Morgen eröffnet der erste Apple Store in Deutschland. Der Elektronikhandel verfolgt gespannt, ob der US-Riese seine Erfolgsgeschichte auch im heimischen Markt fortschreiben kann.

Die Rosenstraße in der Nähe des Münchner Marienplatzes gehört zu den 1A-Lagen in der bayerischen Landeshauptstadt. Wenn Apple dort am Nikolaus-Samstag (6. Dezember) den ersten Apple Store in Deutschland eröffnet, wird dies nicht nur die Aufmerksamkeit der Liebhaber der Produkte mit dem Apfel-Symbol erregen. Die gesamte Branche wird aufmerksam verfolgen, ob Apple seine Retail-Erfolgsgeschichte auch auf dem komplexen deutschen Markt fortschreiben kann.

Der kalifornische Konzern betreibt bislang rund 230 Apple Retail Stores in den USA, in Großbritannien, Japan, Italien, in der Schweiz, in China, Kanada und Australien. Den Einstieg in den deutschen Einzelhandel hatte Apple immer wieder verschoben, denn der Führungsspitze war klar, dass der Erfolg auf dem schwierigen deutschen Handelspflaster nicht programmiert werden kann.

Umsatz im Vordergrund

Im Gegensatz zu manchen internationalen "Flagship Stores" großer Verbraucher-Marken will Apple mit seinen Läden nicht nur die Marke pflegen, sondern vor allem Umsatz machen und Geld verdienen.

Im Geschäftsjahr 2008 (30. September) setze Apple in seinem Retail-Segment 6,3 Milliarden Dollar (4,3 Mrd. Euro) um und erwirtschaftete dabei 1,3 Milliarden Dollar (920 Millionen Euro) Gewinn. Die Aussichten für das neue Geschäftsjahr sind allerdings nicht so rosig, denn die Hauptmärkte von Apple stecken in einer Rezession.

Erfolg trotz Krise

Trotz allgemeiner wirtschaftlicher Abschwungtendenzen in den USA und Europa kann Apple jedoch weiterhin Absatzerfolge verzeichnen. Rechner mit dem Apfel-Symbol erzielen in manchen Segmenten wieder zweistellige Marktanteile, nachdem Ende der neunziger Jahre manche Beobachter schon Apple vor dem Aus gesehen hatten.

Außerdem sind die Musikplayer von Apple extrem erfolgreich. Und mit dem iPhone gelang Apple ein geradezu sensationeller Einstieg in den Mobilfunktmarkt.

Unruhe unter Handelspartnern

Unter den Vertriebspartnern von Apple herrscht nun teilweise Unruhe, wie es nach dem direkten Einstieg von Apple in den deutschen Einzelhandel weitergehen wird.

Reinhard Weidinger mit seinem Münchner Apple-Fachgeschäft "In Time Computer" muss nun damit leben, dass keine zwei Kilometer Luftlinie von seinem Laden der Apple Store in einer 1A-Lage um Kunden wirbt. "Der Store wird uns schaden", sagte Weidinger der Presseagentur dpa.

Er wirft Apple vor, schon in der Vergangenheit bei knappen Waren den eigenen Online-Store im Web bevorzugt zu haben. "Wir konnten wochenlang keine MacBooks liefern, während online im Apple Store die Geräte vorrätig waren."

Immerhin hofft Weidinger, dass über einen hohen Absatz des Münchner Apple-Ladens indirekt auch Geschäft bei ihm landen wird. Mit seiner autorisierten Apple-Werkstatt kann er zudem Dienstleistungen anbieten, die es im Apple Store nicht gibt.

Mehr Wettbewerb

Künftig werden sich aber auch Apple-Händler außerhalb Münchens auf den Wettbewerb durch ihren Hauslieferanten einstellen müssen. Vertriebsvorstand Ron Johnson hatte zuletzt indirekt Apple Stores in Berlin, Frankfurt, Köln und Düsseldorf angekündigt.

Archibald Horlitz, Geschäftsführer von Gravis, reagiert im Gegensatz zum kleineren Fachhändler Weidinger gelassen auf die neue Konkurrenz. Der Apple-Store werde den deutschen Apple-Markt beleben und noch mehr Kunden auf Apple-Produkte aufmerksam machen.

Aber auch Horlitz fordert von Apple "Fairness in den Punkten Warenverfügbarkeit und Preisgestaltung für die Endkunden" ein. "Ein Verdrängen der bisherigen Partner ist nicht im Interesse von Apple. Langfristig glauben wir, dass die Präsenz des Apple-Stores unsere Umsatzzahlen ankurbeln wird."

Christoph Dernbach, dpa