Markus Schrick, Deutschland-Geschäftsführer der koreanischen Automobilmarke Hyundai, nimmt einige Vertriebspartner in die Pflicht.

Jetzt heißt es Kisten packen. Am 7. Oktober nimmt die Deutschlandzentrale des koreanischen Automobilherstellers Hyundai ihre Arbeit im neuen Domizil in Offenbach auf. Direkt angedockt an die europäische Verwaltung. Am bisherigen Standort in Neckarsulm verbleit lediglich noch das Trainingscenter.

Damit wird die am 1. Januar 2012 erfolgte Integration des Importeurs in den prosperierenden, weltweit aktiven Konzern nun auch räumlich vollzogen. „Wir sind näher an den wichtigen Informationen und Entscheidungen“, erwartet Deutschland-Geschäftsführer Markus Schrick weitere Synergieeffekte. Schon jetzt habe Hyundai hierzulande „mehr Schlagkraft am Markt“ als unter der einstigen Ägide der Schweizer Emil-Frey-Gruppe.

Auf 33.000 Quadratmetern sollen die rund 200 Mitarbeiter der Hyundai Motor Deutschland GmbH beste Arbeitsbedingungen vorfinden. Da mehr als 70 Prozent des Personals den Wechsel vom Neckar an den Main mitmachen, erwartet Schrick einen reibungslosen Übergang. Ohnehin will sich der langjährige Automobilmanager mit Stationen bei Ford, Audi und Toyota nicht mit Umzugswirren aufhalten und startet vielmehr eine „Qualitätsoffensive im Handel“.

„Kraut und Rüben" bei einigen Vertriebspartnern

Schließlich fällt Schricks Bestandsaufnahme für die Vertriebspartner, zumindest teilweise, nicht besonders schmeichelhaft aus: „Bei den Umfragen zur Kundenzufriedenheit im Verkauf liegen wir relativ weit hinten. Die Ansprache der Kunden und der Umgang mit ihnen sind häufig verbesserungswürdig. Einige Betriebe sind mit dem Wachstumstempo der Marke nicht mitgekommen. Da stimmt die Organisation nicht. Da herrscht Kraut und Rüben.“

Vor allem die kleineren Händler mit Verkaufsvolumen bis zu 100 Fahrzeugen pro Jahr will der gebürtige Krefelder nun gezielt fordern und fördern. „Wir werden jeden Betrieb, der das Angebot annimmt, auf den Kopf stellen und mit einem externen Berater Stärken und Schwächen herausarbeiten“, erklärt Schrick und zeigt sich überzeugt: „150 Einheiten sind sicher möglich und jeder unserer Partner ist in der Lage, zwei Prozent Umsatzrendite zu erwirtschaften.“ Derzeit läge die Rendite der Hyundai-Händler „0,5 bis ein Prozent über dem Industrieschnitt – und der liegt aktuell bei Null“, rechnet Schrick vor.

Kritik auch an manchem Business-Center

Auch mit der Performance der bislang 61 installierten Business-Center unter den 380 Händler mit insgesamt 560 Anlaufstellen ist der Markenchef noch nicht rundherum zufrieden: „Ein Drittel funktioniert sehr gut, ein Drittel funktioniert, dem letzten Drittel müssen wir auf die Sprünge helfen.“ Es könne doch nicht sein, dass die Verkäufer an ihrem Schreibtisch sitzen und auf die Kunden warten – „die müssen raus gehen!“

Schließlich sei der Ausbau des Firmenkundengeschäftes ein weiterer strategischer Schritt zu einem „nachhaltigen, qualitativen Wachstum“ mit einer erhofften Marktanteilssteigerung von derzeit 3,4 auf vier Prozent binnen drei Jahren.

IAA-Premieren: neuer i10 und überarbeiteter iX35

Foto: Hyundai
Foto: Hyundai
Mit dem Kompaktmodell i30, dem Mittelklassewagen i40 und dem SUV iX35, der auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) vom 12. bis 22. September in Frankfurt am Main neben dem neuen Kleinwagen i10 in überarbeiteter Fassung seine Premiere feiert, verfüge man über die richtigen Produkte, die bei der gewerblichen Klientel zusehends gefragt seien.

Jetzt wünscht sich Schrick vom Hersteller unter anderem ein zusätzliches Engagement im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge (neben dem bisherigen Kastenwagen H-1): „Das wäre für uns ein weiterer Türöffner in die Flotten.“

Entwicklungszeit verkürzt

Vielleicht werden die Anfragen aus Deutschland im fernen Seoul erhört und auch rasch umgesetzt. Um schneller auf die Marktbedürfnisse reagieren zu können, habe Hyundai die Entwicklungszeit für einzelne Modelle von 40 auf lediglich 24 Monate verkürzen können. Branchenüblich ist die doppelte Zeit.

Und auch bei einer bereits viel gepriesenen Zukunftstechnik sind die ehrgeizigen Asiaten ganz vorn: Der iX35 läuft in Kleinserie bereits mit Brennstoffzellenantrieb vom Band. Erste Fahrberichte in Fachzeitschriften bescheinigen dem Fahrzeug Alltagstauglichkeit ohne Emissionen. Allerdings fehlt die Infrastruktur gänzlich und der flächendeckende Aufbau von Wasserstofftankstellen liegt in weiter Ferne. So taugt das alternative Aushängeschild auf absehbare Zeit erst einmal nur zur Imagebildung.

Bernd Nusser

Einen ausführlichen Ausblick auf die 65. Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) vom 12. bis 22. September in Frankfurt am Main lesen Sie in der September-Ausgabe von Der Handel, die am 4. erscheint. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier.