Die Rückrufaktion des japanischen Herstellers Toyota kostet allein in Deutschland 13 Millionen Euro. Nun soll der überarbeitete Kompaktwagen Auris wieder für positive Schlagzeilen sorgen.

Bei den 652 bundesdeutschen Toyota-Händlern herrscht in diesen Tagen Hochkonjunktur. Die größte Rückrufaktion in der Automobilgeschichte ist in vollem Gange und alleine in Deutschland kommen 215.796 Fahrzeuge in die Werkstätten, um möglicherweise fehlerhafte Gaspedale mit einer Distanzscheibe zu versehen.

"Vielleicht zu langsam reagiert"

„In 30 Minuten ist die Sache erledigt. Der Kunde kann auf sein Fahrzeug warten und es auch gleich wieder mitnehmen", sagt Toyota-Sprecher Jürgen Stolze und gesteht ganz freimütig ein, dass man in der größten Krise des sonst so erfolgsverwöhnten Weltmarktführers „vielleicht zu langsam reagiert" habe. 

Über Monate hatte es immer wieder Meldungen, vorzugsweise aus den USA, von Toyota-Modellen gegeben, deren Gaspedal hakte. In den Vereinigten Staaten soll der Defekt für den Unfalltod von 36 Menschen verantwortlich sein. Die Untersuchungen laufen.

Hierzulande fand das Dilemma der Japaner ein großes Medienecho und sorgte im Januar und Februar, nach Einschätzung von Deutschland-Geschäftsführer Alain Uyttenhoven, für einen Absatzrückgang in der Größenordnung von 20 Prozent. Doch die betroffenen Kunden selbst bleiben erstaunlich gelassen. Und inzwischen liegt Toyota ein Gutachten vom TÜV Rheinland vor, dass den vom Rückruf betroffenen Modellen iQ, Aygo, Yaris, Auris, Verso, Avensis und RAV4 bescheinigt, im Falle einer Blockade des Gaspedals bei Vollgas sicher bis zum Stillstand abgebremst werden zu können.

60.000 Fahrzeuge bereits gecheckt

Die Zentrale in Köln-Marsdorf hatte die Händler informiert, welche Fahrzeuge aus ihrem Kundenkreis betroffen sind. Die Vertragspartner schrieben die Kunden noch vor der offiziellen Mitteilung durch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) an.
Inzwischen seien 60.000 Autos in den Werkstätten gewesen.

13 Millionen Euro, so Uyttenhoven, dürfte der Rückruf den Hersteller allein in Deutschland kosten - der Imageschaden für das einstige Vorzeigeunternehmen der Branche, das in den vergangenen Jahren stets für die Qualität und Zuverlässigkeit seiner Produkte gerühmt wurde, liegt allerdings deutlich höher. Und Zusatzgeschäfte für den Handel zeichnen sich durch den unfreiwilligen Werkstattbesuch auch nicht ab.

In der Kölner Toyota-Allee versucht man nun zur Normalität zurückzukehren und möchte wieder für positive Schlagzeilen sorgen. Dazu soll der überarbeitete Auris beitragen, der an diesem Wochenende im Rahmen eines "Händler-Frühlingstages" eingeführt wird.

Auris Hybrid kommt im September

Nach drei Jahren Bauzeit und eher enttäuschenden Verkaufszahlen wurde das Kompaktmodell Innen und Außen leicht modifiziert. Die Preisliste des weiterhin eher unscheinbaren Golf-Gegners startet bei 16.650 Euro für den 1,33-Liter-Benziner (73 kW/99 PS) mit Start/Stopp-Automatik.

Deutlich mehr Aufmerksamkeit dürfte der Wagen aber im September bekommen, wenn der Auris als erstes Hybridmodell in der Kompaktklasse anrollt. Toyota verspricht einen Verbrauch von 3,8 Litern auf 100 Kilometern, was einem CO-2-Ausstoß von lediglich 89 g/km entspricht.

Bernd Nusser