Auf welche Dauer sich die Öffentlichkeit beim Streit Verdi gegen Amazon einstellen muss, ist unklar. Die Gewerkschaft denkt nicht daran, aufzugeben. Nun wird auch in Rheinberg gestreikt. Doch ohne Erfolg.

Im Tarifkonflikt mit dem weltgrößten Onlineversender Amazon hat die Gewerkschaft Verdi ihre Streikwelle auf einen weiteren Standort ausgeweitet. Am Dienstagmorgen legten zum Beginn der Frühschicht nach Angaben der Gewerkschaft erstmals rund 300 Beschäftigte im Versandzentrum in Rheinberg am Niederrhein die Arbeit nieder. Im Logistikzentrum im bayerischen Graben beteiligten sich Verdi zufolge rund 400 Beschäftigte am Streik.

Rheinberg ist damit das vierte der neun Amazon-Logistikzentren in Deutschland, in dem die Gewerkschaft zum Streik aufgerufen hat. Auch in Bad Hersfeld und Leipzig war es in den vergangenen Tagen zu Arbeitsniederlegungen gekommen. Amazon betonte, die Streiks hätten keine Auswirkungen auf den Versand an Kunden. Das Unternehmen sprach von 250 Mitarbeitern in Graben und in Rheinberg, die in der Frühschicht die Arbeit niedergelegt hätten.

Amazon wiederum ist nicht kompomissbereit. "Wir sehen derzeit keinen Anlass, den von Ihnen geforderten Anerkennungstarifvertrag abzuschließen", teilte der Rheinberger Amazon-Geschäftsführer Cavit Yilmaz in einem Schreiben mit, aus dem die Onlineausgabe der "Rheinischen Post" zitiert.

Verdi glaubt an Erfolg der Streiks

Mit den bundesweiten Streikaktionen will Verdi Amazon zur Aufnahme von Tarifverhandlungen bewegen, die sich an den Bedingungen des Einzelhandels orientieren. Das Unternehmen lehnt das jedoch ab und sieht sich selbst als Logistiker, dessen Bezahlung schon am oberen Ende des branchenüblichen Niveaus liege. Amazon beschäftigt an bundesweit neun Standorten mehr als 9.000 Mitarbeiter.

Die Gewerkschaft richtet sich auf einen langen Arbeitskampf ein. Verdi-Streikleiter in Rheinberg, Daniel Zimmermann, kündigte an, Verdi wolle den Druck kontinuierlich bis zum Weihnachtsgeschäft erhöhen. "Bei einer solchen Auseinandersetzung braucht man Durchhaltekraft", sagte er. Auch wenn Amazon die Auswirkungen der Streiks herunterspielen wolle, wirksam seien die Arbeitsniederlegungen auf jeden Fall. Denn dadurch entstehe ein deutlicher logistischer Mehraufwand für Amazon. Der koste das Unternehmen Geld.

Im Warenlager im bayerischen Graben soll laut Verdi künftig häufiger gestreikt werden. Das Logistikzentrum soll nach Gewerkschaftsangaben neben Leipzig und dem hessischen Bad Hersfeld dauerhaft der dritte Standort für Ausstände bei Amazon in Deutschland werden.