Seit der Modeanbieter Hugo Boss den Vertrieb über eigene Läden forciert, läuft das Geschäft - 2012 besonders gut. Die weitere Strategie des Modekonzerns dürfte dem klassischen Einzelhandel nicht gefallen.

Hugo Boss setzt 2013 bei seinem Wachstumskurs vor allem auf die zweite Jahreshälfte. Der Start in das Jahr sei wegen des kalten Wetters, das den Verkauf der Frühjahrsmode erschwerte, und der nach wie vor angespannten Wirtschaftslage in vielen Ländern etwas zögerlich verlaufen, räumte Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs am Donnerstag in der Firmenzentrale in Metzingen ein. Hugo Boss werde wohl eher von Sommer an Gas geben können.

Insgesamt traut sich der Konzern 2013 sowohl bei Umsatz als auch beim operativen Ergebnis einen Zuwachs im hohen einstelligen Bereich zu. Wachstumsmotor soll dabei der Handel in den eigenen Geschäften sein. Vor allem in Osteuropa, Asien und Amerika hat Hugo Boss neue Läden im Blick.

Krise? Welche Krise?

2012 hatte das Unternehmen ungeachtet der Wirtschaftskrise das bislang beste Geschäftsjahr seiner Firmengeschichte. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verbesserte sich um 13 Prozent auf 529 Millionen Euro.

Der Konzerngewinn stieg um 8 Prozent auf 307 Millionen Euro. Wie in den Vorjahren schüttet Hugo Boss einen Großteil seines Gewinns an die Aktionäre aus. Für 2012 sollen sie eine um acht Prozent höhere Dividende von 3,12 Euro je Aktie erhalten. Zugute kommt das vor allem dem Finanzinvestor Permira, der etwa zwei Drittel der Hugo Boss-Aktien besitzt.

Eigene Läden - höhere Preise

Besonders lukrativ ist für Hugo Boss der Handel über die eigenen Läden. "Wir stellen fest, dass wir Produkte im eigenen Einzelhandel im Durchschnitt zu höheren Preisen verkaufen können", sagte Lahrs. Im laufenden Jahr sollen 50 neue Standorte entstehen. Nicht eingerechnet ist bei dieser Zahl die geplante Übernahme von Verkaufsflächen der Handelspartner.

Ende 2012 kam Hugo Boss auf 840 Läden. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen erstmals mehr Umsatz mit den eigenen Filialen als über den Großhandel. Auch für das laufende Jahr ist für diesen Vertriebskanal ein zweistelliges Umsatzplus geplant. Eine größere Rolle soll dabei der Online-Handel spielen.