Der Teilrückzug der Bundesbank aus dem Bargeldkreislauf führte nicht zu der befürchteten Kostenexplosion für Händler. Doch im Cash-Handling gibt es nach wie vor Optimierungsmöglichkeiten.

Das vorhergesagte Chaos blieb aus. "Es ist absehbar, dass es zum neuen Jahr zu Überraschungen in der Wechselgeldversorgung kommen könnte", warnte der Handelsverband Deutschland (HDE) im Dezember 2010 - doch die befürchteten Engpässe sind nicht eingetreten.

"Alles halb so wild", lautet die Bilanz im ersten Jahr mit neuen Spielregeln im Bargeldkreislauf. Weder kam es in den Kassen des deutschen Einzelhandels zu Mangelerscheinungen, noch schossen die Kosten für Münzgeldrollen in exorbitante Höhen.

Bundesbank zieht zufrieden Bilanz

"Die Sorgen um die Bargeldversorgung aufgrund der Umstellung auf den Normcontainer waren unbegründet", kommentiert Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, gegenüber Der Handel.

Seit dem 1. Januar 2011 dürfen Münzen nur noch in sortenreinen Normcontainern bei der Bundesbank eingeliefert und abgeholt werden, die Ein-Euro-Münze also beispielsweise in Containern mit 75.000 Münzen. Die Maßnahme machte erhebliche Veränderungen bei den Geld- und Werttransportern und Banken notwendig, da sie den Münzkreislauf völlig neu organisieren mussten.

Aus Kostengründen verfolgt die Bundesbank das Ziel, sich stückweise aus der Bargeldbearbeitung zurückzuziehen. Mit Erfolg: "Im Bereich der Münzen hat sich das über die Bundesbank abgewickelte Volumen im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 25 Prozent reduziert", bilanziert Thiele. Und auch im Bereich der Privatisierung des Banknotenrecyclings, einer weiteren Baustelle, sieht Thiele die Bundesbank "auf einem guten Weg".

Für den Einzelhandel haben sich Münzrollen im vergangenen Jahr moderat verteuert: "Die Mehrkosten pro Rolle liegen im Bereich von rund drei bis fünf Cent", erklärt Michael Mewes, Vorsitzender der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW). "Große Handelsunternehmen haben keine signifikanten Kostensteigerungen verzeichnet."

Optimierung der Prozesse durch Automatisierung

Dennoch schlummern in der Bargeldver- und -entsorgung vieler Handelsunternehmen weiterhin erhebliche Einsparpotenziale. Automatisierungen im Bargeldprozess und geschlossene Geldkreisläufe sind immer noch die Ausnahme. "Wenn man sich die Abläufe im Bargeldhandling von Händlern anschaut, lässt sich das Risiko und der administrative Aufwand häufig deutlich reduzieren", erläutert Verbandschef Mewes im Gespräch mit Der Handel. Sein Unternehmen, die Cash Logistik Security AG (CLS), organisiert zusammen mit der DZ Bank bundesweit Tresorlösungen für Handelsunternehmen.

Die Tageseinnahmen werden vom Kassenpersonal am Abend in einen Tresorautomaten im Laden eingespeist, der das Geld prüft, zählt und quittiert. "Der Händler hat in diesem Modell den Bankschalter praktisch in der eigenen Filiale", erläutert Gregor Roth, Bereichsleiter Operations & Services der DZ Bank. "Denn mit der Einzahlung in den Tresor übernimmt die Bank sofort die Haftung für das Geld und veranlasst die entsprechende Buchung der Gutschrift auf das Konto des Händlers."

Den optimalen Entleerungstermin für den Tresor koordiniert die CLS, die die Überwachung und Tourenplanung für eine ganze Reihe von Geldlogistikern im Auftrag der DZ-Bank durchführt.

Die Kosten dieser Tresorlösung bewegen sich im Durchschnitt in einem Rahmen von monatlich 220 bis 290 Euro - ausgehend von Jahresumsätzen zwischen 500.000 und 1,5 Millionen Euro - inklusive der Versicherung. "Unsere Erfahrungen zeigen, dass Handelsunternehmen über alle Prozessschritte der Bargeldlogisik 20 bis 30 Prozent der Kosten einsparen können", wirbt Roth.

Rund 1.500 Einzahltresore hat das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken inzwischen bei Händlern im Einsatz. Zu den Nutzern zählen unter anderem die Schuhkette Deichmann, der Textilfilialist Tally Weijl und auch kleinere ­Bäckereien.

Trend zum geschlossenen Bargeldkreislauf

"Einzahltresore für das Backoffice gehören heute praktisch zum Standardangebot in der Geldlogistik", erläutert BDGW-Vorsitzender ­Michael Mewes. "Auch ohne die Verbindung mit der Banklösung rentiert sich die Investition für den Händler häufig aufgrund des deutlich reduzierten Handlingaufwands und des verringerten Überfallrisikos."

Auch SecurLog, der Marktführer unter den Geld- und Werttransportunternehmen, sieht im Bereich der Automatisierung und Auslagerung der Bargeldlogistik durch Handelsunternehmen ein Geschäftsfeld mit Zukunft. Jüngstes Beispiel für den Trend zur Automatisierung des Bargeldkreislaufs ist Ikea.

Die Einrichtungshäuser setzen künftig weltweit Cineo-Geldkassetten von Wincor Nixdorf ein. Ohne jegliches Zutun des Kassenpersonals wissen die "intelligenten Kassetten", wie viel Geld sich in ihnen befindet - und können nach Schichtende unmittelbar vom Geldtransporteur übernommen werden. Nach den Vorstellungen des ostwestfälischen Kassen- und Geldautomatenherstellers Wincor könnten diese Kassetten in einem nächsten Schritt direkt zur Bestückung eines Geldautomaten genutzt werden, womit der Bargeldkreislauf vollständig geschlossen wäre.

Hanno Bender

Dieser Artikel erschien in der Februar-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel. Ein kostenfreies Probeexemplar gibt es hier.