Eis, Pumps, Steaks, Handys, Medizintechnik: Zum Auftakt der 4. Staffel der TV-Show "Die Höhle der Löwen" suchen 5 Gründer Investoren für ihre Geschäftsideen. Massentaugliche Produkte verkauft  Vox nun auch selbst - stationär.

Ab dem 5. September 2017 ist es wieder so weit: Jeweils dienstags um 20:15 Uhr geht die TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ mit zwölf neuen Folgen in die vierte Staffel. Diesmal müssen Gründer den Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer, die Teleshopping-Moderatorin und Kosmetik-Unternehmerin Judith Williams, den Chef der Handelsgesellschaft DS Produkte Ralf Dümmel, den Internetinvestor Frank Thelen sowie – neu dabei – die Unternehmerin und Politikerin Dagmar Wöhrl überzeugen, ihnen Geld zu geben.

Die deutschen Zuschauer mögen die Kapitalsuche per TV: „Die Höhle der Löwen“ hatte bereits in der ersten Staffel 2014 Bestwerte von 9,7 Prozent Marktanteil, 12,7 Prozent waren es in der zweiten Staffel und immerhin 16,4 Prozent Marktanteil im vergangene Jahr. Damit ist die Gründer-Show bei den 14- bis 59-Jährigen die erfolgreichste Primetime-Eigenproduktion in der Geschichte von Vox: Bis zu 3,41 Millionen Zuschauer saßen vor dem TV, um die „Löwen“ bei der Jagd nach den besten Deals zu beobachten.
Ob Eintöpfe, Abfluss-Fee oder Dirndl: Nach nunmehr 3 Staffeln gibt es eine Reihe Produkte, die dem Fernsehpublikum bekannt sind – denn neben dem Kapital, Know-how und Beziehungen der Investoren ist der Werbeeffekt für die Jungunternehmer, die sich ins Fernsehen wagen, lukrativ. Und auch Vox will davon profitieren: Ende August eröffnete der Fernsehsender den ersten „Die Höhle der Löwen“-Pop-Up-Store im Herzen von Köln. Zum Start werden rund 30 besonders beliebte Produkte, die in den vergangenen Staffeln einen „Deal“ gemacht haben, im Shop erhältlich sein.
Pop-up-Store in Köln, Breite Gasse
© Pop Up My Brand
Pop-up-Store in Köln, Breite Gasse

Im Laufe der neuen Staffel sind dann weitere aktuelle Produkte aus der Show verfügbar – „und das sogar schon am Morgen nach dem „Deal“ in der TV-Ausstrahlung“, so der Sender. „Der Pop-Up-Store in der Breite Straße wird während der gesamten vierten Staffel geöffnet sein und die Kunden in typischer „Löwen“-Atmosphäre willkommen heißen“, wirbt Vox. Konzipiert hat das erste Pop-Up-Projekt für den TV-Sender der Full-Service-Anbieter für temporäre Handels-Lösungen „Pop Up My Brand“, das auch den Laden inklusive Personal betreibt.
"Löwe" Ralf Dümmel
© QVC
"Löwe" Ralf Dümmel
Während der Shoppingsender HSE24 gemeinsam mit "Löwin" Judith Williams Live-Shows über deren aktuelle Deals ausstrahlen wird, wollen auch der Teleshoppingsender QVC und Otto von den erfolgreichen VOX-Gründern profitieren: Als Partner des Hamburger Investors Ralf Dümmel, der als Geschäftsführer der Handelsgesellschaft DS Produkte unter anderem Versand-, Lebensmittel-, Einzelhändler sowie Discounter in Deutschland und Europa mit Aktionsware beliefert, sind dessen „Deals‘‘ aus der TV-Show direkt nach der Ausstrahlung bei QVC im Fernsehen und online sowie auf otto.de erhältlich. Bei Otto wird es zudem auch einige Produkte, in die der Unternehmer und Jurymitglied Frank Thelen investiert. geben.
Vox Pop-up-Store in der Kölner Innenstadt
© Pop Up My Brand
Vox Pop-up-Store in der Kölner Innenstadt

„Die Jungunternehmer erhalten die Möglichkeit, ihr Produkt bei QVC direkt live on air rund 41 Millionen Haushalten in Deutschland und Österreich zu präsentieren“, wirbt der Shoppingsender, der am 20. September 2017 in Hamburg sein eigenes Gründerprogramm „QVC NEXT‘‘ vorstellen will. Da es bei QVC eigenen Angaben zufolge ab dem 5. September 2017, also parallel zur neuen Staffel, mit den Dümmel-Deals auf dem eigenen Kanal losgeht, steht zu vermuten, dass der Investor in eines der vorgestellten Jungunternehmen der ersten Sendung investiert.

"Protect Pax"

Da kommt wohl das Gründer-Duo von „Protect Pax“ in Frage. Pascal Buchen (26) und Anthony Filipiak (22) aus Düsseldorf haben zerbrochenen Handy-Displays den Kampf angesagt: „Unser Ziel war es, einen unsichtbaren Schutz zu entwickeln, der das Handy quasi unkaputtbar macht“, so Pascal Buchen. Das ist ihnen mit „Protect Pax“ laut eigener Aussage gelungen: Das Produkt wird in flüssiger Form aufs Handy aufgetragen und soll das Display sechs Mal härter als herkömmliche Schutzfolien machen.
Pascal Buchen und Anthony Filipiak stellen Protect Pax vor
© VOX
Pascal Buchen und Anthony Filipiak stellen Protect Pax vor

Jetzt suchen die Gründer dringend einen Investor: „Ein ‚Löwe‘ wäre wahnsinnig wichtig für uns. Alles Geld, das wir hatten, haben wir investiert“, berichtet Pascal Buchen. „Jemand, der an uns glaubt, wäre super. Wir würden uns darüber riesig freuen“, ergänzt Anthony Filipiak. Um mit Protect Pax weiterzuwachsen und das Produkt mittelfristig auch zum Schutz von Ceranfeldern oder Autoscheiben einzusetzen, erhoffen sich die Gründer 100.000 Euro für 15 Prozent Unternehmensanteile.

