Die Renten werden immer magerer, die betriebliche Altersvorsorge soll hier einspringen. Ein Ratgeber für Unternehmer.

Geht es nach dem Gesetzgeber oder den Gewerkschaften, spielt die betriebliche Altersversorgung (bAV) eine wichtige Rolle als zusätzlicher Baustein für ein auskömmliches Leben im Alter. Die Praxis sieht jedoch oft anders aus: Gerade Einzelhändler tun sich noch immer schwer damit, ihren Mitarbeitern derartige Modelle anzubieten.

Der Hauptgrund dafür sind hohe Kosten, wie Herbert Kämpfer, Referent beim Unternehmerverband Hessischer Einzelhandel erläutert: „Selbst große Unternehmen schrecken vor einer weiteren Belastung wie der betrieblichen Altersvorsorge zurück."

Einzelhandel mit Nachholbedarf

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes wird die Betriebsrente im Einzelhandel auch im Branchenvergleich wenig angewendet, wenngleich Wirtschaftsforscher insgesamt sinkende Ausgaben konstatieren.

So errechnete Infratest Sozialforschung einen Rückgang des Anteils der ausschließlich arbeitgeberfinanzierten Betriebsrenten von 54 Prozent 2001 auf 34 Prozent 2004, zugelegt haben gemeinsam oder ausschließlich durch Arbeitnehmer finanzierte Betriebsrenten.

Einfache Umsetzung

Rechtlich und organisatorisch stellt es für den Einzelhändler in der Regel kein Problem dar, eine betriebliche Altersvorsorge für seine Mitarbeiter anzubieten. Tarifgebundene Unternehmen können zudem auf den bestehenden Tarifvertrag zurückgreifen, und die Versicherer übernehmen in der Regel die praktische Umsetzung.

Zusätzlich gilt: Eine bAV ist anderen Zulagen vorzuziehen, weil sie steuer- und sozialabgabenfrei geleistet werden kann.

Dabei hängt es sehr stark vom Einzelfall ab, welchen Durchführungsweg der Händler wählt. Denn die Eigenschaften oder Probleme von Pensionskasse, Direktzusage und Co. unterscheiden sich deutlich.

Direkt versichern - oder nicht?

Im Fall einer Direktversicherung beispielsweise sind derzeit die Zinsen hoch, auch das einfache Handling spricht für diesen Weg. Sven Schöffel, der Beauftragte des HDE für die betriebliche Altersvorsorge, ergänzt: „Für Mittelständler ist auch die Pensionskasse gut zu stemmen. Zumal die Firma eine Sozialversicherungsersparnis von bis zu 50 Prozent erzielen kann."

Insgesamt ist die betriebliche Altersvorsorge nach Ansicht des HDE-Arbeitsrechtsexperten Thomas Bade ein sehr komplexes Thema: „Je nach Unternehmen und Situation lohnt es sich, die Durchführungswege genau zu prüfen und dann die optimale Konstruktion zu wählen."

Eines ist für Bade jedoch klar: „Schon aufgrund des demografischen Wandels bietet die bAV eine wichtige Ergänzung zur Rente. Nicht umsonst haben die Tarifparteien diese Möglichkeit der Vorsorge mit in den Tarifvertrag aufgenommen."

Anonymisierte Gehaltsabrechnung

Praktisch lassen sich bAV-Regelungen mithilfe eines Versicherers leicht umsetzen, wie HDE-Experte Schöffel erläutert: „Zunächst führen wir ein Gespräch mit dem Arbeitgeber und klären, welche Form die richtige ist. Per anonymisierter Gehaltsabrechnung errechnen wir dann jeweils, was ein Mitarbeiter bekommt."

Daraufhin kann beispielsweise eine persönliche Beratung des Beschäftigten stattfinden. Ist die Entscheidung gefallen, übernimmt der Makler in der Regel alles weitere.

Diese Erfahrung machte auch die eyePC GmbH aus Velbert, ein Händler und Servicespezialist für mobile Datenerfassungsgeräte (MDE). Geschäftsführer Claus Terjung konnte seinen Mitarbeitern eine betriebliche Altersversorgung ohne großen Verwaltungsaufwand anbieten: „Unsere betreuende Bezirksdirektion der Gothaer Versicherung rmb3 hat alle Mitarbeiter informiert, beraten und bei Bedarf die erforderlichen Formulare aufgenommen."

 Wie bei den meisten Händlern war auch für Terjung die Direktversicherung aus Gehaltsumwandlung eindeutiger Favorit: „Diese ist für uns die praktikabelste Form, wir räumen damit dem Mitarbeiter einen sozialversicherungsfreien und steuerlich geförderten Zugang für seine Altersvorsorge ein." Bei diesem Durchführungsweg zahlt der Arbeitnehmer die Beiträge aus der eigenen Tasche.

Hartz-IV-sicher

Doch die Beiträge einer Direktversicherung sind im Rahmen von Höchstgrenzen nicht nur steuer- und sozialversicherungsfrei. Jens Buss, der bei rmb3 für eyePC zuständig ist, nennt weitere Vorteile: „Der Mitarbeiter mindert seinen Spitzensteuersatz und kann die Versicherung privat fortführen oder auf einen Folge-Arbeitgeber übertragen."

Die betriebliche Altersversorgung sei auch „Hartz-IV-sicher", zusätzlich lässt sie sich sogar mit Hinterbliebenen- und Berufsunfähigkeitsschutz kombinieren. Buss ergänzt, dass die Beiträge aus unversteuertem und beitragsfreiem Einkommen bezahlt werden. Kommt der Versicherte ins Rentenalter, kann er zwischen Altersrente oder Kapitalzahlung auswählen.

Betriebsrente - Teil 2: Mittelständler sorgen vor