Toyota erweitert sein Angebot an Modellen mit Verbrennungs- und Elektromotor auf das boomende Segment der kompakten SUV.

„Feinstaubalarm“ wird in Stuttgart langsam zur Routine und seit der Abgasskandal bei Volkswagen vor bald einem halben Jahr ruchbar wurde, steht der Diesel mächtig unter Druck. Zur Verbesserung der Luftqualität sind in vielen Innenstädten Fahrverbote für schmutzige Selbstzünder im Gespräch. Der japanische Autobauer Toyota sieht sich jedenfalls in seiner konsequenten Hybrid-Haltung bestätigt und registriert plötzlich deutlich mehr Interesse an dem Zusammenspiel von Benzin- und Elektromotor.

So würden 56 Prozent der Käufer des Kompaktmodells Auris Kombi die Hybrid-Variante ordern und selbst beim Kleinwagen Yaris seien es noch 38 Prozent. Für die nun erstmals im RAV 4 angebotene Kombination aus Ottomotor und E-Antrieb erwartet Toyota-Kommunikationsdirektor Thomas Schalberger gar einen Anteil von 60 Prozent am Modellmix: „Die Kunden haben erkannt, dass Hybride keine Spaßbremsen sind.“ Der sonst in der SUV-Welt so gefragte Diesel wird nach den Marketingplanungen der Japaner lediglich 18 Prozent ausmachen, obwohl er vom Kooperationspartner BMW stammt und daher wahrlich keine schlechte Empfehlung mitbringt.

Erster Kompakt-SUV mit Hybrid

Die Fokussierung der Kundschaft dürfte auch darin liegen, dass der RAV 4 unter den kompakten und erschwinglichen Geländewagen weit und breit der einzige mit dieser Technik ist. Hybrid-Fans versammeln sich ganz offensichtlich beim Pionier auf diesem Gebiet.

Anders als beim neuen Prius mobilisiert der insgesamt leicht überarbeitete RAV 4 aus 2,5 Litern Hubraum eine Systemleistung von 145 kW/197 PS. Den Normverbrauchswert gibt der Hersteller mit 4,9 Litern an, was einem Kohlendioxidausstoß von 115 g/km und damit in vielen Unternehmen den ökologisch ausgelegten Dienstwagenregelungen entspricht.

Preise starten bei 31.990 Euro

Mindestens 31.990 Euro ruft der Weltmarktführer für den 2,5 Hybrid mit Frontantrieb auf. Für weitere 3.000 Euro werden auch die Hinterräder durch einen zusätzlichen Elektromotor angetrieben. Dann steigt die Anhängelast von mageren 800 auf 1.650 Kilogramm an.

Auf ersten Testkilometern zeigte sich, dass Toyota bei der Umsetzung des Antriebskonzeptes standhaft geblieben ist. Wer sich sparwillig dem System verschreibt, erlebt entspanntes Vorankommen mit tatsächlich günstigen Verbrauchswerten, wer rustikal ins Gaspedal tritt, wird schon akustisch animiert, doch bitte schnell wieder zu gemächlicher Gangart zurückzukehren.

Für Plug-in-Hybrid sieht Toyota keine Nachfrage

Wie beim Prius, so ist auch für den SUV, zumindest zunächst, kein Plug-in-Hybrid vorgesehen. Der Aufpreis für die Autos mit größerer Batterie und Nachlademöglichkeit an der Steckdose sei schlicht zu hoch. „Dafür sehen wir aktuell keine Nachfrage. Das haben auch die überschaubaren Verkaufszahlen für den Prius Plug-in-Hybrid gezeigt“, verdeutlicht Schalberger.

Das könnte sich allerdings ändern, wenn die Bundesregierung doch noch eine Kaufprämie beschließen würde. Glaubt man „Spiegel online“ und dem Internetportal der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, haben sich Wirtschafts-, Verkehrs- und Umweltministerium nun auf einen so genannten „Umweltbonus“ geeignet. Gewerbliche Käufer sollen demnach ab 1. Juli 3.000, private Käufer gar 5.000 Euro beim Kauf eines Elektroautos erhalten. Jetzt müsste noch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zustimmen…

Bernd Nusser