Hertie-Mitarbeiter demonstrieren für ihre Jobs. Im Hintergrund laufen die Verhandlungen, um das Überleben der Kaufhauskette doch noch zu sichern. Die Investoren wollen auch Karstadt-Häuser übernehmen.

Mit bundesweiten Protestaktionen wollen Beschäftigte der insolventen Kaufhauskette Hertie am Dienstag für ihre Arbeitsplätze demonstrieren. Zwischen 12 und 13 Uhr sind Kundgebungen vor den Filialen geplant, unter dem Motto "Rettet Hertie - rettet die Innenstädte!" Die teilte die Gewerkschaft Verdi an diesem Montag mit. Dabei sollen Unterschriften von Kunden zur Unterstützung der betroffenen Mitarbeiter gesammelt werden.

Für die insgesamt rund 2.600 Mitarbeiter laufen Sozialplanverhandlungen. Den bundesweit 54 Kaufhäusern droht die Schließung in diesem Sommer. Die britisch-niederländischen Eigentümer der Immobilien hatten mitgeteilt, an Lösungen für die Standorte zu arbeiten. Hertie hatte im Juli 2008 Insolvenz angemeldet. Im Mai dieses Jahres erklärte Insolvenzverwalter Biner Bähr alle Rettungsversuche für gescheitert.

Kaufhaus-Kette für Kleinstädte

Eine Investorengruppe aus fünf erfahrenen Handelsmanagern und einem neuen chinesischen Finanzpartner hat sich zum Ziel gesetzt, aus Hertie und Teilen von Karstadt eine Kaufhaus-Kette zu schmieden. Karstadt steht nach der Insolvenz des Mutterkonzerns Arcandor ebenfalls vor einer ungewissen Zukunft.

Diese Warenhauskette soll vor allem in Klein- und Mittelstädten ihren Platz haben. "Die Bürgermeister der Hertie-Standorte haben die Einladung der Deutschen Bank erhalten, wonach es in den nächsten vierzehn Tagen zu einem runden Tisch kommt, um unser Konzept zu erörtern", sagte der Mittler der Investoren, Rolf Schuchardt, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Möglichst alle Hertie-Standorte erhalten

Der Sprecher der Bürgermeister, Günter Ditgens (Wesseling bei Köln), sagte der Deutschen Pressse-Agentur, dass möglichst alle Hertie-Standorte erhalten bleiben sollen. Bürgermeister, Hertie und Insolvenzverwalter hoffen, dass die Eigentümer, Dawnay Day und MABV, die bisherige Strategie zum Einzelverkauf der 54 Immobilien überdenken. Die Deutsche Bank, die den Immobilienkauf arrangiert und verbrieft hatte, will dabei als Moderator auftreten.

Falls die Eigentümer einzelne Immobilien veräußern müssten, um ihren Verpflichtungen nachzukommen, sei man bereit, auf ihre speziellen Belange einzugehen, signalisierte Schuchardt Entgegenkommen.

Sogar Kaufhof-Häuser interessant

Die Investoren wollen ihren Hut auch für einige der Karstadt- und Kaufhof-Filialen in den Ring werfen, die möglicherweise bei einer Warenhausallianz aufgegeben würden. "Wir würden nicht wahllos Häuser hinzunehmen, sondern nur Standorte, die genau zu unserem Konzept passen", sagte Schuchardt der "FAZ".