Mercedes-Benz liefert den Sprinter von Juni an auch als 5,5-Tonner mit erhöhter Nutzlast aus und spendiert den Einstiegsdieseln einige zusätzliche Pferdestärken.

Der Transportermarkt entwickelt sich nach den Zahlen von Dataforce mit einem Plus von 9,9 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres dynamisch und ist auch mit Blick auf die Modellvielfalt in Bewegung. Erst im vergangenen Jahr stieg Hyundai mit dem H 350 in die Szene ein. Zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) für Nutzfahrzeuge im September will Volkswagen sein Heimspiel in Hannover nutzen und seinen erstmals eigenständig entwickelten Crafter ins Rampenlicht rollen. Dem soll im kommenden Jahr auch noch ein Ableger der Konzern-Tochter MAN folgen.

Wann Mercedes-Benz mit der dritten Sprinter-Generation kontert, hüten Daimler-Chef Dieter Zetsche und der für die Van-Sparte zuständige Volker Mornhinweg zwar noch wie ein „Staatsgeheimnis“, doch der Marktführer in der Klasse bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht, der dem Fahrzeugsegment sogar seinen Namen gibt, will der Konkurrenz die IAA-Bühne selbstverständlich nicht alleine überlassen und frischt den mittlerweile zehn Jahre alten Sprinter jetzt nochmals auf.

Kastenwagen mit bis zu 2,9 Tonnen Nutzlast

Nach der Ankündigung von VW, den Crafter auch mit 5,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht auf die Räder stellen zu wollen, preschen die Stuttgarter jetzt vor und legen ihren Sprinter nun ebenfalls als 5,5-Tonner auf. Bereits ab Juni ist die fassungskräftige Version mit einer Nutzlast von bis zu 2,9 Tonnen für den Kastenwagen verfügbar.

Schon bislang brachte der schwäbische Frachter aus dem Daimler-Werk in Düsseldorf bis zu fünf Tonnen auf die Waage. "Häufig haben unseren Kunden aber genau jene zwei-, dreihundert Kilo an Zuladung gefehlt", beschreibt Produktmanager Norbert Kunz die Ausgangslage. Beispielsweise Baustoff- oder Reifen-Händler, die häufig hohe Tonnagen transportieren müssen, werden sich über die zusätzliche Zuladung freuen.

Mehr Spielraum für Ausbauten

Aber auch Aus- und Aufbauherstellern kommt die Maßnahme zu Gute. "15 Prozent aller Sprinter werden mit höheren Gewichten geordert. Davon werden wiederrum mehr als 70 Prozent mit Zusatzumbauten versehen", erklärt Peter Strobach, Leiter Mercedes-Benz Aufbauhersteller-Zentrum, und verweist auf die zahlreichen Lösungen ab Werk, die der Autobauer unter dem Begriff "Van-Solution" in Kooperation mit spezialisierten Unternehmen im Einrechnungsgeschäft anbietet.

Für das Zusatzgewicht im Frachtraum wurde der Sprinter technisch übrigens entsprechend modifiziert. So verfügt der Laster unter anderem über verstärkte Federbeine und eine noch belastbarere Stirnwand.

Durch Euro-6-Antriebe steigt der Preis

Gleichzeitig bietet Mercedes-Benz Vans auch neue Motorisierungen für den Dauerbrenner an. Statt 70 kW/95 PS leistet das Einstiegsmodell jetzt 84 kW/114 PS, die nächste Leistungsstufe wurde von 95 kW/129 PS auf 105 kW/143 PS hochgesetzt. Darüber hinaus ist der Sprinter weiterhin mit 120 kW/163 PS und 140 kW/190 PS verfügbar. Alle Antriebe erfüllen ab sofort die Abgasstufe Euro 6, die ab September auch für Transporter der mittleren Gewichtsklasse gesetzlich verpflichtend wird. Damit steigen allerdings die Preise gegenüber den bisherigen Euro-5-Versionen um 1.390 Euro. Für das Leistungsplus werden bei den beiden Einstiegsdieseln weitere 200 Euro fällig.

Dass die sparsamen Schwaben noch einige Zeit auf ihren bewährten Transporter setzen werden, lässt die Ankündigung von Norbert Kuhn vermuten: "Ab 2017 werden wir alle Tonnagen serienmäßig mit Seitenwindassistent anbieten." Das hört sich nicht nach einer baldigen Ablösung an.

Bernd Nusser