Um den Schuldenberg des Familienunternehmens abzutragen, versilbert der neue Haniel-Chef Gemkow einen Teil der Metro-Aktien. Für den Handelskonzern könnte das die Rückkehr zum Dax bedeuten.

Obwohl die Aktienkurse von Metro und Celesio derzeit meilenweit von den Höchstständen entfernt sind, kündigte der Haniel-Konzern in dieser Woche an, einen Teil seiner Aktienpakete verkaufen zu wollen.

Das mehr als 250 Jahre alte Duisburger Familienunternehmen Haniel ist unter anderem größter Einzelaktionär bei Metro und Mehrheitseigentümer des Pharmagroßhändlers Celesio.

Für den neuen Haniel-Chef Stephan Gemkow gilt es, einen milliardenschweren Schuldenberg mühsam abzutragen und zu alten Tugenden zurückzufinden: kleine, innovative Firmen groß herauszubringen. Dafür fehlt bislang der nötige Finanzspielraum.

"Gutes Signal für die Metro"

Der Handelsriese Metro will den Plan des Großaktionärs, im Laufe der nächsten 18 Monate etwa 13,7 Millionen Metro-Aktien zu verkaufen und damit seine Beteiligung von gut 34 auf 30 Prozent zu reduzieren, nicht kommentieren. Aktionärsschützer sehen einen positiven Effekt.

"Für die Metro ist die Reduzierung der Haniel-Beteiligung ein gutes Signal, weil sich der Streubesitz vergrößert und damit die Chancen für eine Rückkehr in den Aktienindex Dax steigen", sagt DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Andere sehen das ähnlich.

Der Anteil der verbündeten Großaktionäre Haniel und Schmidt-Ruthenbeck wird zwar auf unter 50 Prozent sinken. In der Metro-Hauptversammlung dürften sie aber weiterhin über eine komfortable Mehrheit verfügen.

Wenige Stunden nach der Bekanntgabe eines Maßnahmenpaketes zum Schuldenabbau setzte Haniel-Chef Gemkow bereits den ersten Schritt um. Das Familienunternehmen reduzierte am Mittwoch seine Celesio-Beteiligung auf 50,01 Prozent und erlöste dabei rund 100 Millionen Euro.

"Schmerzhafter Schritt"

In Finanzkreisen wird geschätzt, dass Haniel durch die Aktienverkäufe bei Celesio und Metro insgesamt etwa 300 bis 400 Millionen Euro erlösen könnte. Das hängt allerdings auch davon ab, wie sich der Metro-Aktienkurs entwickelt - am Mittwoch sank das Metro-Papier erst einmal um fast 4 Prozent.

Rund 150 Millionen Euro erwartet Haniel zudem aus dem Verkauf von Vermögenswerten. Mit diesen Schritten sollen die Schulden des Familienunternehmens "in absehbarer Zeit" deutlich unter die Schwelle von zwei Milliarden Euro sinken.

"Dass sich Haniel von teuer erkauften Metro-Aktien in den nächsten 18 Monaten trennen will, obwohl sich der Kurs derzeit nicht in hohen Regionen bewegt, verdeutlicht das Ausmaß der Schuldenlast bei Haniel. Der geplante Aktienverkauf muss schmerzen", meint Tüngler.

Haniel war in ein strategisches Dilemma geraten: Das Duisburger Familienunternehmen hatte 2007 seinen Anteil an der Metro von 18 auf gut 34 Prozent kräftig aufgestockt und dabei rund drei Milliarden Euro investiert. Seit dem Großzukauf sitzt Haniel auf einem Schuldenberg. Hoffnungen, dass durch einen Verkauf von Firmenbeteiligungen oder Sonderdividenden kräftig Geld in die Kassen gespült wird, erfüllten sich in den Folgejahren nicht. Damit war kein Spielraum für größere Investitionen in vielversprechende neue Wachstumsfelder vorhanden.

Haniel-Familie will auch Opfer bringen

Schon Gemkows Amtsvorgänger Jürgen Kluge erklärte den Schuldenabbau zur ersten Priorität. Die Verbindlichkeiten der Haniel-Holding wurden 2011 um rund 150 Millionen Euro auf 2,4 Milliarden Euro reduziert.

Der neue starke Mann in der Haniel-Zentrale hielt sich bisher zu seinen weiteren Plänen bedeckt. Er muss zunächst die mehr als 600 Mitglieder große Gründerfamilie hinter sich bringen. Dem Vernehmen nach wird in der Familie Haniel ein Beitrag zum Schuldenabbau in Form eines Dividendeneinschnittes überlegt.

Die jüngsten Zahlen waren alles andere als glänzend. Haniel schrieb im ersten Halbjahr 2012 tiefrote Zahlen. Unter dem Strich stand ein Verlust von 285 Millionen Euro nach einem Gewinn von 96 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Als Gründe wurden Ende August der Umbauprozess bei Metro und Celesio sowie ein höherer Zinsaufwand genannt. Und der Umsatz von Haniel stagnierte im ersten Halbjahr 2012 bei knapp 13,5 Milliarden Euro.

Dass Gemkow nach nur wenigen Monaten im Amt schon solche Veränderungen herbeiführe, zeige seine starke Stellung, sagen Beobachter. Sollte er den Metro-Aufsichtsratsvorsitz übernehmen, wäre er für Metro-Chef Olaf Koch ein erfahrener Partner beim Umbau des Handelskonzerns. Gemkow hat bereits als Finanzvorstand bei der Lufthansa erfolgreich Kostensenkungsprogramme und operative Veränderungen durchgezogen.