Ungeachtet des laufenden Insolvenzverfahrens hat die Warenhauskette Hertie am Donnerstag ihre 73. Filiale eröffnet.  Für den Standort in Niederbayern gibt es einen guten Grund.

Das in einem Einkaufszentrum in der niederbayerischen Stadt Straubing untergebrachte Warenhaus sei eine Art Modell für die Suche nach möglichen weiteren Standorten des Unternehmens, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Biner Bähr.

Wichtige Faktoren seien dabei etwa die hohe Kaufkraft in einer Region und ein zentraler Standort im jeweiligen Einzugsgebiet. Diese Eröffnung hatte Hertie bereits im Oktober dieses Jahres angekündigt. Gleichzeitig werde aber auch über mögliche Einschnitte in das Filialnetz nachgedacht. Bähr kündigte Schließungs-Entscheidungen bis zum Januar kommenden Jahres an.

Investoren weiter gesucht

Ihre neue Strategie will die 2005 von britischen Investoren übernommene Warenhauskette insbesondere in kleinen und mittleren deutschen Städten umsetzen. In dem rund 3.500 Quadratmeter großen Warenhaus in Straubing sind 44 Markenshops, die von Lieferanten auf eigene Rechnung betrieben und eingerichtet werden.

Es werde aber auch "mit Hochdruck" weiter mit Interessenten über einen Einstieg verhandelt, sagte Bähr. Ein möglicher Investor erwarte spätestens 2010 die Rückkehr des Unternehmens in die schwarzen Zahlen.

Im vergangenen Jahr hatte die Warenhauskette bei einem Umsatz von rund 450 Millionen Euro einen nicht näher bezifferten Verlust in "gut zweistelliger Millionenhöhe" erwirtschaftet.

Der Frankfurter Immobiliendienstleister Atis real kündigte unterdessen den Verkauf einer weiteren, derzeit von Hertie genutzten Warenhausimmobilie an. Auftraggeber für den Verkauf des dreistöckigen Warenhauses im niedersächsischen Wolfenbüttel sei die niederländische Gesellschaft Mercatoria Acquisitions B.V..

In dieser Gesellschaft hatten die britischen Investoren zuvor die vom operativen Warenhausgeschäft abgetrennten Hertie-Immobilien untergebracht. Zuvor waren bereits Käufer für zwei Warenhausstandorte in Berlin gefunden worden.