Johannes W. Klinger
Johannes W. Klinger
Die Hoster-Wahl ist ähnlich wichtig wie die Auswahl der richtigen Shopsoftware. „Die Wahl des Hosters kann im E-Commerce durchaus über Erfolg und Misserfolg des Geschäftsmodells mit entscheiden.“ Mit diesen Worten weist Stephan Lamprecht in seinem etailment-Beitrag auf die Bedeutung von hochverfügbaren Shopservern für erfolgreichen Onlinehandel hin. Dabei sollte man aber auch ein Software-as-a-Service-Shopsystem (SaaS) als Alternative in Erwägung zu ziehen, schreibt Johannes W. Klinger, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Websale, in einem Gastbeitrag für etailment.  Naheliegend, dass er das sagt. Schließlich ist Websale ein Dienstleister für Shopsoftware-as-a-Service. Doch es gibt gleichwohl Argumente, die man sich anhören sollte. 

Das SaaS-Prinzip hat für Onlinehändler den grundlegenden Vorteil, dass es zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: Entscheidet sich der Shopbetreiber nämlich für einen Shopsystem-Anbieter, der gleichzeitig auch der Betreiber der Shopserver ist, erübrigt sich die Suche nach einem für dieses System geeigneten Hoster.

Spezialisierte SaaS-Shopsysteme bieten Onlinehändlern ein Komplettpaket aus Software mit Betrieb. Dabei sollten in der monatlichen Shopmiete die Kosten für die Nutzung der Shopsoftware und der Server inkl. Wartung und Einspielung aller Softwareupdates enthalten sein. Für maximale Flexibilität und Kostentransparenz sollte zudem die benötigte Rechenleistung nach den tatsächlich verbrauchten Leistungseinheiten berechnet werden. Es gibt auch Modelle, bei denen sich das Honorar am monatlichen Umsatz bemisst – hier sollten Händler im Vorfeld sehr genau und konservativ verschiedene Szenarien durchrechnen, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Gute Skalierbarkeit

Ein großer Mehrwert gerade für mittelständische Unternehmen oder Fachhändler, die neu in den E-Commerce einsteigen, ist die gute Skalierbarkeit, die viele SaaS-Lösungen bieten können: Wächst das Kundenaufkommen in einem Shop stark an, kann der Versandhändler oftmals flexibel in einen höheren Betriebsservice mit günstigerem Leistungspreis wechseln. Besonders qualifizierte SaaS-Anbietet vermieten nicht einen dedizierten Server an einen bestimmten Kunden, sondern jeder Kunde nutzt die komplette Server-Cloud mit. Ermöglicht wird dies durch ein intelligentes Load-Balancing: Auch bei kurzfristig außergewöhnlich hohen Zugriffszahlen – z.B. wegen einer zeitlich begrenzten Werbeaktion – stehen dem Shop on-demand die notwendigen Leistungsressourcen der gesamten Cloud zur Verfügung.

Bei SaaS-Shops mit modularer Architektur kann der Versandhändler zudem auch qualitativ skalieren. Er kann nämlich frei wählen, welche Funktionalitäten er in seinen Shop integrieren will. So ist der Einstieg in den E-Commerce mit einem schlanken Basisshop möglich, der später schnell um passende Marketing- und Kundenbindungs-Tools, weitere Zahlungsarten, mobile und internationale Shops oder Schnittstellen zu Drittanbieter-Services erweitert werden kann. Der Shopbetreiber zahlt dabei nur die Features, die er in seinem Shop auch wirklich nutzt.

Entlastung für die IT-Abteilung

Ein weiterer  Vorteil eines SaaS-Shopsystems für den Händler, sofern Software und Betrieb aus der gleichen Hand kommen: Die Shopsoftware und der Serverbetrieb können eng aufeinander abgestimmt werden. Dadurch kann zum einen der Quellcode den eigenen Servern „auf den Leib geschrieben werden“, was die Ladezeiten der Shops reduziert und damit zu guten Suchmaschinen-Platzierungen beiträgt. Zum anderen ist eine durchgängige Verfügbarkeit der Shops garantiert, wenn das Einspielen neuer Features in die Kundenshops sowie übliche Wartungsarbeiten an den Servern ohne Unterbrechung des Shopbetriebs erfolgen. Die Händler profitieren bei solchen Anbietern somit „in Echtzeit“ von der kontinuierlichen Weiterentwicklung und Wartung der Software, ohne dass sie auf ihren eigenen Systemen stunden- oder tagelange Update-Prozeduren und Abnahmetests vornehmen müssen, wie dies bei Eigeninstallationen vorkommt. Dieses Modell entlastet die hausinterne IT-Abteilung des Händlers von den meisten Aufgaben, die mit dem operativen Shopbetrieb zu tun haben, und setzt Kapazitäten für strategische IT-Projekte frei.

Ein gutes Mietmodell ermöglicht es auch, die Investitionen für die Entwicklung neuer Software-Funktionalitäten auf alle Kunden umzulegen. Hier sind in der Praxis unterschiedliche Modelle möglich. Entwickelt ein Softwarehersteller zusammen mit einem Versender ein neues allgemein interessantes Feature, teilen sich der Auftraggeber und das Softwarehaus die Entwicklungsaufwände. Nach Ablauf des Alleinnutzungsrechtes können auch andere Händler das Feature für ihre Shops nutzen. Die Entwicklungskosten für den beauftragenden Händler sind damit geringer als bei einer exklusiven Eigenentwicklung.

Compliance-Sicherheit

Stichwort Cloud: Gerade bei international tätigen Anbietern sollten sich die Händler sehr genau zusichern lassen, wo die Shop-Server stehen und vor allem wohin die gespeicherten Daten sonst noch gehen können, und sei es auch „nur“ zur Datensicherung. Gerade in Zeiten der Globalisierung ist wichtig: Vollständige Compliance-Sicherheit in Bezug auf die strengen Vorgaben des deutschen Datenschutzgesetzes (und damit auch der EU-Standards) erzielen deutsche Versandhändler am ehesten, wenn sie ihre Daten ausschließlich in deutschen Rechenzentren verarbeiten und speichern lassen. In diesem Punkt lohnt es sich, ganz genau hinzusehen – denn wenn der Server-Betreiber seinen Firmensitz in den USA hat, unterliegt das Unternehmen dem amerikanischen Patriot Act, auch wenn die Server für seine europäischen Kunden vielleicht in Deutschland oder Irland stehen. In Bezug auf den Schutz von Kundendaten ist damit in der Regel eine grundlegende Unvereinbarkeit mit deutschem Recht gegeben – ein großes Risiko für deutsche Händler, denen die Shopkunden ihre Daten ja im guten Glauben anvertrauen, sie seien durch deutsches Recht geschützt. Wichtig für den Händler ist zudem eine klare vertragliche Regelung für die Rückgabe und Löschung der Daten bei Beendigung der Geschäftsbeziehung.