Im Ringen um die Zukunft von Karstadt gelten keine Fristen mehr. Dieses Wochenende sollte eigentlich die Entscheidung über die Zukunft des Warenhauses bringen - aber daraus wird wohl auch nichts.

Der Poker um die Übernahme der Karstadt-Warenhäuser durch Investor Berggruen steht vor einer erneuten Verlängerung. Die 25.000 Beschäftigten in 120 Warenhäusern müssen deswegen vermutlich weiter um den Erhalt des Unternehmens und ihrer Jobs bangen. Berggruen und Vermieter Highstreet benötigen für ihre komplizierte Einigung auf neue Mietbedingungen voraussichtlich mehr Zeit.

Den Weg für eine erneute Fristverlängerung hat nach dpa-Informationen am Donnerstag der Karstadt-Gläubigerausschuss in Essen getroffen. Die Gläubiger haben demnach einen sogenannten Vorratsbeschluss getroffen. Der Beschluss versetzt die Beteiligten in die Lage, am kommenden Dienstag bei Bedarf eine neue Frist zu erreichen.

Warten bis Sonntagnacht

Falls Berggruen bis Sonntag 24 Uhr vom Highstreet-Konsortium keine unterschriebenen Verträge mit verbesserten Konditionen bekommt, kann er beim Notar den Kaufvertrag als nicht vollzogen angeben.

Sollte er aber dabei noch gute Chancen auf Erfüllung der Bedingungen sehen und dies dem Insolvenzverwalter mitteilen, könnte dieser beim Insolvenzgericht in Essen eine Fristverlängerung erwirken. Dann könnte Highstreet weiter versuchen, in dem verzweigten Kreis eigener Gläubigern alle notwendigen Unterschriften zusammenzubekommen.

Borletti steht zu seinem Angebot

Der neue Karstadt-Interessent Maurizio Borletti hat inzwischen sein Angebot bekräftigt. Er will noch zum Zuge kommen, falls der Berggruen-Vertrag letztlich doch platzt. Wie die Tageszeitung "Die Welt" heute berichtet, hat der Italiener am Donnerstag eine förmliche Finanzierungszusage von 100 Millionen Euro für Karstadt bei Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg vorgelegt.

Die Garantie trage die Unterschrift von Vertretern des Finanzierers Gordon Brothers. Bisher hatte Borletti die Summe lediglich in einem Brief in Aussicht gestellt. Offiziell ist die Bewerberfrist längst abgelaufen.

Görg will nur mit Berggruen verhandeln

Allerdings dürfte Borletti nicht zum Zuge kommen. Nach einem Bericht im "Handelsblatt" (Freitag) sollen die Verkaufsverhandlungen nach einem Beschluss der Gläubiger exklusiv mit Berggruen fortgeführt werden. Parallele Verhandlungen mit Borletti werde es nicht geben, wird ein Sprecher des Karstadt-Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg zitiert.

Dem Bericht zufolge hat Borletti - anders als angekündigt - Zugeständnisse gefordert, die zu Nachverhandlungen führen würden. Bis auf den Vermieter Highstreet hätten sämtliche Gläubigervertreter deshalb weitere Gespräche mit Borletti abgelehnt.

Gestern gab es von der Gewerkschaft Verdi scharfe Kritik am Vorgehen Borlettis. "Herr Borletti hat gewusst, dass die Frist für das Bieterverfahren Ende Mai auslaufen wird", sagte eine Sprecherin der "Berliner Zeitung". "Wäre ihm an einem ernsthaften Gebot gelegen, hätte er es abgeben können."