Preisverfall bei Videospielen, Lieferengpässe in chinesischen Fabriken: Die klassischen Spielwaren sorgten dann dafür, dass die Umsätz von Idee+Spiel im Jahr 2010 trotzdem stiegen. 2011 setzt die Verbundgruppe auf eine technische Revolution.

Solche Auftritte liebt Otto E. Umbach. Wenn der Geschäftsführer von Idee+Spiel vor Publikum neue Spielwaren präsentieren darf, dann hat er an diesen Momenten große Freude. Er lässt Plüschfiguren sprechen, bringt Modellhubschrauber zum Fliegen und demonstriert hemmungslos die Wirkung einer modernen Wasserpistole.

Doch ein Programmpunkt war dem Chef der Hildesheimer Verbundgruppe für Spielwarenhandel nicht vergönnt – die Vorführung des seiner Meinung nach überragenden Verkaufsschlagers im Jahr 2011. Für Umbach ist das die Weiterentwicklung der DS-Konsole von Nintendo. Diese hat nun einen Bildschirm mit 3D-Effekt, der sogar ohne die dafür sonst übliche Spezialbrille sichtbar wird. Eine technische Revolution.

Im März soll 3DS auf den deutschen Markt kommen, zu gerne hätte Umbach diese Weltneuheit bereits auf der traditionellen Jahrespressekonferenz von Idee+Spiel an diesem Donnerstag in Fürth gezeigt. Aber Nintendo will sein Produkt dann doch lieber mit einer eigenen Show entsprechend in Szene setzen.

China gehen die Fabrikarbeiter aus

Branchenkenner gehen davon aus, dass 3DS im deutschen Spielwarenhandel mächtig einschlagen wird. Umbach hofft, dass es keine Lieferengpässe gibt, unter der die Spielwarenbranche im vorigen Jahr gelitten hat. Fabriken in China, wo fast alle Spielwaren hergestellt werden, würden sich immer mehr deutschen Qualitätsstandards versagen. Zudem gebe es im Reich der Mitte immer weniger einfache Fabrikarbeiter.

Trotzdem blickt die Verbundgruppe auf ein ordentliches Jahr 2010 zurück, in dem das schräge Jubiläum des 33-jährigen Bestehens gefeiert wurde. Die rund 1.000 Anschlusshäuser (bei 818 Mitgliedern) schafften einen Verkaufsumsatz von rund 490 Millionen Euro, das ist gegenüber dem Vorjahr ein kleines Plus von 0,5 Prozent, flächenbereinigt sogar von 2 Prozent.

Laut einer Analyse von Idee+Spiel betrug das Umsatzvolumen des gesamten deutschen Spielwarenmarkts im vergangenen Jahr 2,6 Milliarden Euro. Der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) hatte für 2010 einen Umsatz von 2,46 Milliarden Euro prognostiziert, was eine Steigerung um 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr wäre.

Gewinner im Sortiment der Händler von Idee+Spiel war im vergangenen Jahr das klassische Spielzeug. Die Absätze stiegen hier um 7,2 Prozent – und sind letztlich auch für das gute Jahresergebnis verantwortlich. Auch in diesem Jahr könnte sich dieses Segment weiter erfreulich gestalten, mutmaßt Umbach.

Einbrüche verzeichnete die Verbundgruppe dagegen im Bereich Sammler-Modellautos (minus 8,6 Prozent), Multimedia/Videos (minus 5,9 Prozent) und Modelleisenbahn (minus 3,1 Prozent). Die Rückgänge bei Modellautos und -eisenbahnen sind für Umbach eine Folge der Lieferschwierigkeiten der Hersteller in Asien. Der Markt für Multimediaartikel leidet zudem unter Raubkopien und rasanten Preissenkungen.

Neue Kooperation soll keine Toy Allianz sein

Für die angeschlossenen Händler der Kooperation ist März ein wichtiger Monat, denn dann bekommen sie die üblichen Bonusvergütungen ausgeschüttet. In diesem Jahr verteilt Idee+Spiel abermals rund 7 Millionen Euro an die Unternehmen.

Zudem ist für den Handel ist eine neue Kooperation von Idee+Spiel interessant. Die Verbundgruppe hat mit der Fachhandelsgruppe Arbeitskreis Richtiges Spielzeug (ARS) eine Zusammenarbeit verabredet. Start ist am 1. Februar. "Das ist keine neue Toy Allianz", betonte Umbach mit Blick auf das 2007 nach nur einem Jahr des Bestehens mit Misstönen beendete Joint Venture zwischen seiner Kooperation und Vedes.

Vielmehr tritt Idee+Spiel für die 130 Händler von ARS nur als Dienstleister auf, der die Zentralregulierung übernimmt. Umbach gab sich sehr vorsichtig bei der Einschätzung, ob aus dieser Kooperation mehr werde. Offenbar haben ihm die schlechten Erfahrungen mit der Toy Allianz Vorsicht gelehrt. "Wir wollten damals zu schnell zu viel."

Eine Umsatzprognose für 2011 wollte Umbach nicht abgeben. Möglicherweise will der Geschäftsführer dafür auch erst die Spielwarenmesse vom 3. bis 8. Februar in Nürnberg abwarten. Herauszuhören ist aber, dass Fluch und Segen für die Branche offenbar davon abhängen, wie gut Nintendo die Nachfrage des neuen 3DS befriedigen kann.

Dass es neben dem erhofften "Megatrends" 3D (Umbach) noch Platz für einen Klassiker geben soll, glaubt der Verbundgruppenchef aber auch. Wie schon in den Jahren zuvor beschwor er auch heute die Wiederkehr der Modelleisenbahn. Gerade der 2010 vor der Insolvenz gerettete Traditionshersteller Märklin bringe eine Fülle von Neuheiten auf den Markt. Zuletzt war das Sortiment vor allen an Sammler immer mehr nur noch an Sammlern ausgerichtet gewesen. Doch nun gibt es eine neue, alte Zielgruppe: Kinder.