Die Verhandlungen um die Karstadt-Mieten kommen nur langsam voran. Derweil stellt ein Mitglied des Vermieterkonsortiums Highstreet die Kompetenz von Investor Berggruen in Frage.

Dieser Tage hat Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen Post von Maurizio Borletti bekommen. Der Chef der italienischen Borletti-Gruppe gehört zum Highstreet-Konsortium, das 86 der 120 Karstadt-Immobilien besitzt. Der Italiener hat Erfahrung mit Warenhäusern - und genau das Gegenteil vermutet er bei Nicolas Berggruen, dem neuen Investor von Karstadt.

Diese Defizite hat Borletti nun Ministerin von der Leyen mitgeteilt. Ein Ministeriumssprecher bestätigte heute einen entsprechenden Bericht der "Berliner Zeitung".

Die Ministerin habe Kontakt zu allen Beteiligten und dringe darauf, dass die Verhandlungen ernsthaft geführt würden, um die Arbeitsplätze bei Karstadt und den Zulieferern zu sichern, sagte der Sprecher. Zu Inhalten eines Antwortschreibens der Ministerin wollte er keine Stellung nehmen.


Von der Leyen trifft sich an diesem Freitag mit den Betriebsratsvorsitzenden der Berliner Karstadt-Häuser und der stellvertretenden Verdi-Vorsitzenden Margret Mönig-Raane zu einem Gespräch über den Stand der Verhandlungen um die Zukunft von Karstadt.

Das Szenario von der Warenhaus AG

Mit dem Vorstoß von Borletti wird offenkundig, dass er ein wichtiger Mann für die Zukunft von Karstadt ist. Und wenn der Italiener ins Spiel kommt, dann wird schnell wieder ein Szenario möglich: die Deutsche Warenhaus AG. Denn Borletti gilt auch als Interessent für Kaufhof, deren Verkauf die Konzernmutter Metro beabsichtigt. Schon 2008 signalisierte der Italiener Kaufabsichten.
 
Sollten sich Highstreet und Berggruen nicht über die Höhe der künftigen Karstadtmieten einigen und das Vermieterkonsortium letztlich doch das insolvente Warenhaus erwerben, könnte der Fall eintreten, den vor allem die Beschäftigten fürchten: Der Kette mit 120 Warenhäusern und 25.000 Beschäftigten droht dann die Zerschlagung - die lukrativsten Häuser würden wohl mittelfristig mit den Kaufhof-Filialen zusammengelegt zur Warenhaus AG.

Zwölf Stunden in der Londoner Nacht

Um die Mieten wird zwischen Berggruen und Highstreet hart gerungen. Nach rund zwölfstündigen Verhandlungen in London in der Nacht zum Donnerstag sollen die Gespräche auch in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Immerhin hat es erste positive Signale gegeben.

Einen Durchbruch gab es zwar noch nicht, eine "deutliche Annäherung" aber schon, hieß es am Donnerstag aus Verhandlungskreisen. Andere Beobachter werteten die Gespräche als "konstruktiv". Streitpunkt sind die Mieten für die Karstadt-Warenhäuser, die Berggruen deutlich senken will.

Bis zu einem möglichen Vertragsschluss müssten jedoch noch zahlreiche Hürden genommen werden, so dass mit einem abschließenden Ergebnis auf kurze Frist nicht zu rechnen sei, hieß es. Allein die schriftliche Ausarbeitung der Ergebnisse werde noch Tage dauern.

Eine Einigung muss bis Mitte Juli erfolgen, damit der von Berggruen unter Vorbehalt geschlossene Kaufvertrag für die insolvente Warenhauskette rechtskräftig werden kann.

Termin am 16. Juli

Ohne Billigung der zahlreichen Anteilseigner des Immobilienfonds Highstreet kann aber eine Vereinbarung nicht geschlossen werden. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen muss eine entsprechende Sitzung der Highstreet-Gläubiger in der Regel mit einer Frist von 21 Tagen einberufen werden. Eine Einigung müsste daher möglichst zügig erfolgen.

Am 16. Juli will das Essener Amtsgericht über den Insolvenzplan entscheiden. Wegen der anhaltenden Suche nach einem Karstadt-Investor war der Gerichtstermin zuvor bereits mehrmals verschoben worden. Ohne rechtsgültigen Kaufvertrag kann das Essener Gericht den Insolvenzplan nicht billigen.