Karstadt vor dem Führungswechsel: Laut "Spiegel" soll die Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt Nachfolgerin für den scheidenden Vorstandschef werden - damit hat das Gerücht nun ein Gesicht.

Eine Ikea-Managerin soll nach einem Medienbericht den angeschlagenen Warenhauskonzern Karstadt aus der Krise führen. Eva-Lotta Sjöstedt solle zum Jahresanfang Karstadt-Chef Andrew Jennings ablösen, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Sonntag vorab.

In der vergangenen Woche hatte die "Süddeutsche Zeitung" bereits über eine schwedische Ikea-Managerin als mögliche Jennings-Nachfolgerin berichtet. Der Brite verlässt Karstadt zum Jahresende. Dann läuft sein Vertrag aus.

Ein Sprecher von Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen wollte die Meldung nicht kommentieren. Weitere Stellungnahmen des Warenhauskonzerns waren am Sonntag nicht zu erhalten. Das Unternehmen beschränkt seine Öffentlichkeitsarbeit ohnehin weitgehend darauf, missliebige Berichterstattungen mit anwaltlicher Hilfe zu unterbinden.   

Die Schwedin Sjöstedt hat in den vergangenen zehn Jahren auf verschiedenen Managementposten für den Möbelriesen Ikea gearbeitet, unter anderem in Japan und den Niederlanden. Zuletzt war sie für die globale Entwicklung des Multichannel-Geschäfts des Konzerns zuständig. Eva-Lotta Sjöstedt hat ein LinkedIn-Profil, so dass man sich ein Bild von der künftigen Karstadt-Chefin machen kann.

Jennings war von Berggruen Anfang 2011 als Sanierungsexperte nach Essen geholt worden. Der Warenhauskonzern ist seitdem nicht aus den Turbulenzen gekommen. Mit Sprachschöpfungen wie  "Full of Life" oder "Midseason-Sale" hatte der Brite für Unmut gesorgt. Karstadt-Filialen seien für Kunden ohne Englischkenntnisse kaum zu verstehen, bemängelten Sprachschützer.

Viele Spekulationen, keine Kommunikation

 
Im September dieses Jahres hatte der Investor Nicolas Berggruen 75,1 Prozent der Karstadt-Sporthäuser und Premium-Group an den österreichischen Karstadt-Vermieter Signa unter Leitung von René Benko abgegeben und sich damit von der Mehrheit an den Filet-Stücken des Warenhauskonzerns getrennt. Berggruen hatte den Warenhauskonzern 2010 aus der Insolvenz heraus übernommen.

Kurz vor dem seit längerem angekündigten Führungswechsel an der Karstadt-Spitze gab es im vergangenen Monat Spekulationen, Signa könne zusammen mit dem israelischen Diamanten-Milliardär Beny Steinmetz auch die Mehrheit am Karstadt-Stammgeschäft mit weiteren 83 Warenhäusern zum Preis von nur einem Euro übernehmen.

Nach der Ankündigung eines ehrgeizigen Konzepts unter dem Titel "Karstadt 2015" kurz nach seinem Amtsantritt hatte Jennings zuletzt kaum noch einen Blick auf die Geschäftsergebnisse ermöglicht. "Wir haben nach wie vor einen weiten Weg vor uns», hatte er einem Zeitungsbericht zufolge im September vor Mitarbeitern gesagt. Der Umsatz sei im September den zweiten Monat in Folge gestiegen, berichtete die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung".

Händeringende Suche nach einem Nachfolger

Nachdem Karstadt im Juni den bevorstehenden Abgang von Jennings verkündet hatte, war nach einem Nachfolger gesucht worden. Monatelang habe ein Kandidat nach dem anderen dankend abgewinkt, berichtete das Nachrichtenmagazin. Der Karstadt-Aufsichtsrat müsse der Personalie noch auf seiner nächsten Sitzung zustimmen, hieß es. Die nächste Aufsichtsratssitzung ist nach Angaben aus Mitgliedskreisen für den 11. Dezember angesetzt.

Karstadt hat derzeit rund 20.000 Beschäftigte. Für die Mitarbeiter hatte Karstadt im Frühjahr dieses Jahres eine "Tarifpause" angekündigt und damit für Unmut gesorgt. In dem noch laufenden Tarifstreit will die Gewerkschaft neben einer Rückkehr von Karstadt in die Tarifbindung auch eine  Beschäftigungs- und Standortsicherung durchsetzen.

dpa, DH