Der Schweizer Investor Capvis wirbt in einem Brief an die Mitarbeiter von Hessnatur um Vertrauen. Im Übrigen seien Käufer und Verkäufer an den Übernahmevertrag gebunden.

Der Verkauf des ehemals zum Arcandor-Konzern gehörenden Versenders Hessnatur an die Schweizer Private Equity-Gesellschaft Capvis wurde bereits am 31. Mai notariell beurkundet. "Die Zustimmung der Kartellbehörden in Deutschland und in Österreich ist reine Formsache, da Capvis im Textilbereich keine anderen Beteiligungen hat", teilt das Unternehmen heute in einer Pressemitteilung mit.

"Käufer und Verkäufer sind an den Vertrag gebunden, wenn die Kartellbehörden ihre Zustimmung erteilen. Es gibt keine Ausstiegsklausel", heißt es in der Erklärung weiter. Auch Matthias Siekmann, Geschäftsführer der Primondo Specialty Group (PSG) hatte für die Verkäuferseite gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) Anfang dieser Woche nochmals betont, dass es keinen Anlass für Nachverhandlungen mit der hnGeno gebe.

Die HNGeno gibt den Kampf nicht auf

Die Genossenschaft wurde im März 2011 vom Hessnatur-Betriebsrat und Attac-Organisation gegründet und versucht zusammen mit der Deutsche Industrie Holding (DIH) sowie Einlagen von Kunden und Mitarbeitern den Ökomode-Versender zu erwerben. Sie hält auch weiterhin an ihren Plänen fest: "Zwischen Signing und Closing eines Verkaufs rinnt noch viel Sand durch die Eieruhr", wird ein hnGeno-Vorstand in der FAZ zitiert.

Kundenprotest gegen die Übernahme durch die Schweizer EP-Gesellschaft formiert sich unterdessen noch zaghaft auf der Website www.wir-sind-die-konsumenten.de und auf Twitter (#hnGeno).

Die Capvis wandte sich gestern in einem
Foto: Hessnatur
Foto: Hessnatur
an die Mitarbeiter von Hessnatur, der der Redaktion von derhandel.de vorliegt. "Wir sind ein Schweizer Unternehmen, das sich mit viel Herzblut und Unternehmergeist seit über 20 Jahren bei führenden mittelständischen Unternehmen beteiligt, diese zusammen mit der Führungsmannschaft und den Mitarbeitern ausbaut und weiterentwickelt. Unsere Beteiligungen haben Sicherheit und Arbeitsplätze geschaffen", betonen die Unterzeichner, zu denen die Capvis-Partner Daniel Flaig und Andreas Simon gehören.

Brief an die Belegschaft wirbt um Vertrauen

"Wir sind felsenfest davon überzeugt, dass die hohen ökologischen und sozialen Standards der Hessnatur das Herz und die Seele der Firma sind und dieser Wert unangetastet bleiben muss. Wir bekennen uns ganz klar zu Ihrem Geschäftsmodell, Ihrer Strategie und Ihrer Organisation, die eine Erfolgsgeschichte sind", heißt es in dem Schreiben weiter.

Entgegen in der Presse lancierter Berichte habe die Capvis-Geschäftsführung keinen Brief von Hessnatur-Mitarbeitern erhalten mit der Bitte, vom Kauf zurückzutreten. "Boykottaufrufe schaden letztlich der Marke, dem Unternehmen und den Mitarbeitern. Capvis bedauert, dass die Mitarbeiter instrumentalisiert werden", heißt es in der Presseerklärung der Schweizer.

Laut FAZ soll die Capvis einen Kaufpreis von rund 40 Millionen Euro für Hessnatur bezahlen. Die hnGeno will zusammen mit der DIH nach eigenen Angaben einen Betrag zwischen 30 und 35 Millionen aufbringen. Die US-amerikanische Investmentgesellschaft Carley gab im vergangenen Jahr einen Übernahmeversuch aufgrund des Widerstands der Mitarbeiter und Kunden von Hessnatur auf.