Die Beiträge für Sachversicherungen sollen steigen. Ein Vergleich von Prämien und Leistungen wird daher für Händler immer wichtiger.

Wenn es brennt, ist Axel Wieczorek schon mal schneller zur Stelle als sein Kunde: "Der hat nicht schlecht gestaunt, dass ich schon da war", erinnert sich Wieczorek an einen Textilhändler, den er vor den rauchenden Ruinen seines Geschäftes in Empfang nahm.

Schnelligkeit zählt im Ernstfall ebenso wie eine möglichst unbürokratische Schadensregulierung. Wer möchte sich schon mit Formularen und Gutachtern herumschlagen, wenn das eigene Unternehmen in Trümmern liegt?

Individuelles Geschäft

Axel Wieczorek ist Geschäftsführer des Versicherungsdienstes der Textilkooperation Katag AG. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen einer der größten Versicherungsmakler für Verbundgruppen, neben Textilhändlern sind auch Großhändler und Getränkefachhändler bei den Bielefeldern unter Vertrag. "Kein Kunde kann mit dem anderen verglichen werden", lautet das Credo von Wieczorek. "Händler sind keine Autos, deren Versicherungstarif sich nach Modell und Hubraum taxieren lässt."

Mit dieser Begründung lehnt der Makler eine Teilnahme am Versicherungsvergleich von Der Handel ab. Die Redaktion hat insgesamt sechs Versicherungsunternehmen und drei Makler mit Branchenerfahrung gebeten, für zwei typische Handelsunternehmen einen "optimalen Versicherungsschutz" auszuarbeiten.

Foto: Zurich
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Hinter den Geschäftszahlen, die den Versicherern vorgelegt wurden, stehen jeweils reale Unternehmen. Neben dem Katag Versicherungsdienst verweigerte auch die Zurich Versicherung eine Teilnahme an dem Vergleich. Mit den eingereichten Daten sei kein Angebot zu erstellen, hieß es zur Begründung aus Bonn.

Große Spannbreite bei Prämien

Vier Versicherer und zwei der angefragten Makler waren hingegen in der Lage, zu den Musterfällen einen konkreten Vorschlag mit entsprechenden Prämienangaben zu unterbreiten. Die Prämien gehen teils erheblich auseinander und bewegen sich zwischen 5.000 Euro und 14.250 Euro für den Schuhfilialisten sowie zwischen 1.300 Euro und 5.500 Euro für die Mode-Boutique.

Doch nicht nur die Tarife, auch der Schutzumfang divergiert in ähnlichem Maße, ein genauer Blick in die Details der Offerten ist daher notwendig. Ein individuelles Versicherungskonzept kann unser Vergleich ohnehin nicht ersetzen, einen ersten, groben Marktüberblick ergibt er dennoch.

Vergleiche sind manchmal knifflig

"Es ist uns wichtig zu betonen, dass ein Vergleich zwischen Maklern und Versicherungsgesellschaften, insbesondere ohne die Angabe der Risikoträgerschaft, sehr fragwürdig ist", sagt Thomas Moll, Sprecher der Gothaer Versicherung. Zudem sei insbesondere der Schuhhändler aufgrund des Umsatzvolumens im Grunde nur durch eine individuelle Risikoprüfung einzustufen - etwa mit einer Besichtigung vor Ort.

Mit einer Versicherungssumme von 2,75 Millionen Euro gehöre das Unternehmen bei der Gothaer in den Bereich "Sach-Industrie" in der flexiblere Tarifgestaltungen möglich seien als bei den Multirisk-Standard-Produkten.

Makler oder Versicherer

"Gewerbliche Versicherungen ab einer Million Euro Umsatz sind ein zu individuelles Geschäft für derartige Gegenüberstellungen," sagt auch Axel Wieczorek. "Unternehmer sollten sich einen kompetenten Makler - keinen Vertreter - für die Besprechung der Unternehmensversicherungen suchen und diese Verbindung auch langfristig pflegen", rät zudem der Katag-Fachmann.

"Für Ladeneinrichtung und Warenbestand werden in den Policen oft falsche Summen angesetzt", kritisiert auch Reinhard Kraemer, Geschäftsführer der KVV Konzis Versicherungs-Vermittlung. Das Unternehmen ist der ehemalige Versicherungsdienst der inzwischen insolventen Kaufring-Gruppe und gehört heute zu 25 Prozent der EK/servicegroup. Rund 3.000 Händler sind bei der KVV unter Vertrag.

"Der Inhaber eines Fachgeschäfts ist heute ein Multitalent: Personalchef, Einkäufer, Finanzchef, Verkäufer und Psychologe in einer Person", weiß Kraemer. "Ein Makler mit einem guten Versicherungskonzept nimmt ihm wenigstens das existenzielle Thema Versicherung ab."

Hanno Bender

Artikel erschienen in Der Handel, Ausgabe 12/08