Der Schweizer Textilhändler Charles Vögele durchlebt turbulente Zeiten: Der Reingewinn sank im Jahr 2008 um 75 Prozent. Zudem kämpft der Verwaltungsrat gegen rebellische Aktionäre.

Der Reingewinn des auch in Deutschland präsenten Händlers sank vor allem aus steuerlichen Gründen von 61 Millionen Schweizer Franken (41 Millionen Euro) um 74,7 Prozent auf 15,4 Millionen Franken (10,4 Millionen Euro), wie das Unternehmen mit Sitz im schweizerischen Pfäffikon mitteilte.

Der Umsatz schrumpfte um 1,8 Prozent auf 1,37 Milliarden Franken (927 Millionen
Euro), währungsbereinigt gab es aber ein leichtes Plus von 0,4 Prozent. Trotz des rückläufigen Umsatzes sei Vögele stärker gewachsen als der Gesamtmarkt, hieß es. In Deutschland, wo sich ein Großteil der insgesamt 851 Filialen der Modekette befindet, lag der Umsatz praktisch unverändert bei 278 Millionen Euro.

Zerschlagung des Unternehmens gewollt?

Im Unternehmen droht ein Machtkampf im Verwaltungsrat. Eine Aktionärsgruppe will den Verwaltungsratspräsidenten Bernd Bothe sowie seinen Vize Felix Ehrat nicht mehr wählen. Diese Entscheidung wird von verschiedenen Anteilseignern von Vögele beeinflusst: Hier handelt es sich um den britischen Hedge-Fonds Laxey, den Investmentgesellschaften Cheney Capital Management, Sterling Strategic sowie dem Aktionär Massimo Pedrazzini.

Dieses Quartett hält etwa 23 Prozent an Vögele und will die Expansion vor allem in Osteuropa nicht mittragen, sondern zielt laut Bothe auf die Zerschlagung von Vögele. Der Verwaltungsrat hält an seinem Antrag auf Wiederwahl des gesamten bisherigen Gremiums fest, teilte Vögele mit.

Osteuropa ein Wachstumsmarkt

Im August vorigen Jahres hatte der Händler für das erste Halbjahr 2008 starke Umsatzzuwächse durch die Ausweitung der osteuropäischen Geschäfte bekanntgegeben. In Slowenien, Ungarn und Polen sowie dem Testmarkt Tschechische Republik wurde fast eine Umsatzverdopplung von von 15 Millionen auf 29 Millionen Schweizer Franken erzielt.

"Die Expansion in bestehende Märkte und nach Osteuropa stellt für unser unter Unternehmen weiterhin eine zentrale Investition in die Zukunft dar. Wir werden diese Anstrengungen plnamäßig vorantreiben", hatte der Anfang dieses Jahres verstorbene Geschäftsführer Daniel Reinhard damals gesagt.

Neben der rebellischen Aktionärsgruppe hält der Schweizer Einzelhandelskonzern Migros rund zehn Prozent an Vögele. Weitere große Aktionäre sind die Investmentgesellschaft Bestinver, die Schweizer Großbank UBS und der US-Finanzkonzern JP Morgan Chase.