Bei Temperaturen von bis zu 30°C boomt das Geschäft mit Erfrischungsgetränken. Dabei werden alkoholfreie Getränke immer billiger - und der Verkauf von Bier stockt.

Besorgt gibt sich der Geschäftsführer im Bundesverband des Deutschen Getränkegroßhandels, Günther Gunder, im Gespräch mit der Presseagentur dpa. Denn die Deutschen trinken in diesem Jahr noch weniger Bier als in den Vorjahren. 2008 ist der Konsum bereits laut Statistischem Bundesamt um 1,1 Prozent gesunken.

Mittlerweile versuchen einige Brauereien, Bierkästen durch Aktionspreise an den Mann zu bringen - obwohl im letzten Jahr die Preise für einen Kasten angehoben werden sollten. Damals hoffte der Getränkegroßhandel noch auf einen Durchschnittspreis von 12,49 Euro pro Kasten, stattdessen findet man seit Anfang des Jahres „jedes namhafte Bier zu einem Preis von 10,99 Euro", erklärt Guder.

Preiskämpfe vom Premiumhersteller bis zum Discounter

Im Bereich alkoholfreie Getränke sehe es ebenfalls nicht allzu rosig aus. Aber nicht etwa, weil nicht genug Wasser getrunken werde, sondern weil das Wasser zu billig sei. Günther Guder erklärt das mit dem Druck, den Discounter wie Aldi und Lidl auf das alkoholfreie Getränkesegment ausüben.

Fast jede zweite verkaufte Flasche Brause- und Mineralwasser stamme aus den beiden Discountern. Daher seien die Durchschnittspreise in den ersten fünf Monaten 2009 gesunken, obwohl die Kosten für die Anbieter weiter stiegen.

Regionale Produkte als Umsatzretter

Deutlich spürbar ist der Preiskampf vor allem bei Mineralwasser. Bei den Discountern kostet eine 1,5-Liter-Flasche nur noch 19 Cent. Das hat zwar zu höheren Absatzzahlen geführt, dennoch sei der Umsatz in den Getränkemärkten um 2,6 Prozent gesunken.

Angesichts des Billigtrends versuche der Getränkefachhandel, regionale Produkte in den Vordergrund zu stellen. So könne man der Preisdiskussion entgehen, meint Guder.

Dank Hitze wenigstens ein Absatzerfolg

Zufrieden kann Guder zumindest mit den Absätzen der Erfrischungsgetränke sein, die zur Zeit boomen. Dieses Absatzhoch verdankt die Getränkbranche der enormen Hitze und Schwüle der letzten Wochen in Deutschland. In solchen Zeiten werde doppelt so viel verkauft wie sonst, betonte Guder. Der Fachhandel erwarte einen guten Sommer mit hohen Absatzspitzen.

Die Lust am Bier scheint also vergangen, der Brause- und Mineralwasserabsatz wird von Discountern dominiert - für Getränkehändler scheint der Verkauf von Erfrischungsgetränken das einzige Silberstreif am Horizont zu sein.

Mutlu Göz