Das Landesarbeitsgericht Hessen verhandelte heute über die Arbeitsbedingungen bei der Modekette Hollister. Der juristische Streit wurde beigelegt, weil die Parteien eine Lösung gefunden haben. (Aktualisiert)

Anfang März berichtete das Wirtschaftsmagazin Der Handel unter dem Titel "Totale Kontrolle" ausführlich über die Arbeitsbedingungen bei der amerikanischen Modekette Hollister. Regelmäßige Taschen- und Jackenkontrollen bei den Mitarbeitern gehörten dabei zu den Themen, die von Arbeitnehmervertretern und namhaften Arbeitsrechtlern kritisiert wurden.

Am heutigen Donnerstag verhandelte das Landesarbeitsgericht Hessen über eine einstweilige Verfügung des Frankfurter Betriebsrats gegen diese Taschen- und Jackenkontrollen, das Verfahren wurde allerdings ohne Urteil abgeschlossen.

"Wir haben entschieden, dass wir nichts entschieden haben", erklärt der Vorsitzender Richter am Hessischen Landesarbeitsgericht Wolfram Henkel gegenüber derhandel.de. "Beide Parteien haben das Verfahren für erledigt erklärt, weil die betriebliche Einigungsstelle eine vorübergehende Regelung gefunden hat", so Henkel.

Hollister verzichtet in Frankfurt generell auf Taschenkontrollen

Nach der vorläufigen Vereinbarung der paritätisch besetzten Einigungsstelle dürfen die Taschen und Jacken der Mitarbeiter weiterhin von Vorgesetzen durchsucht werden, allerdings nicht regelmäßig sondern nur nach dem Zufallsprinzip. Eine dauerhafte Regelung muss die Einigungsstelle laut Henkel noch finden.

"Man hat einmal per Würfelentscheid festgelegt, ob ein Mitarbeiter kontrolliert wird oder nicht. Seit drei Wochen werden aber gar keine Kontrollen mehr durchgeführt, daher ist unsere Mandantin mit der jetzt gefundenen Lösung zufrieden", sagt Peter Rölz, Rechtsanwalt in der Kanzlei Ulrich Weber & Partner, die den Betriebstrat in der Sache vertreten hat.

Die ebenfalls kritisierte Videoüberwachung war nicht Gegenstand der heutigen Verhandlung. Auch diesbezüglich muss laut Rölz eine Lösung in der Einigungsstelle gefunden werden. "Die permanente Überwachung von Mitarbeitern per Videoaufzeichnung ist in Deutschland unzulässig", erläutert der Fachanwalt für Arbeitsrecht. Ziel des Betriebsrats sei der vollständige Abbau der Kameras. Es wären jedoch auch Lösungen denkbar, die auf andere Art sicherstellen, dass keine Mitarbeiter auf den Aufnahmen zu erkennen sind.

Die getroffene Vereinbarung zwischen Betriebsrat und Hollister gilt nur für die Frankfurter Filiale im MyZeil-Shoppingcenter und hat keine direkten Auswirkungen für die anderen 16 deutschen Niederlassungen der zum Abercrombie & Fitch-Konzern gehörenden Modekette.