mit einem Anteil von 34,2 Prozent auch größter Einzelaktionär des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro, der ebenfalls auf kein gutes abgelaufenes Geschäftsjahr zurückblickt.

Einmaleffekte belasten

Hintergrund des deutlichen Ergebnisrückgangs bei Haniel seien unter anderem Einmaleffekte in der Gesamthöhe von mehr als 500 Millionen Euro, sagte Cordes. Dazu zählten unter anderem Wertberichtigungen bei der Metro und bei dem mehrheitlich zu Haniel gehörenden Pharmahändler Celesio.

Das für das operative Geschäft nach Auffassung des Konzernchefs aussagefähigere Ergebnis vor Steuern und Einmaleffekten sei nur um 22 Prozent auf 884 Millionen Euro zurückgegangen, sagte Cordes. Der Umsatz ging von 27,8 Milliarden Euro auf 26,3 Milliarden Euro zurück.

Auswirkungen der Stahlkrise

Neben dem Pharmahandel ist Haniel auch in den Bereichen Waschraumhygiene (CWS-boco), Rohstoffhandel (ELG) und Büroartikel- Versand (TAKKT) aktiv.

Vor allem die als Zulieferer für die Edelstahlindustrie tätige ELG habe durch die Stahlkrise einen deutlich Ergebnisrückgang hinnehmen müssen, sagte der Konzernchef. Rückgänge habe das Unternehmen auch durch Einsparungen im britischen Gesundheitsmarkt verzeichnen müssen.

Dividende immer noch "eher zu hoch"

Bei der Haniel-Gesellschafterversammlung am vergangenen Samstag sei die nun beschlossene Dividende von einigen der Anteilseigner angesichts des weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Umfelds sogar noch als "eher zu hoch" eingestuft worden, berichtete Cordes.

Das "Handelsblatt" hatte im vergangenen Dezember berichtet, viele der Mitglieder der weit verzweigten Familie seien "mehr oder minder" auf die Dividende angewiesen. Von den Haniel-Familienmitgliedern ist etwa die Hälfte an dem Konzern beteiligt.

Kein weiterer Metro-Anteil

In seiner eigenen Zukunft sehe er sich künftig bei der Metro in der Pflicht, sagte Cordes. Er sei jedoch von einigen Familienmitgliedern gebeten worden, weiter an der Haniel-Spitze zu bleiben. Der Manager leitet seit dem Jahr 2007 in Personalunion sowohl den Metro-Konzern als auch das Duisburger Familienunternehmen. Bei Haniel werde ein weiteres Vorstandsmitglied gesucht, das in der Lage sei, die Führung des Unternehmens zu übernehmen.

Nach der Konzentration auf die Bereiche Handel- und Dienstleistungen sei nun an eine weitere Aufstockung des Metro-Anteils nicht gedacht, sagte Cordes. Im Jahr 2007 hatte Haniel seinen Anteil an der Metro für rund 3,1 Milliarden Euro von 18,6 Prozent auf 34,2 Prozent deutlich erhöht und den Zukauf mit Krediten finanziert.

Weniger Schulden

Der 2007 auf knapp sieben Milliarden Euro gestiegene Schuldenstand konnte im vergangenen Jahr um 1,5 Milliarden Euro auf rund 5,5 Milliarden Euro reduziert werden. Dadurch stieg die auf 36 Prozent gesunkene Eigenkapitalquote wieder auf 38 Prozent.