Wer sich in der zweiten Reihe als Marktplatz gegen Amazon und eBay behaupten will, der braucht einen langen Atem und muss für Kunden und Händler ein wenig anders auftreten, um sich zu behaupten. Ein wenig kuscheliger soll es deshalb bei  Hitmeister zugehen. Aber das kann kaum alles sein. Etailment hat bei Gründer Gerald Schönbucher nachgefragt, wie er das  Ende 2007 gestartete Online-Shopping-Portal gegen die übermächtige Konkurrenz behaupten will.

Hitmeister-Gründer Gerald Schönbucher
Hitmeister-Gründer Gerald Schönbucher

 

Das Weihnachtsgeschäft lief gut für Hitmeister: 36 Prozent Umsatzplus gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. So soll es weiter gehen.  Ein wenig kann Schönbucher dabei auch auf die gegenwärtige Schwäche von eBay hoffen. Die Händlerzahl stagniert. Hinzu kommen die ungewissen Aussichten nach der Trennung von PayPal. Argumente liefert aber womöglich die Unzufriedenheit mancher Händler mit dem Online-Marktplatz. Klagen über Gängeleien sind zahlreich in den entsprechenden Foren, manch einer fühlt sich gar erniedrigt und abgespeist. Bei Hitmeister will man dagegen ein offenes Ohr für jeden haben und Ansprechpartner für jeden sein.

„Es gibt kein starres Korsett“, sagt Schönbucher. Man höre denn auch genauer hin, welche Meinung ein Händler zu Preisen, Marken und Produkte habe. Flexibilität zählt. Auch wenn es um gemeinsame Aktionen geht, wenn Preisknaller im Newsletter eingesetzt werden, Banner genutzt werden wollen.  „Wir entwickeln gemeinsam Möglichkeiten“, sagt Schönbucher. Das gilt sogar bei der Kategoriegestaltung: „Ein Händler, der im einem speziellen Segment stark ist und mit uns eine neue Kategorie entwickeln will, kann mit uns reden.“

Besonders gut aufgestellt ist Hitmeister gegenwärtig in den Trendsegmenten Möbeln, Gartenmöbel,  Küche und Haushalt, Großgeräte und Geschirr.

Segmente wie Fashion dienen “ohne Herzblut“ (O-Ton Schönbucher) lediglich der Abrundung im Kosmos der Mehr als 13 Millionen Produkte. Ganz ohne Mode geht es eben nicht. Auch der Medienbereich,  für die einst als Medien-Tauschbörse Hitflip gestartete Plattform quasi ein Nukleus, macht nur noch neun Prozent des Umsatzes aus.

Hitmeister macht es  vor allem Einsteigern unter den Händlern leicht, auf der Plattform mitzumischen. Angesichts eines Sets mit über zehn Millionen Produktdaten müssen sich Neueinsteiger um nichts kümmern, als die EAN und den Preis. Auch um das Marketing kümmert sich Hitmeister. Anders als bei manchen Mitbewerber ist der Marketingetat bereits in Verkaufsprovision und Gebühr eingepreist.

Hitmeister erledigt zudem einen vergleichsweise umfangreichen „First Level Customer Support“ und da Hitmeister als Vertragspartnern des Kunden auftritt, muss sich der Händler auch wegen Zahlungsausfällen keine grauen Haare wachsen lassen. Nur vom Fulfillment für die Händler lässt Hitmeister, dass allerdings auch selbst als Direktverkäufer (670.000 Artikel) antritt, die Finger.

Auffallend ist bei Hitmeister, dass große Teile des Sortiments von reichlich Ratgeber-Content begleitet werden, der von einer eigenen Redaktion erstellt wird.

Hitmeister holt 30 Prozent des Umsatzes über mobile Endgeräte

Derlei Inhalte erhöhen die Verweildauer, bessern das SEO-Ergebnis auf. Inspirierend präsentiert werden die Inhalte jedoch nicht.  Doch Schönbucher hadert nicht allzu sehr mit der Optik: „Die Kunden erwarten vor allem Informationen. Der Nutzwert funktioniert.“

Optisch auf Vordermann gebracht werden soll indes der mobile Auftritt. Am Responsive Design wird mit Hochdruck gearbeitet. Aber schon jetzt holt Hitmeister rund 30 Prozent des Umsatzes über mobile Endgeräte.   

Auf den Zug personalisierter Empfehlungen mag Schönbucher dagegen nicht aufspringen:  „Bei uns funktionieren produktbezogene Empfehlungen besser.“ Einer de Gründe: Bei einem Marktplatz mit etlichen Einmalkäufern reicht die Datenmenge selten für eine Personalisierung aus. Bestandkunden kaufen zudem gerne Kategorieübergreifend. Und die können dabei mit einem regelmäßigen Newslettermarketing effektiver angesprochen werden.

Zur Kundenbindung dienen dann auch die Bonuspunkte. Während Rakuten seine Bonuspunkte vergleichsweise aggressiv vermarktet, sehen Neukunden bei Hitmeister zunächst lediglich  einen Hinweis auf einen Rabatt von einem Prozent. Die eigentliche Bonuspunkte-Sammelei für den nächsten Einkauf wird erst nach dem Kauf sichtbar.  Die späte Belohnung soll verhindern, dass nur jene die Plattform aufsuchen, die auf billige Geschenke aus sind.

In der Debatte um selektive Vertriebssysteme der Markenhersteller profitiert der Marktplatz aus Köln davon, dass es als eher kleine Plattform mit 2 Millionen Besuchern monatlich und mehr als 4.000 Versandpartnern im Windschatten der Aufmerksamkeit liegt. Trotzdem bietet auch Hitmeister den Marken auf Wunsch einen Markenshop in ihrem Look & Feel - wenn der Hersteller dafür Budget bereitstellt. Ein Beispiel für solch einen Markenshop zeigt sich unter anderem beim Hersteller Kärcher.

Markenshop von Kärcher bei Hitmeister
Markenshop von Kärcher bei Hitmeister


In den kommenden Wochen stellt etailment weitere Marktplätze aus der zweiten Reihe vor.