Seit diesem Mittwoch gehört Kaufhof endgültig zur Hudson's Bay Company. Und die neue Konzernmutter hat mit den Deutschen viel vor. Kaufhofchef soll auf jeden Fall der alte bleiben.

So ein Satz zum Auftakt einer Pressemitteilung ist ungewöhnlich. "Unter der Leitung von Olivier Van den Bossche wird die Kaufhof-Gruppe von Geschäftsbeziehungen zu international bekannten Markenherstellern, von bewährten Strategien für ausgewählte Warengruppen sowie von der Omni-Channel-Erfahrung von HBC profitieren."

Das klingt sperrig und floskelhaft. Trotzdem ist der Einstieg im Vorspann wohl kein Zufall. Es gab ja zuletzt einige Gerüchte darüber, dass bei Kaufhof die Führung ausgetauscht wird nach der Übernahme durch die kanadische Hudson's Bay Company (HBC). An diesem Mittwoch ist nun die Übernahme abgeschlossen worden, teilen HBC und Kaufhof mit. Und der Belgier Van den Bossche ist auch unter dem kanadischen Dach Chef des deutschen Warenhauskonzerns. Das wollte man offenbar so deutlich wie möglich gesagt haben.

Für 2,8 Milliarden Euro hatten die Kanadier den Konzern der Metro abgekauft. Dafür gab es 102 Waren-, 16 Sport- sowie 16 Warenhäuser der belgischen Inno-Kette. Insgesamt 21.500 Kaufhofmitarbeiter wurden übernommen.

Mehr Premiummarken, Ausbau der digitalen Angebote

Noch in der ersten Jahreshälfte 2016 will HBC Änderungen bei Kaufhof vornehmen: Verbesserten Zugang zu attraktiven Premiummarken etwa. "Das Unternehmen rechnet mit einer beschleunigten Einführung neuer Marken, die bei deutschen und belgischen Kunden stark nachgefragt sind", heißt es. Zudem soll ein "substanzieller Ausbau" der Sortimente in den Bereichen Beauty, Schuhe und Handtaschen erfolgen. "Diese Sortimente sollen mehr Raum, neue Gestaltungen, neue Marken sowie ein erweitertes Serviceangebot erhalten."

Auch die digitalen Angebote von Kaufhof sollen ausgebaut werden. Es gelte dabei, E-Commerce, mobile Anwendungen und Social Media so kundenfreundlich wie möglich mit dem stationären Angebot zu verzahnen. Und schließlich soll die Verkaufsfläche vergrößert werden. Unproduktive Lager- und Büroflächen sollen dafür entsprechend umgewandelt werden.

"Darüber hinaus plant HBC perspektivisch die Einführung der Marken Saks Fifth Avenue und Saks OFF 5th im deutschen Markt", wird weiterhin mitgeteilt. Beides sind nordamerikanische Kaufhausmarken unter dem HBC-Dach, die letztere allerdings ein Modeoutlet.

Kaufhof-Sitz bleibt in Köln

HBC betont auch, sämtliche Zusagen einzuhalten, die im Zuge der Kaufhof-Übernahme vereinbart worden sind. Diese Passage betrifft offenbar die Gerüchte über einen Personalabbau beim deutschen Traditionsunternehmen. Vielmehr werde in Folge der neuen strategischen Aktivitäten der Bedarf an Mitarbeitern in den Warenhäusern und im Bereich E-Commerce perspektivisch ansteigen. Die Hauptverwaltung von Kaufhof bleibe in Köln. Zu HBC gehören nun 464 Warenhäuser in vier Ländern. Für das Geschäftsjahr erwartet der Konzern einen Jahresumsatz zwischen 14,5 und 15,5 Milliarden Dollar.

"Wir werden die Expertise und und Erfahrungen von HBC mit dem Fachwissen und der Kontiuität des Teams der Kaufhof-Gruppe vereinen", versicherte Don Watros, Chef von HBC international. Was er aber nicht sagt: Wie hoch die Investitionen in die neue deutsche Tochter ausfallen werden.