Sieben Jahre nach der ersten Insolvenz von IhrPlatz steht nun der nächste Überlebenskampf an. Ein ehemaliger Manager räumt der Schlecker-Tochter gegenüber derhandel.de aber gute Marktchanchen ein.

Das kann kein Zufall sein: Am späten Mittwochabend meldet Schlecker, dass man sich mit der Einkaufsgemeinschaft Markant über ausstehende Zahlungen geeinigt habe. Und nur einen halben Tag später teilt die Drogeriemarktkette mit, dass nun auch ihre Tochter IhrPlatz in die Insolvenz geht.

"IhrPlatz befindet sich in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zu Schlecker, so dass jetzt eine gemeinsame Lösung für den Konzern gesucht werden kann", erklärte Arndt Geiwitz, vorläufiger Insolvenzverwalter der Konzernmutter Anton Schlecker e.K., den Schritt.

Alles sieht danach aus, als ob sich Schlecker die Aufnahme der Warenlieferung durch Markant durch die Insolvenz von IhrPlatz erkauft habe - das mutmaßt zumindest ein ehemaliger IhrPlatz-Manager.

Leere Regale auch bei IhrPlatz

"Irgendwo muss ja das Geld für den Deal mit Markant herkommen", sagt Jakob Ruprecht zu derhandel.de. Ruprecht war zwischen 2006 und 2008 Marketingchef von IhrPlatz und arbeitet heute als freier Marketingberater in Münster.

Auch IhrPlatz-Filialen hatten zuletzt Schwierigkeiten, Ware zu bekommen. Ruprecht berichtet von einer Stippvisite in einem Flagship-Store in Osnabrück, wo querbeet im Sortiment große Lücken klafften.

Die Mitarbeiter der Schlecker-Tochter müssen sich nun wie in einem schlechten Film vorkommen. Denn erst 2005 musste das Unternehmen eine Insolvenz durchstehen, was durch eine Planinsolvenz in Eigenverwaltung gelang. Genau das strebt nun Schlecker auch an.

Geschäftsbetrieb läuft weiter

Ziel des Restrukturierungskonzepts sei der Erhalt des Unternehmens und somit eines großen Teils des Filialnetzes und der Mitarbeiter, teilte Schlecker mit. Für eine zukunftsfähige Lösung sollen in den kommenden Tagen auch die Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat wie auch der Gewerkschaft fortgesetzt werden.
 

"Der Geschäftsbetrieb bei IhrPlatz und Schlecker läuft unverändert weiter. Durch die gestrige Einigung mit der Einkaufskooperation Markant ist der Regelbetrieb bei beiden Marken sicher gestellt. Auch die Zahlung der Mitarbeitergehälter ist im Rahmen des Insolvenzausfall-Geldes sichergestellt.", so das Unternehmen.

IhrPlatz-Filialen interessanter als Übernahmeziel

Marketing-Mann Ruprecht sieht unterschiedliche Perspektiven für beide Unternehmen. Während er darüber rätselt, welches Konzept Schlecker retten soll, gibt er IhrPlatz deutlich mehr Überlebenschancen - sofern sich ein Investor findet.

"Deren Flächen kommen als Übernahme-Standorte für Rossmann oder dm eher in Frage", sagt er. Die Filialen lägen eher in attraktiven Innenstadtlagen, zudem würden sie meist 400 Quadratmeter Fläche und mehr haben.