"Luicella’s Ice Cream"

Als weiteres Start-up geht „Luicella’s Ice Cream“ ins Rennen. Für 120.000 Euro bieten sie 10 Prozent Unternehmensanteile. „Eis ist unsere ganz große Leidenschaft“, erläutert die 28-jährige Luisa Mentele, die an einer italienischen Eis-Universität studiert hat. Der frühere Olympia-Weltrekord-Schwimmer Markus Deibler (27) beendete für die kalte Köstlichkeit sogar seine Profisportler-Karriere: „Ich hatte einfach keine Lust mehr, mein ganzes Leben nur aufs Schwimmen auszurichten. Und ich hatte richtig Bock, mit Luisa Eis zu machen. Deswegen habe ich entschieden: Ich höre mit dem Schwimmen auf.“  Heute gehören zum Unternehmen „Luicella’s Ice Cream“ zwei Eisdielen in Hamburg, Fertig-Eis-Sorten im Einzelhandel und der neue Eis-Mix, mit dem man Eis zu Hause einfach selbst herstellen kann.
Luicella’s Ice Cream wird einer kritischen Prüfung unterzogen
© VOX
Luicella’s Ice Cream wird einer kritischen Prüfung unterzogen

„MovEAid“

Auch das Mutter-Tochter-Gespann Anna Vonnemann und Dindia Gutmann aus Berlin gehen mit Geschäftspartnerin Saskia Holodynski in „Die Höhle der Löwen“, und zwar mit einer besonderen Geschichte: Dindia erlitt bereits im Mutterleib einen Schlaganfall und hat seitdem eine halbseitige Lähmung. „Halbseitig gelähmt zu sein bedeutet Unselbstständigkeit, Abhängigkeit und starke Schmerzen, aber auch Ausgrenzung“, schildert Dindia ihre Erfahrungen. Um ihrer Tochter zu helfen, entwickelte Mutter Anna ohne technische Vorkenntnisse ein Gerät, das Dindia mit elektrischen Impulsen bei ihrer Körperhaltung unterstützt – und hatte erstaunlichen Erfolg.
 Hilfe nach einem Schlaganfall: MovEAid
© VOX
Hilfe nach einem Schlaganfall: MovEAid
Heute ermöglicht „MovEAid“ der 26-jährigen Dindia mehr Bewegungsfreiheit und Körperkontrolle. Um ihre Erfindung weiterzuentwickeln und auch anderen Menschen damit helfen zu können, erhoffen sich die Gründer von den „Löwen“ 200.000 Euro für 20 Prozent Unternehmensanteile. „Je weiter wir kommen, desto höher sind auch die Summen, die wir investieren müssen“, erklärt die 67-jährige Anna Vonnemann.

„Hearts4Heels“

Birgit Unger (49) hatte immer ein großes Problem: Sie trägt bei ihren Schuhen eine Zwischengröße und keiner ihrer Pumps passt perfekt. Motiviert von den vielen problemlösenden Produkten in der Sendung entschied sie sich als Höhle der Löwen-Fan, einen neuen Lebensabschnitt als Unternehmerin zu wagen. Sie gab ihre Wahlheimat Mallorca auf und entwickelte „Hearts4Heels“, ein kleines Schaumstoff-Herz, mit dem jede Frau ihre Pumps individuell auf ihre Größe anpassen kann. Noch ist das Produkt in der Testphase, die Jungunternehmerin braucht für die nächsten Schritte 20.000 Euro.
Birgit Unger von „Hearts4Heels“
© VOX
Birgit Unger von „Hearts4Heels“
Unter dem Motto „Fleisch ain’t no Firlefanz“ tritt das Düsseldorfer Startup und Familienunternehmen „Otto Wilde Grillers“ zur nächsten Finanzierungsrunde an.  Denn 2016 haben sie über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter bereits von 536 Unterstützern 334.607 Euro eingesammelt, um einen Grill für das perfekte Steak zu bauen. Das Ergebnis: Ottos Over-Fired Broiler – kurz der O.F.B. Der Oberhitze-Gasgrill erreicht Temperaturen von mehr als 900 °C und „bietet damit in wenigen Minuten Grillzeit eine Steakqualität wie sie sonst nur in den besten Steakhäusern der Welt zu finden ist“, wie Otto Wilde Grillers werben.
Otto Wilde Grillers will weiter wachsen
© Otto Wilde Grillers
Otto Wilde Grillers will weiter wachsen
Die hohen Temperaturen sorgten aufgrund der sogenannten Maillard Reaktion für eine knusprig-karamellisierte Kruste, während das Fleisch innen saftig und zart bleibe, wirbt das junge Unternehmen. Der O.F.B. wird komplett in Deutschland gefertigt. Für das funktionale und elegant-innovative Produktdesign wurde der rund 900 Euro teure Grill für den German Design Award 2018 nominiert. Bleibt abzuwarten, ob ein „Löwe“ in das doch für die breite Masse vermutlich zu kostspielige Küchengerät investiert.

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