Dem Schuhhandel geht es wie den Textiliten: Die Kunden kaufen nicht die Ware, wenn das Wetter nicht mitspielt. Folglich blieben im ersten Halbjahr viele Schuhe in den Regalen. Oder sie wurden bei der Onlinekonkurrenz bestellt.

Ein zu milder Winter und ein zu nasses Frühjahr haben dem deutschen Schuhhandel zugesetzt. Kunden haben Saisonware in den Regalen stehen lassen. Auch deshalb ist der Umsatz im Schuheinzelhandel 2016 um rund zwei Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres auf 6,4 Milliarden Euro gesunken.

Das teilte der Bundesverband des Deutschen Schuheinzelhandels (BDSE) am Dienstag in Düsseldorf zum Start der internationalen Schuhmesse GDS (bis 28. Juli) mit.

Betroffen seien vor allem Schuhfachgeschäfte mit einem Minus von drei Prozent. Der Onlinehandel legte dagegen mit fünf Prozent weiter zu - wenn auch moderater als in der Vergangenheit. Das Online-Wachstum gehe nahezu vollständig zulasten der Läden, heißt es beim (BDSE).

Den Hersteller geht es besser - aber nicht allen

Für die Schuhhersteller stellt sich die Lage nach Angaben des Bundesverbands der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDSL) dagegen in den ersten vier Monaten dieses Jahres etwas besser dar: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg der Umsatz um 7,1 Prozent auf 994 Millionen Euro an. Im gesamten Vorjahr machten die Hersteller 2,620 Milliarden Euro Umsatz, ein sattes Plus von 3,4 Prozent gegenüber 2014.

"Allerdings gab es Veränderungen in der statistischen Erfassung zwischen den Jahren", betonte der HDSL-Vorsitzender Ralph Rieker. Auch sei der Umsatz-Zuwachs nur wenigen Herstellern, einem gestiegenen Durchschnittspreis und dem Sneaker-Hype zu verdanken.

Die Begeisterung für Turnschuhe kurbelt den Umsatz schon länger an: Nach 62 Millionen 2014 wurden im vergangenen Jahr 79 Millionen Paare importiert, heißt es bei HDSL. "Die Sneaker-Manie ist gerade bei Männern verbreitet und bedient eine gewisse Sammelleidenschaft", erklärte Trend-Forscherin Claudia Schulz. Hoffnung setzt die Branche auf den Megatrend zur Individualisierung beispielsweise mit handgegerbten Leder, individuell verzierten oder nach Kundenwünschen zusammengestellten Modellen.