Halten Sie Ihr Geld noch ein bisschen fest. Denn in diesem Herbst machen die E-Commerce-Player Kasse an der Börse. Doch während der erwartete IPO von Rocket Internet eher Fonds, Banken, Investmentgesellschaften und Versicherungen interessieren dürfte, stehen mit Zalando und anderen Aspiranten auch eine ganze Reihe an E-Commerce-Unternehmen in den Startlöchern, die durchaus auch für den mutigen Kleinanleger als Spekulationsobjekt taugen. Doch welche Aktien muss man auf den Schirm haben? Und wo wäre man am besten schon eingestiegen? Wo besser nicht?

Zalando:
Den September sollte man sich im Börsenkalender vormerken. Ende des Monats könnte der IPO von Zalando über die Bühne gehen. Die Aktie könnte auch für spekulationsfreudige Kleinanleger spannend sein, die beispielsweise der Metro-Aktie nicht mehr trauen und lieber auf Zalando-Profit wetten. Das Emissionsvolumen soll zwischen 380 bis 570 Millionen Euro liegen. Das wären rund 10-15% der Unternehmensbewertung von rund 4 Milliarden Euro.

Rocket Internet:
Womöglich dient ein IPO von Zalando auch dazu, die Chancen des Mutterschiffs Rocket Internet auszuloten. Nach dem Einstieg von United Internet gerade wertmäßig noch einmal aufgepumpt, gilt ein Börsengang im Oktober als möglich. Die Bewertung liegt derzeit bei 4,3 Mrd. Euro. Bis zum Börsengang dürfte man 5 Mrd. anpeilen und dürfte dann vor allem auf institutionelle Investoren bauen.

Alibaba
Alles hängt aber womöglich davon ab, wie der chinesische Internet-Riese Alibaba bei seinem Börsengang im September an der New Yorker Börse abschneidet. Alibaba beherrscht in seinem Heimatland 80 Prozent des Marktes, ist größer als Amazon und eBay zusammen. Mit einem Volumen bis zu 25 Milliarden Dollar wäre es das größte IPO seit dem 16-Milliarden-Dollar-IPO von Facebook. Doch derzeit irritieren Bilanzunregelmäßigkeiten bei einer Tochter. Gleichwohl: Wer Aktien von Alibaba kauft, der wettet vor allem auf eine chinesische Zukunft im Handel.

Westwing
Der Möbel-Shopping-Club Westwing gilt als heißer Kandidat für einen Börsengang in Frankfurt, will das Manager-Magazin gehört haben. Zuletzt lag der Umsatz bei rund 110 Millionen Euro. Tendenz steigend.

Hellofresh
Der Berliner Lebensmittel-Lieferservice HelloFresh, der Kochboxen mit Zutaten und Rezepten verschickt, könnte laut Manager-Magazin in Australien aufs Parkett gehen. Dort ist HelloFresh ebenso aktiv wie in Deutschland, Österreich, Großbritannien, den Niederlanden und den USA.

Douglas
Noch ist es kaum mehr als ein Gerücht. Der Handelskonzern Douglas könnte bald auf dem Börsenparkett zu sehen sein. Angepeilter Termin: Frühjahr 2015 - wenn bis dahin alle Firmenanteile wie Buchhändler Thalia, Modehaus Appelrath Cüpper und Schmuckhändler Christ losgeschlagen sind und man als reines Parfümerie-Unternehmen eine Duftmarke an der Börse setzen kann.

Wayfair
Wayfair, Blaupause für Home24, hat für den IPO seine Börsenunterlagen eingereicht. Wayfair wird mit einem Umsatz von zuletzt 916 Millionen Dollar und rund 15 Millionen Dollar Minus auf 2 Milliarden Dollar taxiert. 350 Millionen Dollar will Wayfair bei einem Börsengang hereinholen.

Gilt Group
Der Luxus-Anbieter wird seit langem von IPO-Gerüchten umrankt. Noch in diesem Jahr könnte es soweit sein, dass der Shopping-Club seinen Umsatz von über eine halbe Milliarde Dollar versilbert.  
Casino
Die französischen Handelskette Casino will mit dem E-Commerce Spin-off Cnova an die New Yorker Börse. Cnova ist aktiv in Brasilien, Kolumbien, Frankreich, Thailand und Vietnam. Der Ableger macht rund 5 Milliarden Dollar Umsatz. Zeitpunkt und Höhe des IPO sind noch offen

Bonobos
Modemarke, Kult-Label, E-Commerce-Händler -  Bonobos gilt immer wieder als Top-Kandidat für einen IPO. Doch das online-getriebene US-Modelabel hat erst im Sommer in einer Finanzierungsrunde 55 Millionen Dollar eingesammelt. Da kann man IPO-Pläne erst einmal vertagen.

Wo es abwärts geht

Die Aktie des Modehändlers Asos hat sich zuletzt gar nicht bolle entwickelt, der Kurs des Online-Geräte Händlers AO World entwickelt sich alles andere als prächtig, und der Lebensmittellieferant Just Eat traf kurz nach dem Börsenstart nicht den Geschmack der Anleger und bewegt sich aktientechnisch derzeit trotz vorzeigbarer Profite auf einer Berg- und Talbahn.

Beim Börsenstart Ende 2013 applaudierte die Börse noch dem US-Shopping Club Zulily, spezialisiert auf Produkte für Mütter und Kinder. Doch selbst als Zulily nun für das vergangene Quartal einen gewaltigen Sprung nach vorn mit einem Umsatzplus von 97 % auf 285 Millionen Dollar vermeldete, blieb die Aktie sehr weit unter ihrer Bestform. Auch weil Zulily weiter am Rande der Profitabilität operiert.

Wo es gut läuft

Kurz vor Alibaba ging das Amazon Chinas JD.com an die Börse. Seitdem zeigt die Aktie nach oben. Der Börsengang an der NASDAQ brachte 1,78 Milliarden Dollar ein. Investitionen sorgen aber derzeit für Verluste. Trotzdem ist die Aktie recht stabil.

Beim Pizza&Co-Lieferdienst GrubHub, Konkurrenz für Delivery Hero und Co, läuft es bekömmlich. Grubhub holte beim Börsengang im Frühjahr 200 Millionen Dollar herein, die Aktie machte Freudensprünge und schmeckt den Investoren auch weiterhin.

photo credit: barmala via photopin cc