Schon wieder bricht ein Tag der Wahrheit für Karstadt an: Heute soll der Vermieter Highstreet den Weg für die Zukunft des insolventen Warenhausbetreibers endlich frei machen.

Im Laufe des Tages müssen die Gruppen der Anleihe-Gläubiger (Bondholder) und der sogenannten Mezzanine-Gläubiger in getrennten Verfahren ihre Zustimmung geben. Erst dann können die Mietverträge zwischen Highstreet und dem Karstadt-Investor Nicolas Berggruen unterzeichnet werden.

Damit wären endlich die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das Essener Gericht am Freitag den Insolvenzplan bestätigen und endgültig grünes Licht für die Übernahme durch Berggruen geben kann.

Der Investor hatte bereits Anfang Juni den Kaufvertrag für die Warenhauskette mit 25.000 Beschäftigten unterzeichnet. Hintergrund der Auseinandersetzung mit den Gläubigern sind die von Berggruen geforderten Mietsenkungen. Denn die Gläubiger fürchten um ihre Renditen.

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Highstreet besitzt zwei Drittel der 120 Karstadt- Warenhäuser und ist nach dem milliardenschweren Kauf bei seinen Gläubigern hoch verschuldet.

Bondholder und Mezzanine-Gläubiger müssen zustimmen

Während bei den Bondholdern eine Zustimmungsquote von mehr als 75 Prozent bereits ausreicht, müssen die Mezzanine-Gläubiger zu 100 Prozent die Vereinbarungen billigen.

Die Mezzanine-Gläubiger, von denen Highstreet eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital erhalten hat, müssen den Vereinbarungen einzeln schriftlich zustimmen, während die Bondholder am Donnerstag ab 11.00 Uhr in London zur Abstimmung aufgerufen sind.

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Die Kredite der Bondholder sind über 44 der Karstadt-Immobilien abgesichert, während den an Highstreet beteiligten Mezzanine-Gläubigern eine solche Absicherung fehlt. Im Gegenzug dafür erhalten Mezzanine-Gläubiger in der Regel höhere Zinsen. Vor allem ihre Zustimmung gilt unter Beobachtern als kritisch, während mit der Zustimmung der Bondholder gerechnet wird.

Die Essener Valovis-Bank als weiterer großer Highstreet-Gläubiger hat bereits öffentlich ihre Zustimmung bekundet.