Toyota forscht auf Basis seines technischen Vorsprungs an der Mobilität von morgen - und dämpft die hohen Erwartungen an Elektroautos.

Mit der Kernbotschaft „die Zukunft gehört der Elektromobilität", hat soeben die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main ihre Pforten geschlossen.

Tatsächlich machten die zahllosen Elektro-Studien an praktisch allen Ständen namhafter Produzenten die, laut dem gastgebenden Verband der Automobil-Industrie (VDA), 850.000 Besucher der zehntägigen Messe glauben, dass die Menschheit auf der Stelle laut- und abgaslos dahinrollen könnte.

Benzin bleibt "gebräuchlichster Kraftstoff"

Doch nur einen Tag nach dem Ende der automobilen Nabelschau rückt Masato Katsumata, der Vizepräsident für Forschung und Entwicklung beim Weltmarktführer Toyota, das Bild wieder zurecht und macht klar, dass Fuhrparkmanager nicht gleich die Installation zahlloser Steckdosen auf den Firmenparkplätzen veranlassen müssen.

„In den kommenden Jahrzehnten wird Benzin weiterhin einer der gebräuchlichsten Kraftstoffe bleiben", erklärte der Japaner bei einem Technik-Workshop vor Journalisten. Elektro-Fahrzeuge seien lediglich das ideale Verkehrsmittel für City-Pendler, erklärte Katsumata. Deshalb soll der Kleinstwagen IQ 2012 in den USA als Elektro-Variante starten. Für Europa ist eine Markteinführung aber noch nicht einmal beschlossen.

Hohe Energieverluste beim Laden

"Je mehr man sich mit dem Thema Elektrifizierung beschäftigt, desto mehr Probleme tauchen auf", verdeutlicht Dirk Breuer, Pressesprecher Technik bei Toyota Deutschland in Köln.

Neben den bekannten Hindernissen wie Reichweite, Infrastruktur, Gewicht und Kosten der Batterien, kämen auch noch Energieverluste von bis zu 50 Prozent beim Laden und natürlich die Gewinnung sauberen Stroms hinzu. "Hier gibt es bei Toyota noch keine Zusammenarbeit mit den Energieerzeugern", sagte Breuer auf Nachfrage von derhandel.de.

Zwei Millionen verkaufte Hybrid-Modelle

"Unsere Strategie lautet: Das richtige Fahrzeug, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit", erklärt Entwickler Katsumata. Will sagen: Toyota hält sich alle Optionen offen. Die bisherigen Hybrid-Erfolge mit zwei Millionen verkaufter Einheiten seit 1997 seien dabei die Basis aller weiteren Forschungsarbeit.

Zunächst will der Hersteller seine Benzin-Elektro-Antriebe nicht mehr nur im Vorzeigemodell Prius, sondern über alle Baureihen ausrollen. Im nächsten Jahr soll es den Kompaktwagen Auris als Hybridmodell geben. Bei den Fertigungskosten lägen die Japaner bereits unter dem Niveau eines Dieselmotors - und mit der weiteren Verbreitung der Technik bis in die Kleinwagenklasse dürfte sich auch der Aufpreis für die Kunden reduzieren.

Kombination mit Brennstoffzelle möglich

Auf dieser Basis plant der Hersteller seine Zukunftsmodelle. Die Elektro-Einheit könne mit weiter optimierten Benzinmotoren, mit sogenannten Plug-in-Systemen, die per Stecker elektrisch aufgeladen werden, und sogar mit dem Brennstoffzellen-Antrieb kombiniert werden.

„Die technischen Voraussetzungen sind bereits vorhanden.  Der Prius braucht nur einen Stecker - dann läuft er als Elektroauto. Jetzt liegt es an der Akzeptanz der Käufer", macht Breuer deutlich, dass man als Volumenhersteller erst einmal einen Markt von „wenigstens 200.000 Fahrzeugen pro Jahr" erkennen müsste, um in die Serienfertigung zu gehen. Selbst Elektro-Pionier Toyota ist also noch einige Jahre davon entfernt, vollständig laut- und abgaslos zu fahren.

Bernd Nusser