Woran erkennt man, dass Weihnachten naht? Am "Last-Christmas"-Terror. Von überall dudelt die ewige Besinnlichkeitshymne - wer jetzt Geschenke kaufen will, braucht starke Nerven. Oder ist taub. Der kluge Kunde flüchtet in die Wham!-freie Zone: dem Internet.

Das Fest der Feste rückt näher, und man kommt nicht umhin, seinen Teil zum Gelingen der Veranstaltung beizutragen: Weihnachtsgeschenke kaufen. Seit Jahren verfolgen wir hier eine Strategie: online first. Das hat nicht nur praktische Gründe, weil man sich dem saisonalen Gedrängel in den Läden entziehen kann. Es gibt auch ästhetische Gründe.

Und diese Ästhetik betrifft vor allem: "Last Christmas". Sie wissen schon - Wham! Fönfrisuren, schöne Menschen, Schnee in den Schweizer, Blingblingbling. "Last Christmas I gave you my heart. But the very next day you gave it away." 

Ja, dieser teuflische Popkitsch ist unzerstörbar, er ist wie ein sich selbst erneuernder Organismus, der immer ab Anfang Dezember zum Leben erwacht, seit 1986, JEDES! VERDAMMTE! JAHR! Blingblingbling. Der Schnee fällt, doch George Michaels Fönfrisur sitzt. "This year, to save me from tears.
I'll give it to someone special", singt er. Dass er dann vor zwei Jahren am ersten Weihnachtsfeiertag von uns gegangen ist, verbuchen wir jetzt mal als erstaunlich selbstironische Leistung von ihm.

Und George singt überall. Im Radio sowieso, in den Einkaufszentren, in den Warenhäusern, in den Supermärkten. Das geht mittlerweile 43 Prozent der Deutschen auf den Keks, hat das Start-up ReAct ermittelt. Weihnachtsgedudel gehört auf die Weihnachtsmärkte, nicht an die Käsetheke beim Edeka. 

Online herrscht Ruhe. Einkaufen ohne Wham! - wie schön. Auch kein "Do they know it's christmas" (Band Aid), kein "Santa Claus is coming to town" (Springsteen), kein "Something about Christmas" (Adams). Nichts. Ruhe. Geldausgeben ohne Saisonkitsch. Nicht mal eine weihnachtliche Optik gibt es, okay, bei Otto.de blinken ein paar Sternchen, das lassen wir noch durchgehen. Aber Thomann, Amazon, oder Zalando kommen so sachlich daher wie eh und je.

Wenn wir stattdessen allabendlich am Einkaufszentrum Loop5 vorbeifahren, dann denken wir uns, dass man diese Weihnachtsbeleuchtung auch vom Mond aus sehen kann. Der Stromverbrauch dürfte vergleichbar mit dem eines Kleinstaates sein. Und drinnen dudelt es besinnlich bis zur Atemnot.

Onlinehandel ist dudelfrei. Hier regiert auch zur Weihnachtszeit die Funktionalität des Konsums. Kein falscher Zauber, kein billiges Glitzern, kein "jetzt-komm-doch-mal-in-Weihnachtsstimmung".

Und kein Wham!

Online ist Weihnachten am schönsten.

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