Der Geländewagenhersteller Jeep will mit kompakteren Modellen und einer Autogas-Variante gegen die Klimadebatte anfahren.

Eigentlich hatten sich die 250 deutschen Jeep-Händler schon die Hände gerieben. Die amerikanische Traditionsmarke legte eine in der mehr als 65-jährigen Unternehmensgeschichte einmalige Modell-Offensive hin. Aus drei wurden sechs Baureihen.

Doch damit hat sich der Absatz noch längst nicht verdoppelt. Im Gegenteil: Hersteller und Händler bewegen sich, zumindest hierzulande, in schwerem Gelände. Kaufverträge werden derzeit nur in homöopathischen Dosen unterschrieben. Der Kundschaft scheint die Lust auf „Freiheit und Abenteuer”, zwei Kernwerte der amerikanischen Traditionsmarke, angesichts der Kraftstoffpreise vergangen zu sein.

Mit Ausnahme des Grand Cherokee (238 Zulassungen) bewegten sich die Verkaufszahlen im Juli 2008 pro Modell jeweils im zweistelligen Bereich.

Wachstumsmarkt Russland

Während Jeep etwa im Wachstumsmarkt Russland zweistellig zulegt, trifft die Klimadiskussion das Unternehmen in Deutschland am Nerv. „Wir bieten mit Patriot und Cherokee jetzt zwei ganz neue Modelle an, die über sparsame Diesel-Motoren verfügen. Damit sind unsere Fahrzeuge mit sechs Litern Kraftstoff auf 100 Kilometern zu bewegen”, beschreibt Jeep-Sprecher Markus Hauf das vorsichtige „Downsizing”-Konzept.

Vor allem der Patriot, der den Händlern seit wenigen Wochen zur Verfügung steht, soll im Segment der Soft- und Kompakt-SUV künftig verstärkt punkten. Die Preisliste des 4,41 Meter langen Allradlers beginnt bereits bei 24.490 Euro für den 2,4-Liter-Benziner (125 kW/170 PS).

Die versprochene "6" vor dem Komma beim Verbrauch ist aber nur mit dem 2,0-Liter-Diesel zu erreichen. Der von Volkswagen  eingekaufte Selbstzünder leistet 103 kW/140 PS und verspricht einen Normwert von 6,6 Litern. Der Preis: ab 26.890 Euro.

Mittlerweile wird auch an die Umwelt gedacht

Obwohl auf den ersten Blick fast ähnlich, liegt der neue Cherokee, der am Samstag, dem 6. September in die Showrooms rollt, eine Klasse und rund 5.000 Euro über dem Patriot. Dafür gibt es den 4x4-Modus mit Geländeuntersetzung und elektronischer Bergabfahrhilfe.

Das Modell soll sich, wie sein Vor-Vorgänger, als kantiger Kerl fürs Grobe etablieren. Für den Vortrieb sorgt ab 31.990 Euro ein 2,8-Liter-Diesel (130 kW/177 PS), mit Mercedes-Benz-Genen.  Den Verbrauch gibt Jeep mit 8,4 Litern an.

Um dem Umweltgedanken weiter Rechnung zu tragen, setzen die Amerikaner auch auf Autogas. Vom Patriot geht jetzt ein Sondermodell mit einem 72 Liter großen zusätzlichen Gastank in der Reserveradmulde an den Start. Der Aufpreis beträgt 1.200 Euro inklusive TomTom-Navigationsgerät mit einem Verzeichnis der rund 4.000 deutschen Autogastankstellen und soll sich schon nach 15.000 Kilometern amortisieren.

Bernd Nusser